Jahr des heiligen Josef

Lob eines Unauffälligen

Wie ein stiller Spross aus Davids Stamm Spuren in der Kirchenmusik hinterlassen hat.

Maria und heiliger Josef von Nazareth
Es gab anrührende und emotional bewegende Augenblicke im Leben des heiligen Josef, auch wenn kein Wort von ihm selbst darüber überliefert ist. Was ihn beschwingt haben mag zeigt hier der sogenannte Meister der Aachener Marientafeln aus dem Aachener Domschatz (um 1485). Foto: Erika Rebmann (KNA)

Josef von Nazareth verkörpert den idealen Mann: sensibel, zurückhaltend, fürsorglich. Wer ihn loben will, wird in der Kirchenmusik nördlich der Alpen fündig.
Da ist beispielsweise die Missa Sancti Josephi von Jan Dismas Zelenka, die der Komponist vermutlich 1732 für das Fest des Heiligen schrieb und deren Manuskript in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden verwahrt wird. Zelenka legt all seine Kunstfertigkeit in dieses Werk, dessen Schwierigkeitsgrad eine Besetzung  mit professionellen Musikern erfordert. Dass der Barockmusiker, dessen harmonische Vielfarbigkeit und kontrapunktische Komplexität die Zeitgenossen in Erstaunen versetzten, das Fest des heiligen Josef wählte, um eine Messe zu komponieren, in der er auf den damals besonders innovativen und in seiner Darstellungskraft einprägsamen Opernstil zurückgriff zeigt: Er wusste, dass seine musikalische Botschaft an diesem Fest gehört werden würde. Es würden viele Menschen zum Gottesdienst kommen, der enorme zeitliche und nicht zuletzt finanzielle Aufwand, die Einstudierung mit Chor, Orchester und Solisten würde sich lohnen.

Dass eine Messe zu Ehren des heiligen Josef komponiert wurde, ist kein Einzelfall. In der Barockzeit finden sich, ebenso wie in der Klassik, zahlreiche Ordinarien, die dem Ziehvater Jesu dediziert wurden.

Beispiele musikalischer Josefsverehrung

Und auch aus dem 20. und 21. Jahrhundert gibt es Beispiele musikalischer Josefsverehrung wie die Missa in honorem Sancti Josephi für Chor und Orgel des belgischen, sich stark am Gregorianischen Choral orientierenden Komponisten und Musikpädagogen Flor Peters oder die Misssa Sancti Josephi für gemischten Chor a capella des 1994 in Krakau geborenen Komponisten, Dirigenten Janusz Krzysztof Korczak. Schaut man sich die Biografien der zeitgenössischen Tonsetzer an, die sich dem Thema widmeten, fällt auf, dass der Nährvater Jesu vor allem von solchen als Sujet gewählt wird, die mit ihrer Kunst eine Hinweisfunktion wahrnehmen möchten. Ihr Ziel ist nicht die Präsenz auf der Bühne, sie wollen vielmehr durch die auf Josef von Nazareth verweisenden Klangspuren ein Licht auf den werfen, in dessen Dienst Josef sich so vorbehaltlos gestellt hat.

Einen anderen Zugang als den der klassischen Messkomposition wählte der Texter und Komponist Andreas Schmid im letzten Jahr für seine in einem modernen Oratorium zusammengefasste Liederserie zu Ehren des Heiligen, die zusammen mit zwei eigens zu diesem Anlass entstandenen Bilderzyklen im vergangenen Jahr in Stadtlauringen, Euerbach und Oberndorf präsentiert wurde. „Josefs Tagebuch“ schildert die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht jenes Mannes, der nahezu unsichtbar im Hintergrund steht und doch immer dann zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Der menschlich nahe Ansatz dieses Projekts beginnt mit der Brautwerbung Josefs in einem sanften Liebeslied mit dem Titel „Was für ein Tag“. Er zeigt seine Verunsicherung über die Veränderung, die in Maria nach der Verkündigung vor sich geht in dem Lied „Sprich mit mir“, lässt in „Was soll das“ den Ärger spüren, als Maria zu Elisabeth geht und macht die Begegnung des zweifelnden Bräutigams mit dem Engel in „Josef, wach auf“ hörbar.

Nun sind Messkompositionen und Oratorien zweifellos wichtige Wegmarken bei der Suche nach musikalischen Zeichen der Verehrung des heiligen Josef. Bedeutsamer, weil näher am Alltag, aber sind zweifellos die Spuren, die das Lob, die liebende Aufmerksamkeit für jenen Mann, der die Hingabe an Jesus Christus in so selbstvergessener Weise gelebt hat, in den Liedern für unsere Gottesdienste hinterlassen hat. Wer hier nachforscht, kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis.

Viele vermissten Wärme der alten Josefslieder

Das Gotteslob von 1975 enthielt im Stammteil ein einziges Lied. „St. Josef, Spross aus Davids Stamm“. Der eher sachlich deskriptive Text entstand 1973, die Melodie von Erhard Quack 1940. In der gottesdienstlichen Praxis hat das Lied sich nie so recht durchsetzen können. Diejenigen, die den heiligen Josef verehrten, fanden es meist zu nüchtern, auch wenn es Franz Ronig und Heinz Heckmann 1980 dazu inspirierte, eine Liedkantate daraus zu kreieren, die die Strophen mit dem Josefshymnus der Lesehore sowie biblischen Texten zu einer Liedkantate verbindet.

Aber dennoch vermissten viele die Wärme und Farbigkeit der alten Josefslieder, die ihnen ein Gespür dafür gaben, wie es war, damals, als Josef in kalter Nacht mit seiner Familie fliehen musste, als er das Kind, dass ihm als Sohn anvertraut war, verzweifelt suchte, weil der Zwölfjährige plötzlich verschwunden war, wie es gewesen sein mag, als Maria und Jesus ihm zur Seite standen, als er starb. Und diejenigen, die die Verehrung der Heiligen ebenso wie die der Engel zugunsten sozialpädagogischer Aktivitäten in den Hintergrund stellten, interessierten sich ebenso wenig für dieses Lied. Die konsequente Folge: Es wurde wie so viele der allzu kühl wirkenden Lieder der 1940er bis 1970er Jahre ohne viel Federlesen aussortiert.

Im Stammteil des neuen Gotteslobs findet sich deshalb kein einziges Josefslied mehr. Der eine oder andere Stammteil bewahrt Lieder aus dem reichen Fundus der katholischen Tradition wie „O heiliger Josef, Schutzpatron“, dessen erste, zweite, fünfte und sechste Strophe von Joseph Mohr und dessen dritte und vierte von Petronia Steiner stammen und mit der im 17. Jahrhundert in Augsburg komponierten Melodie zusammengefügt wurden.

Gesangsbuch der Petrusbruderschaft bietet großen Fundus

Wer im Jahr des heiligen Josef nach einem größeren Fundus traditioneller Lieder sucht, wird im von Pater Walter Huber und der Priesterbruderschaft St. Petrus herausgegebenen Gebet- und Gesangbuch „Laudate Patrem“ fündig. Es enthält unter den Nummern 493 bis 499 sieben Josefslieder. Der Reigen beginnt mit „Du aus Davids Stamm geboren“, dessen Text und Melodie 1677 in Münster entstand und in den norddeutschen Diözesen immer noch bekannt ist. „Geht alle zu Josef, dem Vater der Armen“ stammt aus der benediktinischen Tradition.

Der Text, den Pater Konrad Stöcklin verfasste, wurde mit der 1851 in Einsiedeln komponierten Melodie verbunden. Der ebenfalls in der Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Hochzeit der Josefsverehrung in Köln entstandene Text „Heilger Josef, hör uns flehen“ passt wunderbar zu der damit verbundenen Melodie des bekannten Marienliedes „O Maria Gnadenvolle“ und setzt mit dieser Verbindung von Josef und Maria ein sprechendes Zeichen. „Heilger Josef, sei gegrüßt“ ist für das Kalksburger Kongregations-Gesangbuch von 1931 entstanden. „O Bräutigam der Himmelsbraut“ hingegen steht mit seinem Text von Heinrich Bone und der Melodie von Heinrich Oberhofer wiederum ganz in der Tradition der Josefslieder des 19. Jahrhunderts. „Josef, dem die höchsten Güter“ ist ein Lied aus der Paderborner Tradition und war mit seinem Text von  Peter Sömer und der 1768 in Luxemburg stammenden, demnach der Musiksprache des Spätbarock verpflichteten Melodie bereits Teil des bis zur Einführung des Gotteslobs gebräuchlichen Gesangbuches „Sursum Corda“.

Wer im Josefsjahr die reiche Tradition der Josefslieder wieder lebendig werden lassen will, kann auch den Datenträger Gotteslob digital nutzen, der den Zugriff auf sämtliche Diözesananhänge erlaubt. Im Bistum Speyer, dessen Kirchenmusikreferat auf seiner Homepage unter  einen Überblick über diese Lieder gibt, entstand außerdem der in Text und Musik von Norbert Becker, Komponist und Priester der „Oase Steinerskirchen“ stammender Gesang im Stil des Neuen Geistlichen Liedes mit dem Titel „Heiliger Josef, wir singen für dich“.

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