Vatikanstadt

Kommentar um "5 vor 12": Ein Wink aus Rom an den Spendenweltmeister

Der Einschätzung des DBK-Vorsitzenden Bätzing, von Papst Franziskus auf dem Synodalen Weg bestärkt worden zu sein, ist nicht allzu viel Gewicht beizumessen. Der Synodale Weg scheint aus römischer Sicht nicht die erste Pflicht der Gläubigen nördlich der Alpen zu sein.

Warum Bätzings Äußerungen zum Zölibat nicht klug waren
Ohne mit den Mitbrüdern beraten oder eine gemeinsame Sprachregelung getroffen zu haben, positionierte sich Bischof Georg Bätzing zu einem Reizthema, dem priesterlichen Zölibat. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Die Begegnung des im Frühjahr gewählten Vorsitzenden der deutschen Bischöfe Georg Bätzing mit dem Heiligen Vater stand im Zeichen kurialer Höflichkeit. Antrittsbesuche sind kein Ad-limina-Besuche: Tiefergehende inhaltliche Auseinandersetzungen  hätten dem Zweck der Visite und dem Stil des Vatikan widersprochen. Viele Probleme der Kirche in Deutschland haben eine lange Vorgeschichte und sind keinesfalls dem „Neuen“ anzulasten, wie auch immer man dessen Wortmeldungen im Einzelnen bewerten mag.

Gravierende Synodalitätsdefizite

Insofern ist Bätzings Einschätzung, er fühle sich durch den intensiven Austausch mit dem Heiligen Vater bestärkt, den eingeschlagenen Synodalen Weg fortzusetzen, zunächst einmal nicht allzuviel Gewicht beizumessen. Dass Papst Franziskus den Synodalen Weg eng mit dem von ihm geprägten Begriff der ‚Synodalität‘ verbindet trifft zweifelsohne zu, fragt sich nur, wie haltbar dieser Eindruck in Rom ist. Der Ausstieg des Kölner Weihbischofs Dominik Schwaderlapp aus dem Synodalforum "Leben in gelingenden Beziehungen" weist auf gravierende Synodalitätsdefizite hin.

Nicht der Papst, sondern Bischof Bätzing selbst hat den Gedanken ins Spiel gebracht,  deutsche Bischöfe könnten ihre Erfahrungen des Synodalen Weges in die Weltbischofssynode im Oktober 2022 einfließen lassen. Hätte der Heilige Vater dazu ermutigt, wäre das sicher zügig mitgeteilt worden.

Die Armen nicht aus dem Blick verlieren

Aufhorchen lässt, dass Papst Franziskus die Katholiken in Deutschland an ihre Verpflichtungen gegenüber den Armen erinnert. Dass der Vorsitzende sich trotz der auf ihre Rolle als Spendenweltmeister so stolzen deutschen Ortskirche vom Nachfolger Petri daran erinnern lassen muss, auf dem Synodalen Weg die Armen und Alten, die Geflüchteten und Hilfsbedürftigen nicht aus dem Blick zu verlieren, muss als diskreter Wink verstanden werden: Der Synodale Weg scheint aus römischer Sicht nicht die erste Pflicht der Gläubigen nördlich der Alpen zu sein.

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