Passau

Kommentar: Junge Parallelhierarchie

Ohne Umwege über katholische Theologie und Morallehre werden linke Denkschablonen auf den innerkirchlichen Diskurs übertragen. Das zeigt sich am Umgang mit den Äußerungen des Passauer Bischofs Oster zum Lebensschutz.

Bischof Stefan Oster äußert sich nachdenklich zu den Kernthemen des synodalen Weges.
Der Bischof von Passau äußerte sich in einem Gastbeitrag für die Herderkorrespondenz nachdenklich zu den Kernthemen des synodalen Weges. Foto: Armin Weigel (dpa)

Immer deutlicher etabliert sich mit dem deutschen Verbands-Katholizismus eine Parallelhierarchie zur bischöflichen Verfassung der Kirche. Besonders die Jugendverbände tun sich da hervor. Ohne Umwege über katholische Theologie und Morallehre werden linke Denkschablonen auf den innerkirchlichen Diskurs übertragen. Im Zuge des neuen Klimas der Augenhöhe wird da einem Bischof schon mal kurzerhand das Recht abgesprochen, sich zum Lebensschutz zu äußern.

Passauer Bischof öffentlich gerüffelt

So hat jetzt der Bundesjugendleiter der Katholischen jungen Gemeinde Marc Eickelkamp den Passauer Bischof Oster öffentlich gerüffelt. Dieser hatte es gewagt, ZdK-Funktionärin und CDU-Staatssekretärin Maria Flachsbarth für deren umstrittenes Engagement für die Organisation "She decides" und damit die internationale Abtreibungslobby zu kritisieren. In einem Facebook-Post, gelikt von anderen Verbandshierarchen wie den BDKJ-Chefs Lisi Maier und Gregor Podschun, fragt Eickelkamp den Jugendbischof, warum er als "privilegierter, weißer, mittelalter Mann" öffentlich eine Frau für ihr Engagement für die Rechte von Frauen kritisiere. Sei, so Eickelkamp, beim Synodalen Weg nicht deutlich geworden, dass der Diskurs über Frauenrechte nicht von Männern geführt werden dürfe? 

Man muss Oster gratulieren

Man kann Bischof Oster nur dazu gratulieren, dass er sich diesem Denken nicht nur nicht unterwirft, sondern mutig und klar argumentierend entgegenstellt. Mit welchem Recht bestimmen, fragte er in seiner Entgegnung, Eickelkamp und Co., wer sich in der Kirche wozu äußern darf? Werde ihm als Bischof etwa nicht zugestanden, seine Verantwortung für ein für Kirche und Gesellschaft zentrales Thema wie das Lebensrecht Ungeborener wahrzunehmen? 
In der Tat: "Cancel culture" und identitätspolitische Diskurstravestien vergiften das demokratische Gespräch in allen westlichen Gesellschaften zunehmend. Echte Demokraten sollten dieses Feuer austreten, ehe es noch größere Schäden anrichtet. In der Kirche haben solche Denkmuster aber erst recht nichts verloren.

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