Köln

Im Blickpunkt: Unter dem Druck der synodalen Mehrheit

Der Verzicht des Kölner Weihbischofs Schwaderlapp auf eine Mitarbeit im Synodalforum "Leben in gelingenden Beziehungen" ist angesichts des Parforceritts der Mehrheit der Teilnehmer nachvollziehbar.

Die Zukunft des Synodalen Wegs steht auf dem Spiel
Die Zukunft des Synodalen Wegs steht auf dem Spiel. Jetzt werden die Weichen für die nächste Synodalversammlung gestellt. Noch ist Zeit für Kurskorrekturen. Foto: Nadine Malzkorn

Gewissensnot ist in der Verkündigung ein rares Phänomen geworden. Insbesondere der Morallehre der Kirche begegnen Seelsorger und Laien oft gleichermaßen gleichgültig. Theologische Lockerungsübungen sind hier quasi Pflichtprogramm: Nur weniger, aber keinesfalls mehr Doktrin gelten als pastoral verantwortbar und ökumenisch anschlussfähig. Man wird dem Kölner Weihbischofs Dominik Schwaderlapp kaum unterstellen dürfen, er habe die Zeichen der Zeit nicht verstanden, wenn er auf die Stimme seines priesterlichen Gewissens hört. Im Gegenteil: Sein Verzicht auf eine Mitarbeit im Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen“ ist angesichts des Parforceritts der Mehrheit der Teilnehmer nachvollziehbar. Mit deren Fähigkeit zum offenen Austausch steht und fällt der Synodale Weg.

Absage an den totalitären Progressismus

Dabei ist jetzt Zeit, ein Fragezeichen hinter die Selbstverständlichkeit zu setzen, mit der das Synodalforum die von Papst Johannes Paul II. dargelegte „Theologie des Leibes“ und wegweisende Lehrschreiben beiseite wischt. Weihbischof Schwaderlapp distanziert sich nicht vom Synodalen Weg als solchem und auch nicht von jenen, die redlich in den Foren mitarbeiten. Aber er erteilt dem totalitären Progressimus eine Absage.

So entsteht Spielraum, um einseitige Sichtweisen auf das Erbe Johannes Paul II. aufzubrechen. Priester und Laien haben auf dem Boden der kirchlichen Morallehre oft mehr gute Früchte geerntet, als Kritiker von „Humanae vitae“ und „Familiaris consortio“ wahrhaben wollen. Wollen die Synodalen die Rolle der Laien in der Kirche wirklich stärken, findet sich hier ein riesiges Neuland,  um Erfahrungen von Ehepaaren für die Ehevorbereitung zu erschließen. Dazu braucht es keine vordergründigen Strukturreformen, sondern offene Ohren. Für viele deutsche Pfarreien liegt in der „Theologie des Leibes“ ein ungehobener Schatz. Ihn auszugraben erfordert genau das, was der Synodale Weg theoretisch als zukunftsweisend propagiert, in der Praxis aber vermeidet: Laienkompetenz, neue Formen der Zusammenarbeit von Seelsorgern und Laien sowie eine couragierte Neuausrichtung der Seelsorge. Verpassen die Synodalen diese Chance, werden sich andere Schwaderlapp anschließen.

Befremdet von fehlender Dialogbereitschaft

Wer wollte es Weihbischof Schwaderlapp daher verdenken, dass ihn die fehlende Dialogbereitschaft im Synodalforum befremdet? Wenn über eine Kernthese einer Beschlussvorlage keine Generaldebatte gewünscht ist, widerspricht das der Selbstverpflichtung der Synodalen zum offenen Austausch. Soll der Synodale Weg nur als Vehikel für eine vorgefertigte Agenda dienen, ist er als Gesprächsplattform unglaubwürdig und die kostbare Zeit eines Seelsorgers nicht unbedingt wert.

Als Weihbischof hat Schwaderlapp in der Dynamik des Synodalen Wegs eine andere Rolle als die Diözesanbischöfe. Für Letztere kann es gute Gründe geben, zu bleiben und zu versuchen, zu retten, was jetzt verloren scheint. Auch im Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen“ wollen überzeugte Anhänger der Lehre Johannes Pauls II. weiterkämpfen. Das ist eine respektable Entscheidung. Ohne Schwaderlapps Entscheidung wäre der Öffentlichkeit vermutlich verborgen geblieben, wieviel Opferbereitschaft das erfordert.

Doch die Gewissensschulung des Weihbischofs kommt zur rechten Zeit. Die Zukunft des Synodalen Wegs steht auf dem Spiel. Jetzt werden die Weichen für die nächste Synodalversammlung gestellt. Noch ist Zeit für Kurskorrekturen. Nimmt der Synodale Weg mit der Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen wieder Fahrt auf, wird begründungspflichtig, ob die Maxime „weiter so“ angesichts der Krise überhaupt kommunizierbar ist.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .