Freiburg i.Br.

Moral ist nicht eindimensional

Der verstorbene Moraltheologe Eberhard Schockenhoff wusste den Diskurs um Moral in dieser Zeit voran zu treiben. Das wurde immer kontrovers diskutiert. Ein Auszug der Diskussionen spiegelt sich in den Berichten wider.

Moraltheologe Eberhard Schockenhoff
Der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff sorgte regelmäßig für moraltheologische Debatten. Foto: Torsten Leukert (dpa)

Schockenhoff konnte einen Diskurs auslösen und voran treiben. Moral ist in unserer pluralistischen Gesellschaft keine einfache Sache. Schon allein die Frage, worauf sich einen in breite Schichten der Gesellschaft kommunizierbare Moral stützen kann, ist nicht trivial. Der Freiburger Moraltheologe löste so mache Debatte aus, die innerhalb und außerhalb der Kirche Beachtung fand. Die Tagespost berichtete kritisch über viele Stellungnahmen des Theologen.  Dieser Beitrag zeigt eine Reihe von Artikeln zu unterschiedlichen Themen rund um die Moraltheologie Schockenhoffs. 


Mehr Schopenhauer, weniger Nietzsche

Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts hat nicht bloß einen unzureichenden, sondern einen ganz und gar unmöglichen Begriff von Autonomie.

So kritisierte etwa der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff in einem Beitrag für die Mai-Ausgabe der von der Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegebenen Reihe „Analysen & Argumente“, mit ihrem Urteil hätten die Karlsruher Richter, „einen neutralen Standpunkt oberhalb unterschiedlicher inhaltlicher Festlegungen der Menschenwurde“ verlassen „und sich ein weltanschauliches Verständnis zu eigen“ gemacht, welches die Menschenwürde „mit prinzipiell unbeschrankter individueller Selbstbestimmung gleichsetzt“. Durch die „Auslegung der Menschenwurde-Garantie im Sinne schrankenloser Autonomie und Selbstverfugung“ verwerfe „das oberste Gericht zugleich die Konkordanzformel, die dem Anfang 2015 vom deutschen Parlament beschlossenen Gesetz zur Strafbarkeit der geschaftsmäßigen Forderung der Selbsttötung zugrunde lag.“

Stefan Rehder
20. Juni 2020

Junge Federn: Potenzial für Erneuerung?

Die Krise der Kirche ist offensichtlich. Über die Ursache herrscht Uneinigkeit. Ob der Synodale Weg wirklich zu einer grundlegenden Erneuerung der Kirche beitragen kann, bleibt fraglich.

Auch der Vortrag von Professor Schockenhoff bei der DBK im März spiegelt diese Sicht wider. Für den Moraltheologen „verrät die Einseitigkeit, mit der Johannes Paul II. diese Warnungen regelmäßig vortrug, dass die Theologie des Leibes das sexuelle Begehren und den Triebcharakter des Eros nicht vorbehaltlos als einen positiven Ausdruck menschlicher Körperlichkeit und Lebenslust würdigen kann“. Wer die 133 Katechesen von Johannes Paul II. studiert, wird jedoch erkennen, dass diese oberflächliche Betrachtung in keiner Weise der Lehre gerecht wird. 

Johannes Wieczorek
16. Dezember 2019

 

Katholische Sexualmoral: Wegweiser zum Glück

Zwölf gute Gründe für ein frohes Bekenntnis zur katholischen Sexualmoral.

Was aber von verschiedenen Seiten gefordert wird (zum Beispiel im veröffentlichten Statement von Professor Schockenhoff bei der Frühjahrsvollversammlung der DBK in Lingen), ist keine Weiterentwicklung, sondern eine Änderung, deutlich formuliert ein Bruch mit der Lehre der Kirche, wie sie gerade in den letzten 50 Jahren durch viele Dokumente verkündigt wurde.

Ich halte dagegen: Die Sexualmoral der Kirche ist ein Schatz! Sie skizziert einen Weg echter Liebe mit Leib und Seele. Und wer die Liebe gefunden hat, hat das Glück gefunden.

Dominikus Schwaderlapp
22. September 2019


Modernisierung der Moral?

Ein kritischer Blick auf die moraltheologischen Ansichten Eberhard Schockenhoffs und deren Einfluss auf die synodalen Prozesse.

Bei der Lektüre von Schockenhoffs Ansprache an die in Lingen versammelte deutschen Bischöfe wird klar, dass die Maximen der sexuellen Revolution in den sechziger Jahren in der deutschen Moraltheologie mittlerweile die Norm geworden sind. Den „Synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland dürften sie prägen. Jene Revolution wurde großteils durch die wirksamen technologischen Mittel geschürt, die die moderne Wissenschaft in den fünfziger Jahren ersonnen hatte, um den Vollzug des sexuellen Akts von der Fortpflanzung zu trennen. Die Zeugung wurde dadurch zu einem fakultativen Extra im Ermessen eines verheirateten oder unverheirateten Paares, das durch technische Mittel die Zahl ihrer Kinder sowie den zeitlichen Abstand zwischen ihnen „kontrollieren“ konnte.

Vincent Twomey
28. Juli 2019

 

Schockenhoffs Frühling

Die gegenwärtige Gesellschaft hat die Weisheit der Kirche dringend nötig. Das beweist die Zuname von Pornosucht, sexueller Verwahrlosung und emotionale Bindungsunfähigkeit. 

Am 13. März 2019 hielt der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff vor der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen einen Vortrag, in dem er für eine Kurskorrektur der kirchlichen Sexualethik plädiert, um die menschliche Sexualität „aus den normativen Fesseln der traditionellen Sexualmoral zu befreien.” Und da heißt es plötzlich an einer Stelle, wo es um das Ziel der „inhaltlichen Revisionsarbeiten am Gebäude der kirchlichen Sexualmoral” geht, „damit der erhoffte Frühling tatsächlich kommen kann.” Da haben wir es, das magische Wort: „Frühling”! Dieser Frühling wird also bis jetzt verhindert, und zwar durch die Kirche und ihrem Festhalten an ihrer Lehre. Aber merkwürdig: Gleichzeitig wird seit Jahren immer wieder beteuert, dass sich die Lehre der Kirche längst von der Lebenswirklichkeit des Menschen entfernt habe. Das heißt mit anderen Worten: In der Lebenswirklichkeit ist der sexuelle Frühling schon längst bei den Menschen angekommen.

Engelbert Recktenwald
30. Mai 2019

Schockenhoff: Militär-Interventionen können legitim sein

Deutschland sollte sich nach Ansicht des Freiburger Moraltheologen Eberhard Schockenhoff weiterhin an militärischen "humanitären Interventionen" beteiligen.

"Wenn es darum geht, dass andere Menschen Opfer von ungerechter Gewalt werden, ist der pazifistische Verzicht auf Gewalt ungeeignet", sagte Schockenhoff am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg. Pazifismus dürfe nicht dazu führen, "wegzuschauen und die Leidenden ihrem Schicksal zu überlassen". Ein Staat von der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Deutschlands könne sich hier seiner Verantwortung nicht grundsätzlich entziehen.

DT
24. Oktober 2018


Atomwaffenfreie Welt unrealistisch

Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff hat Atomwaffen als eine große Bedrohung des Weltfriedens bezeichnet. „Die reale Bedrohung durch Nuklearwaffen wird massiv unterschätzt und daher öffentlich kaum diskutiert“, erklärte Schockenhoff am Dienstag bei der Jahrestagung der katholischen Militärseelsorger in Freiburg.

DT
19.September 2018


Facetten der Liebe

Martina Kreidler-Kos und Eberhard Schockenhoff debattieren mit einem engagierten Publikum über die Liebe. Dabei ging es auch um Begriff und Wesen der Ehe. Und um Sex.

Eberhard Schockenhoff hat in seiner „Grundlegung der Ethik. Ein theologischer Entwurf“ (2007) die Liebe als christliche Tugend im Sinne der Agape einen „sittlicher Grundakt“ genannt, „in dem der Mensch mit Zustimmung, Gutheißung und Urvertrauen dem Geschenk des Seins antwortet“. So werde sie zum „Strukturprinzip, das den Grund, die Form und das Ziel des christlichen Lebens und Handelns bestimmen soll“. Das kleine, aber feine Podium konkretisierte diese Formel und kam so auch auf das katholische Eheverständnis zu sprechen, das vom gesellschaftlichen abweicht.

Josef Bordat
14. Mai 2018

Schockenhoff übt Kritik an „Ehe für alle“

Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff hat ein zentrales Argument der Befürworter der „Ehe für alle“ zurückgewiesen. Gesellschaftlich sei keineswegs eine „Entkoppelung von Ehe und Familie“ zu beobachten, seit Jahrzehnten lebten vielmehr mehr als 75 Prozent aller Kinder bei ihren verheirateten Eltern, sagte Schockenhoff in einem Gastbeitrag für die Freiburger Kirchenzeitung „Konradsblatt“.

DT
12.Juli 2017


Theologe gegen Lockerung des Embryonenschutzes

Gegen die Forderung einiger Wissenschaftlern, den Embryonenschutz zu lockern, hat sich der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff gewandt. „Wir sollten eher stolz darauf sein, dass wir nicht alles mitmachen, was in China geschieht“, sagte Schockenhoff im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur.

DT
07. April 2017

 

Weitere Informationen zum jüngst verstorbenen Moraltheologen Eberhard Schockenhoff finden Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe kostenlos hier .