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Kommentar: Deutscher Blankoscheck

Was zeigen die Regionalkonferenzen des Synodalen Wegs? Wunschdenken, offene Häresie, unrealistische Forderungen, Analyse und dann und wann auch katholische Lehre stehen unsortiert nebeneinander.

Bilanz zu den Regionenkonferenz des Synodalen Wegs
Bischof Bätzing ist nicht der einzige, der auf dem Synodalen Weg in scheinbar wachsender Selbstzufriedenheit wandelt. Foto: Robert Kiderle

Auf der Folie der Coronakrise radikalisiert sich der Synodale Weg. Weitgehende Wertungsfreiheit bestimmte den Austausch der Regionalkonferenzen. Wunschdenken, offene Häresie, unrealistische Forderungen, Analyse und dann und wann auch katholische Lehre stehen unsortiert nebeneinander. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bleibt auch Abseitiges und Abstruses unbewertet und unkorrigiert stehen. Insgesamt hat die Frage nach der Systemrelevanz der Kirche die Frage nach dem Willen Gottes abgelöst. Der Synodale Weg gleicht einem Blankoscheck, der nach Gusto ausgefüllt wird.

Die Suche nach einem Plan B

Zwei Bruchstellen zeichnen sich nach den Regionalforen ab: Die erste betrifft künftige Voten. Der Vorschlag, Minderheitenvoten zu ignorieren, mag auf den ersten Blick banal klingen, da der Synodale Weg ohnehin keine verbindlichen Beschlüsse fassen kann, zeigt aber die Scheidung der Geister: Das politische Prinzip "the winner takes it all" ist bei Kirchens nicht mehr undenkbar. Die zweite ist die Suche nach einem Plan B. Auf dem Boden der Coronakrise suchen manche eine linke Überholspur zum Synodalen Weg: So plant Maria 2.0 im Vorfeld der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe für den 20. September einen "Gottesdienst" unter dem Leitwort "Kommt zu Tisch" auf dem Münsteraner Domplatz, dessen Ankündigung eine Karikatur der Sonntagsmesse befürchten lässt.

Gläubige sollen sich an Neuerungen gewöhnen

Auch die Frauenpredigtwoche im Bistum Osnabrück rund um den 17. September dürfte ihre pädagogische Wirkung nicht verfehlen. Auch wenn sie im Rahmen eines Buchprojekts durchgeführt wird und nicht auf dem synodalen Ticket, wird es Schnittmengen in der Wahrnehmung geben: Die Gläubigen sollen sich an Neuerungen gewöhnen. Nicht zuletzt hat der Vorsitzende der deutschen Bischöfe mit seiner Ankündigung einer neuen Mahlfeier beim Ökumenischen Kirchentag aufgrund eines umstrittenen Votums demonstriert, dass ihn Kritiken von theologisch versierter Seite nicht anfechten. Bischof Bätzing ist nicht der einzige, der auf dem Synodalen Weg in scheinbar wachsender Selbstzufriedenheit wandelt. 

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