Fulda

„Khomeini der katholischen Kirche“ - oder der „Löwe von Fulda“?

Fromm und angriffslustig: Vor 20 Jahren verstarb der Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba.

Erzbischof Dyba
Erzbischof Johannes Dyba war auch Militärbischof. Foto: dpa

Für die einen war er der „Khomeini der katholischen Kirche“, für die anderen der „Löwe von Fulda“. Heute vor 20 Jahren starb der Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba (1929-2000) an einem plötzlichen Herzversagen. Er wurde 70 Jahre alt.

Der intelligente Konservative und Diplomat konnte nicht nur die mediale Öffentlichkeit durch Klartext provozieren, auch viele bischöfliche Mitbrüder waren nicht immer dankbar für die Kommentierung des kirchlichen und weltlichen Zeitgeschehens des Nachfolgers des heiligen Bonifatius.

Leuchtturm für gläubige Katholiken im ganzen Land

Doch die „Schnauze“ des in Berlin geborenen Dyba wurde für viele konservative Katholiken zu einer ersehnten „mahnenden Stimme in der Wüste“: Glaubenstreue, Lebensschutz, Familienwerte  hatten bei ihm höchste Priorität. So ging er keinem Konflikt aus dem Weg; baute gegen den BDKJ einen eigenen Jugendverband auf und sprach sich für den Ausstieg kirchlicher Träger aus der Schwangerenkonfliktberatung aus.

Dyba, der als promovierter Jurist Spätberufener war, trat kurz nach der Priesterweihe in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Nach Stationen in Rom, Buenos Aires, Den Haag, Kairo und Kinshasa, wurde er 1979 von Johannes Paul II. zum Erzbischof ernannt – und Pronuntius in Liberia und Gambia, sowie Apostolischer Delegat in Guinea und Sierra Leone. Seit 1983 war er Bischof von Fulda.

Jetzt ist die Stunde für Gottes Botschaft

Der stets redegewandte und um keinen Kommentar verlegene Dyba begründete einem Journalisten gegenüber, nicht lange vor seinem Tod, seine als unbequem und provokant wahrgenommene Haltung einmal so: „Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verschwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft – und dazu gehören auch seine Gebote – in Klarheit und Wahrheit zu verkünden.“

DT/ska

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