Würzburg

Kommentar um "5 vor 12": Hier sind religiöse Freischärler am Werk

Die Kirchenrebellen von "Wir sind Kirche" sagen der Kleruskongregation aufgrund ihrer jüngsten Instruktion den Kampf an. Dazu bedienen sie sich eines alten Narrativ.

Beniamino Kardinal Stella
Beniamino Kardinal Stella (l.) ist Präfekt der Kongregation für den Klerus. Seiner Kongregation haben die selbsternannten Kirchenreformer von "Wir sind Kirche" den Kampf angesagt. Foto: Alejandro Ernesto (EFE)

Das ist ein Befreiungskampf von echtem Schrot und Korn. Die Kirchenrebellen von „Wir sind Kirche“ sagen der „sterbenden Religionsdiktatur“ den Kampf an. Jawoll! Bilder von despotischen Pfarrherrn und Kardinälen der Marke Machiavelli entstehen im Kopf. Die Pressemeldung der kleinen aber medial sehr lauten Gruppe strotzt nur so von martialischem Kampfeswillen. Es mag auf einzelne bayrische oder emsländische Dörfer zu Beginn des letzten Jahrhunderts zugetroffen haben, dass der Ortspfarrer dort den Religionsdiktator mimte. Heute stehen die Pfarrer dem Niedergang des Glaubens oft genug nur noch hilflos gegenüber und müssen zusehen, wie Pastoralstrategen und ambitionierte Laien auch den letzten Rest der sakramentalen Seelsorge aus dem Priesteralltag fegen. „Wir sind Kirche“ scheint das zu gefallen.

Die letzte Bastion

Die Kleruskongregation war in jüngster Zeit oft die letzte Bastion für Priester und Laien, um das Allerschlimmste gerade noch zu verhindern. Verständlich, dass die Kongregation darauf hin mal ein paar Dinge klarstellen musste. Dieser Kongregation haben die Revolutionäre nun den Krieg angesagt und fordern deren Abschaffung. Der Grund liegt allein in der Tatsache, dass die Kongregation an der Sakramentalität des Amtes festhält. Mit Zweiklassenchristentum hat das nichts zu tun. Wer sich als Laie zweitklassig fühlt, sollte das Problem bei sich suchen, nicht beim Klerus. 
Das Charisma der Leitung gehört zum Amt. Das stört die Kirchenkämpfer. Wer den Leitungsdienst des Priesters kappen will, bringt das sakramentale Priestertum zu Fall. Das ist das Ziel. Das muss man erst nehmen. „Wir sind Kirche“ steht in der laizistischen und antiklerikalistischen Tradition der französischen Revolution und ihrer geistigen Kinder. Die sind nicht harmlos.

Ein altes Narrativ

Es ist eine kleine aber feine Pikanterie am Rande, dass man wieder einmal das ebenso alte wie falsche Bild vom guten Papst gegen die bösen Kurie aufbaut. Dieses Narrativ pflegen dieselben Leute seit Papst Johannes XXIII. und dem II. Vatikanischen Konzil. Einem Realitycheck hielt das damals so wenig stand wie heute. Zudem fehlt die Fantasie, wie man einen so führungsbewußten Papst wie Franziskus zwingen könnte, ein Dokument zu genehmigen. Gleichwohl, es trägt seine Approbation. 

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