Vatikanstadt

Kardinal Koch: Synodale Tradition revitalisieren

Die Synodalität muss in der Kirche - auch um der Ökumene Willen - wiederbelebt werden. Das schreibt Kardinal Kurt Koch in einem Beitrag für den "Osservatore Romano". Deswegen sei es bezeichnend, dass der Papst die Bischofssynode 2022 unter das Zeichen der Synodalität stellt.

Kardinal Koch bei 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen
Kardinal Kurt Koch bei der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen. Der Kardinal schreibt in einem Beitrag zur „Synodalität in ökumenischer Perspektive“, dass die Synodalität in der Kirche - die auch für die Ökumene entscheidend ist - neu belebt werden müsse. Foto: imago stock&people

Die katholische Kirche hat Nachholbedarf, was die Fruchtbarmachung der Synodalität angeht. Und die Orthodoxie sollte vertiefen, wie wichtig der Primat für die kirchliche Communio ist. Diesen Gedanken hat Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Einheits-Rats, in einem Beitrag zur „Synodalität in ökumenischer Perspektive“ für den „Osservatore Romano“ entwickelt, der jetzt, in der Woche der Einheit der Christen, erschienen ist.

"Kirche" bedeutet gemeinsamer Weg

Koch geht dabei von einem großen Jubiläum im Jahr 2025 aus, auf das sich die Christenheit vorbereitet: den 1700. Jahrestag des Ersten Ökumenischen Konzils im Jahr 325 in Nizäa. Damals sei gegen den Theologen Arius mit seinem strikt philosophischen Monotheismus das allen Christen gemeinsame Bekenntnis entwickelt worden, dass Jesus Christus als Sohn Gottes „wesensgleich mit dem Vater“ ist. Dieses Bekenntnis sei zur Grundlage des gemeinsamen christlichen Glaubens geworden. Das Bekenntnis des Konzils, so ist Kardinal Koch überzeugt, „verbindet deshalb auch heute noch alle christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften und ist deshalb in seiner ökumenischen Bedeutung nicht zu unterschätzen“.

Damals in Nizäa, so Koch weiter, sei eine strittige Frage synodal beraten und entschieden worden. Das Wort „Synode“ bezeichne den gemeinsamen Weg der Menschen, die an Jesus Christus glauben. „Die christliche Religion wurde deshalb ursprünglich als ,Weg‘ und die Christen, die Christus als Weg nachfolgen, wurden als ,Anhänger des Weges‘ bezeichnet“, erläutert der Kardinal und hält mit Verweis auf Johannes Chrysostomos fest, dass „Kirche“ ein Name sei, „der für einen gemeinsamen Weg steht“. Kirche und Synode seien Synonyme. Das Wort „Synodalität“ sei deshalb genauso alt und grundlegend wie das Wort „Kirche“.

Nicht das Mehrheitsprinzip, sondern Hören auf den heiligen Geist ist entscheidend

Papst Franziskus würde allerdings hervorheben, dass es bei der Synodalität nicht um Strukturen und Institutionen gehe, sondern um das gemeinsame Hören auf den Heiligen Geist: „Von dieser starken geistlichen Akzentuierung her“, so Kardinal Koch, „versteht man auch den Unterschied zwischen Synodalität und demokratischem Parlamentarismus, den Papst Franziskus immer wieder stark unterstreicht.

Während das demokratische Verfahren vor allem der Ermittlung von Mehrheiten dient, ist Synodalität ein geistliches Geschehen, das sein Ziel darin finde, in den Glaubensüberzeugungen und in den daraus fließenden Lebensweisen des einzelnen Christen und der kirchlichen Gemeinschaft auf dem Weg der Unterscheidung tragfähige und überzeugende Einmütigkeit zu finden.“

Führungsämter dürfen nicht zu reinem Ehrenprimat werden

Doch Synodalität sei nur das eine, so Koch weiter. Das andere sei der Primat. Das bedeute, dass es auf allen Ebenen der Kirche auch ein Haupt geben müsse: Auf der lokalen Ebene den Bischof, auf der regionalen Ebene den Metropoliten und auf der universalen Ebene den Bischof von Rom. Koch beruft sich dabei auf ein Dokument, das die Gemischte Internationale Kommission von Katholiken und Orthodoxen 2007 in Ravenna verabschiedet hat.

Darin werde gezeigt, dass sich Synodalität und Primatialität auf den drei elementaren Ebenen des kirchlichen Lebens aktualisieren, „auf der lokalen Ebene der Ortskirche, der regionalen Ebene, auf der mehrere benachbarte Ortskirchen miteinander verbunden sind, und auf der universalen Ebene der auf der ganzen bewohnten Erde verbreiteten Kirche, die alle Ortskirchen umfasst.“ Die innerorthodoxen Spannungen bei der orthodoxen Synode von Kreta im Jahre 2016 dürften es laut Koch nahelegen, „über ein Amt der Einheit auch auf der universalen Ebene der Kirche nachzudenken, das freilich mehr sein muss als ein reiner Ehrenprimat, sondern auch jurisdiktionelle Elemente einschließen muss“.

Synodalität bewegt die Ökumene

Abschließend hält der Kardinal fest, dass die synodale Tradition der Christenheit ein reiches Erbe enthalte, „das es zu revitalisieren gilt. Es ist deshalb ein wichtiges Zeichen, dass Papst Franziskus entschieden hat, die Vollversammlung der Bischofssynode im Jahre 2022 der Synodalität selbst zu widmen.“ Diese Synode werde nicht nur ein wichtiges Ereignis in der katholischen Kirche sein, sondern auch eine bedeutende ökumenische Botschaft enthalten, da Synodalität ein Thema sei, das auch die Ökumene intensiv bewege.

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