Passau

Maria, das Kunstwerk Gottes

Das Bistum Passau zeigt zeitgenössische Darstellungen der Gottesmutter, die ihre menschliche Seite hervorheben.

Fettulini Amando
Ausstellung in Passau: Den Kreuzweg des eigenen Kindes mitgehen - die von Amando Fettolini fotografierte Mutter symbolisiert die Leidensfähigkeit Mariens. Foto: Aus dem Austellungsband

Im Rosenkranzmonat Oktober setzt das diözesane Haus „Spectrum Kirche“ in Passau marianisch-künstlerische Akzente mit der Ausstellung „Ich sehe dich in tausend Bilder, Maria, lieblich ausgedrückt“. Der Titel greift ein Zitat des Dichters Novalis (Freiherr Friedrich von Hardenberg, 1722–1801) auf. Der Leiter des Hauses „Spectrum Kirche“, Monsignore Bernhard Kirchgessner, ist froh über diese Chance in Corona-Zeiten: Als Verantwortlichem für die Künstlerseelsorge liegt ihm besonders der Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und Kirche am Herzen. „Wir kennen viele Darstellungen Mariens quer durch die Kunstgeschichte hindurch. Da wäre es doch spannend, Ergebnisse des 20. und 21. Jahrhunderts zu zeigen“, erklärt Kirchgessner.

Die Ausstellung umfasst 39 Werke von insgesamt 30 Künstlerinnen und Künstler. Neben 21 regionalen Künstlern und einem Franzosen haben sich auch acht Italiener beteiligt, darunter fünf Lombarden, ein Trentino, ein Veroneser sowie ein Künstler aus Südtirol. Besonders ist hierbei, dass fast alle Italiener aus Pandemiegebieten kommen. Ihre Werke entstanden mitten in Zeiten von Corona.

Die Bilder zeigen Maria auf ganz unterschiedliche Weise, aus dem persönlichen Blickwinkel des jeweiligen Künstlers. Da gibt es eine Maria im Alltagsleben, Maria als Jugendliche, aber auch die leidende Frau.

Maria, wie sie in unserer Zeit auftreten könnte

Gerade in dieser Zeit habe sich die Wichtigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen gezeigt, so Bernhard Kirchgessner. „Für den gläubigen Menschen ist Maria ein ganz wichtiger Bezugspunkt, eine ganz wichtige Frau, an die man sich wenden kann.” Maria habe selbst vieles mitgemacht in ihrem Leben, was uns wiederum empfänglich ihr gegenüber mache, betont Kirchgessner. Und genau das zeigten die Werke der Künstler. „Es ist eine Maria, so wie sie heute in unserer Zeit auftreten könnte, als Teenager, als junge Frau oder als eine Frau mit einer Familie, mit allen Sorgen und Nöten.“

Der Passauer Theologe Hermann Steinhammer verwies kürzlich bei der Vernissage auf die Dramaturgie zwischen Kunstwerk und Betrachter. Eine Ausstellung zu besuchen heiße, zunächst sich etwas anzuschauen. Doch zugleich ereigne sich eine andere Dramaturgie, so Stinglhammer. „Jede Kunst, die etwas zu sagen hat, schaut auch uns an. Während wir zumeist nur aus unserer Perspektive auf Kunst blicken und dabei von unserer Vorstellung davon ausgehen, was schön ist und gefällt, blicken triftige Kunstwerke uns aus ihrer eigenen inneren Wahrheit an. Diese ästhetische Umkehrung, dass nämlich wir plötzlich die Angeschauten und die Angefragten sind, macht sich häufig bemerkbar im Gefühl des Erhabenen, des Wunderbaren, aber auch im Gefühl einer negativen Irritation, des genauer und noch einmal Hinschauens, mitunter auch der Ratlosigkeit oder schlichten Nichtgefallens“, so Stinglhammer. Das Kunstwerk hole den Betrachter gleichsam aus dem eigenen Selbstverständnis, aus dem eigenen Ich heraus und konfrontiere ihn mit einer neuen Wahrheit, mit einer neuen Welt und Selbstanschauung.

Kunst, die aus dem Ursprung lebt

Bischof Stefan Oster SDB hob in seiner Ansprache die philosophischen Aspekte hervor und fragte: „Was sehen wir, wenn wir Bilder von Maria sehen?“ In der Regel erzählten die Werke zunächst mehr über den Künstler, die Künstlerin und den Reichtum ihres inneren Lebens, ihres Fragens, ihres Suchens, ihres Glaubens und Zweifelns. Kunst werde jedoch umso echter und reifer, je tiefer sie einerseits aus dem ganz Eigenen kommt, aber sich zugleich in einem tiefen Sinn gegeben weiß, so Oster. „Kunst, die aus dem Ursprung lebt, der ihr voraus ist, solche Kunst ist dann auch in einem sehr tiefen Sinn der Gestalt nahe, um die sich diese Ausstellung dreht.“ Maria sei das eigentliche Kunstwerk Gottes, so der Passauer Oberhirten. „Eine Frau, die sich ihrem eigenen Ursprung ganz überlassen hat – so sehr, dass sie diesen Ursprung selber hervorbringen kann. Und die zugleich in der Lage war, voller Vertrauen in diesem Ursprung ruhen und bleiben zu können. Und das mitten in einer Welt, die uns den Anschein gibt, die Bindung zu ihrem Ursprung immer mehr zu verlieren.“

Die Ausstellung ist im Exerzitien- und Bildungshaus „Spectrum Kirche“ auf Mariahilf ist bis zum 26. November jeweils von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet. An Wochenenden und Feiertagen nur auf telefonische Anfrage. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (78 Seiten, EUR 5,--)

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