Bonn/Berlin

Lohmann: Fairness und Barmherzigkeit auch für Höffner

Der "Kardinal-Höffner-Kreis" diskutiert über seine Umbenennung, nachdem Joseph Kardinal Höffner Pflichtverletzungen im Umgang mit Taten sexuellen Missbrauchs vorgeworfen wurden. Doch es regt sich Widerspruch.

Höffner
Joseph Höffner war Vordenker der katholischen Soziallehre. Doch ein Gutachten wirft nun auch dunkle Schatten auf seine Amtszeit als Erzbischof von Köln. Foto: KNA

Der katholische Publizist Martin Lohmann kritisiert die geplante Umbenennung des „Kardinal-Höffner-Kreises“. Der Zusammenschluss christlicher Bundestagsabgeordneter, der nach dem vormaligen Kölner Erzbischof Joseph Höffner (1906-1987) benannt ist, strebt eine Umbenennung an, nachdem Höffner durch ein Gutachten Pflichtverletzungen im Umgang mit Taten sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln nachgewiesen worden sind.

Wider die Zerstörungs-Ideologie der Cancel-Culture

Lohmann fordert gegenüber der „Tagespost“ von den Abgeordneten, dass sie sich „nicht zu willigen Helfershelfern der Zerstörungs-Ideologie der Cancel-Culture machen (dürften), die eine perfide Unkultur“ sei, und sich nicht von „dem aufgepropften System der Kontaktschuld leiten lassen“ dürften.

Es bestehe für viele kein Zweifel, dass Joseph Kardinal Höffner ein beeindruckender Erzbischof von Köln war. „Zudem steht sein Name für höchste wissenschaftliche Kompetenz als Vordenker und Lehrer der Christlichen Gesellschaftslehre“, so Lohmann weiter. Außerordentlich schmerzhaft sei aber die durch das Gutachten erkennbare Tatsache, dass Höffner offensichtlich im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs überfordert war und wohl einige Verbrechen von Priestern jenseits seines Vorstellungsvermögens waren. Das dürfe nicht beschönigt werden.

Fairness auch für Höffner

Abschließend forderte Lohmann, der Mitbegründer des „Kardinal-Höffner-Kreises“ ist, Barmherzigkeit, Fairness und Differenzierungsvermögen bei der Bewertung Höffners.

Der Kardinal-Höffner-Kreis hat bislang noch keine abschließende Entscheidung über die künftige Namensgebung getroffen, sagte der Vorsitzende des Kreises, Christian Hirte (CDU), der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“. Zunächst wolle das Leitungsteam mit Historikern sprechen. Nach dem Bericht von „Christ&Welt“ verlangt die parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, Maria Flachsbarth (CDU), eine Anhörung von Fachleuten noch in dieser Wahlperiode und fügte hinzu, Höffner sei „ein geschätzter Theologe seiner Zeit, aber der Name steht zur Disposition“. Dagegen habe sich der ehemalige CDU-Abgeordnete Georg Brunnhuber, der wie Lohmann zu den Mitbegründern zählt, gegen eine Umbenennung ausgesprochen: „Man kann einen, der einen hervorragenden Leumund hat, nicht wegen einer einzigen Sache herunterziehen. Ich würde auf keinen Fall den Namen ändern.“ (DT/ska)

 

Der Publizist Martin Lohmann spricht sich gegen die Umbenennung des "Kardinal-Höffner-Kreises" aus und sieht die "Cancel-Culture" und ihre Helfershelfer am Werk.

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