USA

Hannah Schaefer: Christliche Popmusik als Berufung

Hannah Schaefer
Die katholische Pop-Sängerin Hannah Schaefer aus Indiana, USA beim GiG-Festival in Siegen. Foto: Amadeus Kuhn

Sie breitet ihre Arme aus, schließt die Augen, lässt sich ganz in ihre Musik fallen. An ihren Beinen steigt der Nebel der Nebelmaschinen auf, in dem sich das rote und lila Licht der Scheinwerfer bricht. Selbstbewusst wirft sie ihre Haare nach hinten, reckt ihren Kopf in die Höhe, tanzt ausgelassen zu ihrer Musik.
Wenn man die christliche Pop-Sängerin Hannah Schaefer auf der Bühne sieht, kann man kaum glauben, dass sie früher einmal gemobbt wurde. Aber genau das war der Fall, als die aus Columbia im US-Bundesstaat Indiana stammende Musikerin mit dreizehn Jahren auf die High School wechselte. „Als ich auf die High School kam, habe ich sehr viele Freunde verloren, weil sie angefangen haben, Dinge zu tun, die ich nicht mitmachen wollte“, erzählt die 25-jährige Sängerin im Gespräch mit der „Tagespost“. Dazu kam das Mobbing. „Ich hatte einen Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr aufwachen wollte. Ich wollte lieber für immer schlafen, als zur Schule gehen zu müssen.“

Das Wagnis: Direkt in Musikbranche einzusteigen

Als Hannah dann an einem Abend in ihrem Zimmer ihr Nachtgebet gesprochen habe, habe sie Gott verzweifelt gefragt: „Gott, bist du überhaupt da? Hörst du mich überhaupt?“ In diesem Moment sei die Bettdecke am Ende ihres Bettes eingesunken, als habe sich jemand darauf gesetzt. „Das war Jesus“, ist Hannah überzeugt. Dieser Moment sei der Beginn ihrer Liebesbeziehung zu Gott gewesen, der sie letztendlich auch dazu angetrieben habe, das Unkonventionelle zu wagen: Nicht zu studieren und stattdessen direkt in die Musikbranche einzusteigen.

Hannah, die mit 15 Jahren die internationale Talentshow „ARTS“ (Applause Rising Talent Showcase) in Orlando im Bereich „Jugend singt“ gewonnen hat, hätte zwar einen Studienplatz an der Jacob Musikschule der Universität von Indiana bekommen, doch dort hätte sie in erster Linie klassischen Musikunterricht gehabt, um später einmal Opern zu singen. Ihr Wunsch sei aber gewesen, christliche Popmusik zu schreiben und zu singen, obwohl sie selbst andere Musikrichtungen gehört habe. „Ich hatte schon länger darüber gebetet, ob ich zur Uni gehen sollte oder nicht und nachdem ich dann einen wichtigen Anruf von meinem Plattenlabel bekommen hatte, hörte ich Gottes Stimme, die sagte: ,Geh nicht zur Uni! Komm, und folge mir nach!‘“ Obwohl Hannah bereits während der Schule Gesangsunterricht bekommen hatte, um später einmal im Radio zu singen, habe sie Angst davor gehabt, diesen Schritt zu wagen: „Aber der Friede Gottes hat mir geholfen.“

"Berufung ist wichtiger als Karriere"

Diese Bestimmung, ihr Leben und ihre Arbeit ganz an Gott zu geben, sei von Anfang an festgeschrieben gewesen: Hannahs Eltern konnten sieben Jahre lang keine Kinder bekommen. Als ihre Mutter bereits kurz davor gewesen sei, aufzugeben, habe sie gebetet: „Herr, wenn du uns ein Kind schenkst, dann verspreche ich, dass ich es an dich zurückgebe.“ „Und ein paar Monate später war sie mit mir schwanger“, erzählt die Sängerin fröhlich lachend. „Als ich dann beschlossen habe, mit Gott ins Unbekannte aufzubrechen und in die christliche Musikszene einzusteigen, sah sie mich mit Tränen in den Augen an und meinte: ,Ich wusste immer, dass ich dich an ihn zurückgeben werden muss.‘ Das ist ein Zeugnis dafür, dass Gott da ist. Er hört die Gebete der Verzweifelten.“

Diesen Glauben nun an andere durch ihre Musik weiterzugeben, das ist ihr Ziel: „Ich will die Menschen daran erinnern, dass Berufungen wichtiger sind als Karrieren. Weil ich häufig den Eindruck habe, dass die Leute heute glauben, dass Erfolg uns glücklich machen kann. Und vielleicht machen Karrieren uns teilweise glücklich, aber Berufungen machen uns heilig. Und darum geht es: Wenn wir vor Gott stehen, so viele Leute mit uns zu bringen, wie möglich.“ Menschen zu erreichen, Menschenleben ändern: Das schafft Hannah mit ihrer Musik bereits. So habe sie mitbekommen, dass eine junge Frau sich von ihrem Glauben entfernte, weil ihr Mann verstorben sei. Die Mutter der jungen Frau habe ihr dann Lieder von Hannah Schaefer geschickt, um ihr Mut zu machen. Durch die Musik sei tatsächlich eine Wende in das Leben der jungen Witwe gekommen: Sie sei wieder mit in die Kirche gegangen, zurück zum Glauben gekommen. „Ich bekomme aber manchmal auch Nachrichten, in denen Leute mir zum Beispiel schreiben, dass meine Songs ihnen geholfen haben, als sie mit Selbstmordgedanken zu kämpfen hatten oder dass meine Lieder ihnen helfen, mit ihrer Depression umzugehen oder, dass sie einfach genau die Ermutigung waren, die sie gerade gebraucht haben, um durch den Tag zu kommen. Und es ist eine riesige Freude für mich zu sehen, dass Gott meine Lieder benutzt, um den Menschen seine Liebe für sie zu zeigen.“

Die christliche Musikszene wird von Freikirchlern dominiert

Aber diese Mission zu erfüllen ist für die junge Katholikin nicht immer leicht: Die christliche Musikszene wird von Freikirchlern dominiert, teilweise wird ihr katholischer Glaube dort misstrauisch beäugt. „Ich glaube, die Leute haben manchmal Angst vor dem, was sie nicht verstehen. Aber das ist auch eine Möglichkeit für mich, mit Vorurteilen aufzuräumen und zu zeigen, dass wir alle Brüder und Schwestern in Christus sind, es ist eine Möglichkeit für mich, Einheit zu bringen!“
Trotzdem ist es der jungen Sängerin nicht gleichgültig, welcher Konfession man angehört. Sie selbst habe sich bewusst für den katholischen Glauben entschieden. „Die Eucharistie ist für mich unverzichtbar. Ich kann Jesu Gegenwart in der Eucharistie nicht leugnen. Und ich will ein Bewusstsein dafür bringen, dass in der katholischen Kirche Schönheit, Kraft und eine Beziehung mit Jesus da ist. Dass Jesus wahrhaftig in der Kirche durch die Eucharistie gegenwärtig ist. Das könnte ich nie verlassen!“

Lieder inspiriert von der Eucharistie

Diese Liebe zur Eucharistie habe auch das Lied „Stay here forever“ ihres zweiten Albums „Crown“, das im August erscheinen wird, geprägt. „Das ist mein erstes richtiges Lobpreislied. Der Song ist dadurch entstanden, dass wir während der Quarantäne nicht zur Messe gehen durften. Mein Herz war so gebrochen ohne die Eucharistie, dass ich jeden Sonntag geweint habe. Und als wir dann das erste Mal seit Monaten zur Messe gehen durften, ist der Song einfach aus mir herausgeflossen. In dem Moment wollte ich einfach nur für immer dableiben.“ Dass diese tiefe Beziehung zu Gott das Fundament ihres Lebens ist, sieht man Hannah Schaefer auf der Bühne förmlich an. Für sie scheint nicht mehr zu zählen, wie andere über sie denken oder reden, sondern es geht ihr nur noch um eine Frage: wie Gott sie sieht.

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