Limburg

Kommentar: Ein Sprengsatz

Der Sprengsatz des Limburger Berichts über Missbrauchsfälle liegt in den Aussagen der Seminaristen. Vernichtender kann man eine Ausbildungsstätte für Priester nicht beschreiben.

Der Dom und der Bischofssitz in Limburg
Der Dom und der Bischofssitz in Limburg. Wer erwartet hatte, nach Tebartz-van Elst breche im Bistum Limburg ein goldenes Zeitalter der Transparenz und Glaubwürdigkeit an, muss sich jetzt den Fakten stellen. Foto: Thomas Frey (Thomas Frey)

Die Untersuchung des Bistums Limburg über Missbrauchsfälle enthält zahlreiche Ergebnisse, die vergleichbare Studien auch anderswo zutage fördern: Defizitäre Personalakten, klerikale Schweigekartelle, fehlende Empathie mit den Opfern und Unprofessionalität. Dass der Bericht dennoch aufschlussreiche Aussagen bezüglich der Situation des Bistums liefert, liegt nicht nur an der offen beim Klarnamen genannten Verantwortlichen. Der Bericht taucht auch die Amtszeit der vormaligen Bischöfe Franz Kamphaus und Franz-Peter Tebartz-van Elst in ein neues Licht. Hinter die Amtsführung des medial oft unkritisch verklärten Limburger Altbischofs Kamphaus sind nach der Lektüre des Berichts einige Fragezeichen zu setzen.

Absoluter Nährboden für Missbrauch

Demgegenüber hat der bis heute im Bistum als persona non grata behandelte Tebartz-van Elst durch die zügige Umsetzung der Missbrauchs-Richtlinien der deutschen Bischöfe in seiner Amtszeit eine deutliche Wende zum Besseren mitangestoßen. Wäre das Bistum in der Ära Tebartz-van Elst tatsächlich flächendeckend von jener „lähmenden Angst“ befallen gewesen, wie mitunter behauptet, hätte es der Voraussetzungen dafür entbehrt. Dass mehr als die Hälfte der Fälle erst nach 2010 bekannt wurde und mit dem Einsatz eines Missbrauchsbeauftragten und des daneben geschaffenen Interventionskreises in Zusammenhang gebracht wird, spricht auch für die Bistumsleitung: Wer hätte Mitarbeitern eines vermeintlichen Tyrannen mit Mitra über den Weg getraut?

Der Sprengsatz des Berichts liegt jedoch in den Aussagen der Seminaristen. Intransparenz, Machtfülle und eine Atmosphäre, die als „absoluter Nährboden für Missbrauch“ beschrieben wird“ – vernichtender kann man eine Ausbildungsstätte für Priester kaum beschreiben. Wer erwartet hatte, nach Tebartz-van Elst breche im Bistum Limburg ein goldenes Zeitalter der Transparenz und Glaubwürdigkeit an, muss sich jetzt den Fakten stellen.

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