Heiligenkreuz

Heiligenkreuz entsendet "Apostel" der Theologie des Leibes

An der Hochschule Heiligenkreuz wird die Theologie des Leibes von Papst Johannes Paul II. groß geschrieben. Am Wochenende wurden 24 Absolventen des Lehrgangs gesegnet und entsandt.

Blutrelique des heiligen Papst Johannes Paul II.
Mit einer Blutreliquie des heiligen Papstes Johannes Paul II. segnete Erzbischof Franz Lackner am Samstag in Heiligenkreuz die Absolventen des Studiengangs „Theologie des Leibes“; im Hintergrund (v. re.) Abt Maximilian Heim und Hochschulrektor Pater Wolfgang Buchmüller. Foto: elisabeth fuerst

Es sind nicht viele Orte im deutschen Sprachraum, an denen die von Papst Johannes Paul II. skizzierte „Theologie des Leibes“ systematisch erschlossen und gelehrt wird. In Heiligenkreuz im Wienerwald wurden am Samstag neuerlich 24 Absolventen des von Corbin Gams geleiteten Studiengangs feierlich gesendet. „Ein ganz großer Segen“ sei dieser Kurs, sagte Abt Maximilian Heim. Hochschulrektor Wolfgang Buchmüller rechnete die Theologie des Leibes zu den Wundern Johannes Pauls II., denn „nur wahrer Liebe ist es möglich, dem Menschen in dieser Welt Sinn zu schenken“. Er sei davon überzeugt, „dass Zukunft hat, was wir hier vermitteln“.

Ewige Einheit von Leib und Seele

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner bekannte, ihm sei durch die Theologie des Leibes „mehr bewusst geworden, dass wir ein Tempel Gottes sind“. Ins Zentrum seiner Predigt stellte der Erzbischof von Salzburg Maria als „die Lichtgestalt unseres Glaubens“. In Maria werde die Wahrheit Gottes zum Ereignis. Lackner segnete am Ende der feierlichen Messe in der Heiligenkreuzer Stiftskirche die Absolventen einzeln mit einer Blutreliquie von Papst Johannes Paul II.„Keiner der Apostel war perfekt. Geben wir einfach das, was der Herr uns gegeben hat, weiter“, ermutigte Corbin Gams die Absolventen, „Apostel der Theologie des Leibes zu werden“.

Romano Guardini rundete die "Theologie des Leibes" ab


Das intellektuelle Rüstzeug dazu erhielten die Gesendeten zuvor in einem zweijährigen Studiengang und – als dessen Krönung – in einem Festvortrag von Renate Martin. Sie hatte sich gemeinsam mit ihrem im Vorjahr verstorbenen Mann Norbert Martin jahrzehntelang um die Verbreitung und Vertiefung der Theologie des Leibes gemüht. Am Samstag nun bettete sie die Gedanken Johannes Pauls II. in eine ältere eschatologische Skizze von Romano Guardini ein. Der hatte in seinem 1940 erstmals erschienenen Buch „Die letzten Dinge“ eine christliche Anthropologie entworfen, die „als Rahmen oder auch als Fortschreibung der Theologie des Leibes“ gelesen werden könne, so Renate Martin. „Während wir als junge Menschen in den 1960er Jahren noch in der Ära einer zum Manichäismus neigenden Grundanschauung gefangen waren, die am Menschen vor allem den Geist groß sah und dem Leib eher misstrauisch gegenüber stand, gab es, wie ich jetzt erkannte, schon damals zumindest einen Denker, Guardini, wie wir in Karol Wojtyla einen weiteren später entdeckten.“ Beide hätten den Wert, die Würde und die Einmaligkeit des integralen Menschen verkündigt, in der untrennbaren Einheit von Leib und Seele.

Romano Guardini habe in seinem Werk gezeigt, dass die endgültige Gestalt des Menschen in Ewigkeit die der Einheit von Leib und Seele ist. Nach dem Tod gehe es um die Wiederherstellung des ganzen Menschen: „Das unverwechselbare menschliche Antlitz eines jeden von uns, seine Statur und Originalität bleiben verwandelt, aber erkennbar in Ewigkeit bestehen.“ Guardini habe „nach Epochen des Misstrauens gegenüber dem Leib“ die Zeit für ein neues Nachdenken über die Leiblichkeit eingeleitet. Was für die Auseinandersetzung um das Menschenbild heute von großer Bedeutung ist, denn der „Dämon des Manichäismus, der uns die Verachtung des Leibes gegenüber der einzig wertvollen Seele immer neu schmackhaft machen will“, wütet, wie Renate Martin sagte, „gerade auch in unserer jetzigen Epoche“.

Guardini und Johannes Paul II. argumentierten ganz christologisch, wie die Referentin kundig zusammenfasste: „Im Geheimnis von Jesu Inkarnation wurde Gott Mensch und blieb auch nach der Auferstehung Mensch. Wenn auch mit der Auferstehung Christi sein Leib gewandelt ist, so ist und bleibt er doch ein Menschenleib, durchdrungen von einer Menschenseele, ein integraler Mensch eben. Durch Christi Heimgang zum Vater wird dieser Menschenleib Teil der göttlichen Dreieinigkeit.“

Wie Christus, und mit Christus, bleibe auch der Mensch in Ewigkeit Mensch: „jeder in seiner ganzen Konkretheit, in der er Mann oder Frau ist und doch ganz einmalig“. Die sich in jedem Menschen entfaltende Fülle aber habe ihr Urbild seit Ewigkeit in Gott. „Denn jene Einheit, die sich durch den Leib verwirklicht, meint von Anfang an nicht nur den Körper, sondern verlangt auch die fleischgewordene Gemeinschaft der Personen – communio personarum – als Abbild des Dreifaltigen Gottes“, so Renate Martin, der es anhand von Romano Guardini gelang, die Theologie des Leibes in ein Gesamtbild von Schöpfungslehre und Eschatologie einzuordnen: „In Christus war schon immer das Urbild des Menschen, ja man muss wohl sagen, der erste Mensch, das Modell Mensch da. Lange bevor wir Menschen ihm ähnlich auf der Erde auftraten, und lange bevor er selbst von einer Frau geboren wurde.“

Christus ist das Urbild des Menschen

Christus sei das Urbild, von dem das erste Kapitel des Buches Genesis spricht; der Mensch sein Abbild. Zugleich bleibt Christus die Mitte der Geschichte: „Das Ziel des Kosmos und unserer Auferstehung ist es, dass in uns Menschen das Urbild voll erkennbar wird, und dass wir dann mit dem Auferstandenen vereint und dadurch als Söhne und Töchter, als Kinder Gottes offenbar werden.“ Wie sich die Narben der Kreuzigung an der Gestalt des auferstandenen Christus fanden, so sei auch der Mensch in seiner Auferstehungsgestalt erkennbar mit seiner Geschichte und seinen speziellen Narben, sagte Renate Martin.

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