Rom

Im Blickpunkt: Eine Strategie muss her 

Nach der Instruktion muss eine Strategie gefunden werden, wie ein katholisches Selbstverständnis wieder hergestellt werden kann.

Mitglieder der DBK
Die Bischöfe - hier während einer Vollversammlung der DBK - sind jetzt gefordert. Foto: Arne Dedert (dpa)

Die Instruktion des Vatikans zu Umkehr und Zukunft der Pfarreien ist ein weiterer römischer Stolperstein für den Synodalen Weg und das Echo ist entsprechend: „Eine Art pastoraltheologisches Museum“ (Theologe Zulehner), ein „Beitrag zur Selbstzerstörung“ (Theologe Biesinger), „Die Instruktion verfehlt die Realität der katholischen Kirche in Deutschland“ (Sternberg, ZdK), der „ungeheuerliche Versuch Roms, die Kirche wieder vorkonziliar zu machen“ (Wir sind Kirche). Mit dem Schreiben ruft der Vatikan die auf der sakramentalen Weihe beruhende Vollmacht – nicht Macht – der Priester in Erinnerung, die der Synodale Weg derzeit zu brechen versucht und die auch bei geplanten wie laufenden Strukturreformen mancher deutschen Diözesen hinter dem Primat der Leitungsteams zurücktreten und nivelliert werden soll.

Bischöfe sollten reden

Die, die jetzt eigentlich reden sollten, schweigen: die deutschen Bischöfe. Eigentlich müssten sie dem Vatikan dankbar sein, dass er einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, den Priesterberuf wieder attraktiv und zu etwas Besonderem zu machen: Warum sollte ein junger Mann sein Leben hingeben, Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam geloben, wenn er dann als sakramentaler Handlager in einem „Pastoralteam“ landet, in dem seine hauptsächliche Aufgabe darin besteht, wie ein tasmanischer Teufel durch weiträumige Großpfarreien zu rasen und die Tabernakel vollzukonsekrieren, damit die Gemeindeleiter dann seelenruhig priesterlose Gottesdienste mit Kommunionausteilung feiern können?

Weitere Protestantisierung

Für das Schweigen der deutschen Bischöfe muss man Verständnis haben. Unter ihnen gibt es sicherlich noch manche, für die sich die Pfarrei als „Heiligtum“ (Instruktion) von der Eucharistie her aufbaut und nicht nach strammer protestantischer Sitte von der Gemeinde her. Nur so wird überhaupt verständlich, was der katholische Priester als „alter Christus“ überhaupt ist. Aber gerade jene Bischöfe, die mit Sorge sehen, dass sich die Kirche im Lande Luthers immer mehr von der Weltkirche und ihrem römischen Zentrum entfernt, wissen auch, dass es jetzt nicht reicht, mit zwei, drei starken Sätzen den Unkenrufen der Theologen und Gremienkatholiken etwas entgegenzusetzen, um dann doch im synodalen Alltag mit ansehen zu müssen, wie die Dinge einen genau geplanten Verlauf hin zu einer weiteren Protestantisierung des kirchlichen Lebens nehmen.

Es muss eine Strategie gefunden werden

Eine Strategie muss her. Zu lange ist in Deutschland von bischöflicher Seite geschwiegen worden, hat man das katholische Sakramentsverständnis nicht mehr gelehrt und nicht mehr erläutert, dass die Kirche eine göttliche Stiftung ist, deren Natur man nicht auf dem Altar einer säkularisierten Theologie opfern kann, die sich dank deutschem Idealismus, Relativismus und einem guten Schuss Luthertum längst von den Fleischtöpfen der Offenbarung abgewandt hat. Ob diese Strategie darin besteht, die schweigende Mitte des deutschen Episkopats zu mobilisieren oder am Ende doch Rom einzuschalten, will gut überlegt sein. Der Vatikan wäre zu einer deutschen Sondersynode bereit, wenn die Bischöfe darum bitten. In jedem Fall: Es muss etwas geschehen. Sonst bleibt außer ein bisschen Staatskirche nichts mehr übrig, was für jungen Menschen irgendwie attraktiv sein kann. 

 

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