Bettbrunn/ Wigratzbad

Kommunion: Eine Kultur des Empfangens

Überlegungen zum Empfang der Eucharistie  in Form der Mundkommunion im Kontrast zur Handkommunion.

Mundkommunion
Ein Ordensschwester empfängt im Petersdom die Mundkommunion. Foto: Michael Kappeler (dpa)

Zwei Bemerkungen seien vorausgeschickt, um bei meinem Widerspruch nicht mißverstanden zu werden. Bischof Voderholzer ist ein wirkliches Vorbild, als Theologe und als Oberhirte. Ich schreibe diese Zeilen in tiefem Respekt vor jenem Bischof, in Gemeinschaft mit dem ich jeden Tag das eucharistische Opfer darbringe! Mein Beitrag darf auch nicht als Anklage gegen jene verstanden werden, die gläubig die Handkommunion praktizieren, ehrfürchtig den Leib des Herrn entgegennehmen und darauf achten, daß nichts verlorengeht. Es geht schlicht um die Frage, ob Mundkommunion und Handkommunion ihrer äußeren Form nach wirklich „ebenso würdig“ sind.

Mundkommunion verhindert Profanierung

Kein geringerer als der hl. Papst Paul VI. war eindeutig anderer Meinung. In dem von ihm angeordneten und gutgeheißenen Schreiben Memoriale Domini, mit dem die Kongregation für den Gottesdienst 1969 die Handkommunion als Sonderfall ermöglicht, heißt es über die Mundkommunion, sie „gewährleist[e] auch zuverlässiger die erforderliche Ehrfurcht und die geziemende Würde bei der Spendung der heiligen Kommunion.“ Zudem verhindere sie die Profanierung kleinster Teilchen. Wer hier eine scholastische Spitzfindigkeit vermutet, der sei auf die Kirchenväter verwiesen, an die auch Memoriale Domini erinnert: „Nimm es entgegen! Aber achte darauf, dass dir nichts verlorengehe" (Cyrill v. Jerusalem). Die Einführung der Handkommunion steht theologiegeschichtlich ohne Zweifel im Kontext jener „nicht geringe[n] Verwirrung bezüglich der Glaubenswahrheiten“ über die Eucharistie, die Paul VI. in seiner Enzyklika Mysterium fidei beklagt. Man kann kaum leugnen, daß dieser Papst die neue Praxis konzediert hat, weil sie im Ungehorsam schon geübt wurde. Damals legte der Hl. Stuhl den Bischöfen „die schwere Last“ auf, „[j]egliche Gefahr einer Minderung der Ehrfurcht oder falschen Auffassung über die allerheiligste Eucharistie … abzuwenden“.

Viele Gläubige müssen schon lange verzichten

Sind beide Formen überhaupt so austauschbar? In den „Pastoralen Erwägungen“, die 1969 die Ermöglichung der Handkommunion begleiteten, schützt der Hl. Stuhl die „spirituell[e] Empfindsamkeit“ der Gläubigen. Diese ist von Bedeutung, weil es bei der Kommunion um einen personalen Akt geht, um eine Begegnung von Personen. Die Mundkommunion drückt durch ihre Form aus, daß ich mich voller Erwartung ganz dem Herrn öffne, über den kein Mensch jemals verfügen kann. Diese Haltung gläubiger Offenheit kann als Ausdruck eucharistischer Kultur des Empfangens gesehen werden. Hierbei geht es nicht um ein rein technisches Entgegennehmen, so dass man in den anderen Modus wechseln könnte. Gläubige, die in der außerordentlichen Form praktizieren, haben nun lange auf die sakramentale Kommunion verzichtet. Zu tadeln, daß sie nicht in die andere Form wechseln, verletzt ihr Empfinden. Sie vermissen, von ihren Oberhirten zumindest respektvoll wahrgenommen zu werden. Nach Äußerungen von Fachleuten ist es Zeit zu erörtern, ob die Mundkommunion (mit Gesichtsschutz des Spenders und Desinfektion) wirklich die gefährlichere Form ist. In einer schweizer Diözese ist sie kniend, d.h. unter Vermeidung der Gesichtshöhe zum Spender, erlaubt!

Befürchtungen sind eingetreten

Sind die Befürchtungen von Paul VI. nicht eingetreten? Die Handkommunion setzt eine hohe Reflexion des Empfängers voraus, die wie vorgesehen verhindert, das Sakrament „als ein gewöhnliches Stück Brot oder irgendeine beliebige geweihte Sache anzusehen.“ (Past. Erw.) Robert Spaemann hat die real existierende Form kommentiert: „Kindern, die das sehen … ist es schwer zu vermitteln, dass sie es hier wirklich und wahrhaft mit dem lebendigen Leib des auferstandenen Herrn zu tun haben.“ Was würde er heute sagen, wo die Maßnahmen zur Handkommunion in Coronazeiten eine höchst profane Sprache sprechen? Benedikt XVI. drückte 2019 seine große Sorge über den Umgang mit der Eucharistie aus. Man sehe „in der Kommunion nur noch eine zeremonielle Geste“. Als er ab 2008 in den päpstlichen Messen nur die Mundkommunion spendete, erklärte dies sein Zeremonienmeister mit dem Anliegen der Vermittlung des Glaubens an die Realpräsenz.

 

 

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