Vatikanstadt

Im Blickpunkt: Die Bergoglio-Methode

Die Vatikanmedien schweigen zu den Äußerungen von Papst Franziskus über die eingetragenen Lebenspartnerschaften. Doch sagen sie damit sehr viel. Was, erfahren Sie von unserem Vatikan-Korrespondenten Guido Horst.

Bergoglio irritiert
Mit seinen Aussagen zu eingetragenen Lebenspartnerschaften irritiert der Papst. Doch das hat Methode. Foto: KNA, Adobe

Das völlige Schweigen der Vatikanmedien zu den Äußerungen von Papst Franziskus über die eingetragenen Lebenspartnerschaften sagt sehr viel. Chefredakteur Andrea Tornielli, der „Osservatore Romano“ oder „Vatican News“ halten sonst nicht hinter dem Berg zurück – nicht nur bei einer neuen Enzyklika, den Veranstaltungen des Ökologischen Jahrs oder der Missbrauchsprävention. Sondern auch nicht, wenn es um heikle Themen geht, wie jüngst die Verlängerung des Geheimabkommens mit der Volksrepublik China. Aber zum Film „Francesco“ des russischen Regisseurs Evgeny Afineevsky und der Passage über die „Zivilunionen“, wie man diese Partnerschaften in Italien nennt, kein Wort.

Dabei hätte es dafür manchen Grund gegeben. Abgesehen davon, dass Papst Franziskus immer klargestellt hat, solche Zivilunionen könnten nie der Ehe gleichgestellt werden und die sei nun einmal die Verbindung von Mann und Frau, fiel schon bei dem ganzen Passus des Dokumentarfilms zum Thema Homosexualität auf, dass der Filmemacher unterschiedliche Sinnbezüge zusammengemixt hatte (s.S.22).

Unzusammenhängende Äußerung seiner Privatmeinung

Die Bemerkung des Papstes, Homosexuelle hätten ein Recht auf Familie, bezog sich auf heranwachsende Jugendliche, die ihren Eltern offenbaren, dass sie sich als homosexuell empfinden. Bei den zwei Männern, die drei Kinder haben, ging es um den Rat von Franziskus, diese dennoch in die Pfarrei zu schicken, auch wenn die Männer Angst vor üblen Gerede hatten. Entscheidend sind aber vor allem drei Sätze, in denen Franziskus sagt: „Was wir brauchen, ist ein Gesetz zur eingetragenen Lebenspartnerschaft. Auf diese Weise sind sie rechtlich abgesichert. Dafür bin ich eingetreten.“ Doch dieser Filmschnipsel stammt pikanterweise aus einem ganz anderen Interview, das Franziskus im Mai 2019 dem mexikanischen Fernsehsender „Televisa“ gab, der aber den Abschnitt zu den eingetragenen Lebenspartnerschaften gar nicht ausstrahlte. Der lag bisher ungenutzt in den Archiven des vatikanischen Mediendikasteriums, das ihn dann Afineevsky für seinen Dokumentarfilm überließ.

Papst Franziskus äußert also etwas unzusammenhängend seine private Meinung. Ob er wusste, dass die letzte amtliche Äußerung aus dem Vatikan zum Thema der Zivilunionen die „Erwägungen“ der Glaubenskongregation von 2003 waren, in denen es heißt: „Wenn alle Gläubigen verpflichtet sind, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben, dann sind es die katholischen Politiker in besonderer Weise“? Man weiß es nicht. In den vielen Ländern, in denen es noch keine eingetragenen Partnerschaften gibt, brauchen katholische Politiker aber jetzt gar nicht mehr anzutreten, wenn sie der Weisung der Glaubenskongregation folgen wollen. Man muss ihnen nur den jüngsten Papstfilm entgegenhalten.

Von daher stimmt es schon, was ein anonymer Kurienprälat der Turiner Tageszeitung „La Stampa“ zu dem Vorgang gesagt haben soll: „Vom Gesichtspunkt des sozialen und politischen Einflusses der Kirche aus wandelt sich mit dieser Bekräftigung des Heiligen Vaters der Lauf der Geschichte“. Das könnte stimmen. Doch mit dem ordentlichen Lehramt der katholischen Kirche hat das nichts zu tun. Papst Franziskus hat eben wieder einmal ein Steinchen ins Wasser geworfen, das nun seine Kreise zieht.

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