Wigratzbad/Würzburg

Liturgiewissenschaftler: Streit über Liturgie das eigentliche Problem

Der Streit über die Liturgie konterkariere die Eucharistie als Sakrament der Einheit und Liebe, meint der Liturgiewissenschaftler Pater Sven Conrad FSSP. Der römische Ritus sei in der längsten Zeit seiner Geschichte von einer gewissen Mannigfaltigkeit geprägt gewesen.

Messe in der außerordentlichen Form
Falls es gelinge, das II. Vatikanum in Einheit mit Trient zu sehen und nicht als dessen Überwindung, dann wäre die von Papst Benedikt ersehnte „Reform der Reform“ nach Ansicht Conrads die logische Konsequenz. Foto: KNA

In der Debatte um den zukünftigen Umgang mit der Koexistenz von ordentlicher und außerordentlicher Messform sieht Pater Sven Conrad, Leiter des Distriktstudienhauses der Priesterbruderschaft St. Petrus in Bettbrunn, das eigentliche Problem im Streit über die Liturgie. Dieser konterkariere die Eucharistie als Sakrament der Einheit und Liebe, so Conrad auf Anfrage der Tagespost. 

II. Vatikanum in Einheit mit Trient sehen

Zum jüngsten Vorschlag des Schweizer Kurienkardinals Kurt Koch, in Zukunft eine Synthese aus beiden Formen des Ritus einzuführen, erklärt Pater Conrad wörtlich: „Es dürfte Kardinal Koch kaum um die Koexistenz zweier Formen als solcher gehen. Man darf nicht vergessen, dass ,die Kirche nicht eine starre Einheitlichkeit der Form zur Pflicht zu machen [wünscht], nicht einmal in ihrem Gottesdienst' (SC 37).“ Der römische Ritus sei in der längsten Zeit seiner Geschichte von einer gewissen Mannigfaltigkeit geprägt gewesen.

Hinsichtlich des Streits über die Liturgie betont Conrad, der am Priesterseminar in Wigratzbad lehrt: „Ihm liegt eine theologische Kontroverse zugrunde, die vor allem die Messopferlehre Trients und das Verhältnis von Natur und Gnade betrifft, von dem die Unterscheidung von sakral und profan abhängt.“ Falls es gelinge, das II. Vatikanum in Einheit mit Trient zu sehen und nicht als dessen Überwindung, dann wäre die von Papst Benedikt ersehnte „Reform der Reform“ nach Ansicht Conrads die logische Konsequenz. 

Der Wunsch nach einer „Reform der Reform“ war zunächst vom emeritierten Papst Benedikt XVI. in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation gefördert worden. Damit sollte die Kontinuität zwischen der überlieferten und der erneuerten Form des römischen Ritus gestärkt werden.

Nach dem Konzil mehrere Formen widerspruchslos vereint

Conrad weist zudem darauf hin, dass bereits unmittelbar nach dem Konzil für kurze Zeit mehrere Formen widerspruchslos vereint gewesen seien, „indem man sowohl das traditionelle lateinische Hochamt wie auch Feierformen mit Gebrauch der Volkssprache kannte und schätzte“. 

Kardinal Koch, der auch Ökumenebeauftragter von Papst Franziskus ist, hatte gegenüber der „Herder Korrespondenz“ erklärt: „Es wäre zu wünschen, dass es in Zukunft zu einer Versöhnung der beiden Formen kommt, so dass wir irgendwann statt zwei verschiedener nur noch eine Form als Synthese haben.“

DT/mlu

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