Würzburg

Gott will eine Reform der Herzen

Weltliche Kirche oder Weltkirche? Warum ich den Synodalen Weg als Sprung in Gottes Hand erlebe.

Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Weg mit Gott.
Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Weg mit Gott. Die neue Seite der „Tagespost“ bietet unter dem Stichwort „Mein Leben mit Gott“ Raum für die ganze Bandbreite des persönlichen Lebens im Glauben oder auf dem Weg dorthin. Foto: Adobe Stock

Ich bin gesprungen. Wieder einmal. Es war ein tiefer Sprung und er war schmerzlich. Aber unten hat Gott mich gehalten und mich wieder überrascht mit seiner Liebe und treffsicheren Führung in meinem Leben.

Sechs Jahre hatten wir gerungen mit der Entscheidung: In den Niederlanden bleiben oder nach Deutschland gehen? Ständig bohrte sich diese Frage in unsere Herzen, bis wir in ihr das leise Klopfen Gottes vermuteten. Wir setzten schließlich den ersten Schritt, die Last dieser Frage fiel von uns ab und wir begannen zu prüfen; täglich zu beten, mit unseren geistlichen Begleitern zu unterscheiden, die Muttergottes um Hilfe zu bitten, vor allem aber zu horchen in der ewigen Anbetung in einer Kapelle, die mir Zufluchtsort und Heimat geworden ist. Denn man kann sich leicht verrennen – vor allem, wenn es um so weitreichende Entscheidungen geht. So betete ich täglich: „Gott wenn du mich in Holland brauchst, dann bleibe ich. Du kannst die Türen öffnen oder schließen, wie Du willst. Dein Wille geschehe. Ich vertraue dir.“

Sprung in ein neues Leben

Es war ein Weg des Loslassens. Dann sprang ich in ein neues Leben in Deutschland. Und landete dort sehr bald auf dem Synodalen Weg. Was Gott fügte, überstieg all meine Erwartungen. Nur der Synodale Weg forderte mich heraus: Nach der Erfahrung einer fast gottlosen Gesellschaft in den Niederlanden erschreckte mich, was in der katholischen Kirche in Deutschland vor sich ging: Eine Kirche, die gegen sich selber kämpft? Ich fühlte mich wie auf einer politischen Versammlung. Statt Geschwisterlichkeit erlebte ich Zwist, Streit, Forderungen: Die Kirche gehöre ziemlich radikal geändert; eine kuschelige Couch-Kirche soll mehr Menschen anlocken. Was bisher Sünde war, soll es nicht mehr sein…

Das Bild, das die Kirche von sich malt, ist gar nicht so kuschelig-ansprechend. Zwischen den Zeilen hört und fühlt man jede Menge Empörung, Wut, Hohn heraus. Will man so Menschen begeistern?

Ich will Gott vertrauen, dass er seine Kirche lenkt – trotz Streits und Zerrissenheit. Ich lerne, alle Menschen mit Gottes Blick zu betrachten: Keiner der Synodalen ist zufällig auf dem Synodalen Weg. Wir dürfen uns alle als von Gott geliebt wissen, einander annehmen und geschwisterlich lieben lernen, statt politische Rivalen im Andersdenkenden zu sehen. Wir dürfen füreinander beten und alle Schwächen, verletzenden Erfahrungen gemeinsam vor Gott bringen, Ihm näherkommen, Ihn loben und danken, dass er uns und seine Kirche heilen möchte. Das ist für mich der Synodale Weg. Echte Reform beginnt in unseren Herzen.

Auch in Schwierigkeiten Gott danken

Das haben mir Menschen vorgelebt, denen ich begegnet bin. Ihr Lebenszeugnis, ihre unglaubliche Freude am Herrn haben mich sehr angezogen. Sie haben Gott oft angebetet und besuchten täglich die heilige Messe, als wäre es das Normalste von der Welt. Sie lobten Gott und brachten mir bei, Gott auch in Schwierigkeiten zu danken, denn er führt bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten (vgl. Römer 8, 28). Und so danke ich Gott heute für alles, was uns auf dem Synodalen Weg begegnet, denn ich bin überzeugt, dass er einen Plan des Heils für uns alle hat. Er, nicht wir! Vertrauen wir Ihm, nicht unserem Denken und Wollen!

Ich musste oft springen. Gott hat mich immer gehalten, mir mehr geschenkt, als ich je gedacht hätte und die Dinge besser gefügt, als ich es je gekonnt hätte. Das wird er mit der Kirche in Deutschland auch tun, wenn wir ihn lassen. Erheben wir unsere Herzen zu Gott, statt im Moor unserer Ideen, Wünsche und Forderungen zu versinken. Fragen wir Ihn um Rat und seine Meinung für den Synodalen Weg! Auch auf die Gefahr hin, dass er alle unsere Ideen, Wünschen, Gedanken über den Haufen schmeißt und sagt: Und jetzt noch einmal ganz von vorn. Ich helfe Euch – wenn Ihr wollt.

Eine Kirche, die Jesus nicht mehr um Wegweisung bittet und deren Gläubige nicht mehr für Jesus brennen, hat keine Strahlkraft. Eine Kirche ohne Jesus im Zentrum verweltlicht. Eine weltliche Kirche ist keine Weltkirche.

Eine Kirche, in der Jesus in der Eucharistie nur Nebensache sein soll, in der man Kardinäle in Rot grundsätzlich der Machtdemonstration bezichtigt, in der Heiligkeit keinen Platz hat und Lebensformen der Welt nicht mehr hinterfragt werden müssen, ist glanzlos. Langweilig.

Wir müssen nichts neu erfinden, nur hinsehen ...

Menschen werden nicht zu brennenden Fackeln Christi, wenn die Schranken der kirchlichen Sexuallehre fallen und Frauen am Altar stehen, die siegesbewusst die Hostie heben. Sondern wenn sie Gott begegnen und ihm voll Liebe und Vertrauen folgen. Maria hilft uns nur zu gern dabei. Das ist der Anspruch, den der Synodale Weg an meinen Glauben stellt: Meine Beziehung zum Herrn vertiefen und anderen helfen, Maria und ihren Sohn kennenzulernen. Schauen wir dorthin, wo der Glauben bereits lebendig ist, wo viele, auch junge Leute hinströmen, weil sie Menschen treffen, die Gott durchscheinen lassen: Wir müssen nichts neu erfinden, nur hinsehen und lernen!

Die Debatten über Sex, Verhütung, Zölibat et cetera verstellen den Blick auf das, worum es im Christentum wirklich geht. Jede echte Reform der Kirche zielt auf eine Festigung des Glaubens, nicht auf dessen Aufweichung. Christen dürfen auch das Kreuz nicht abwerfen. Was mir der Synodale Weg besonders vor Augen geführt hat: „Wenn die Welt euch hasst, denkt daran, dass sie mich vor euch gehasst hat“ (Johannes 15, 18). Christusnachfolge schließt mit ein, dass die Welt dies nicht versteht, uns belächelt und verspottet. Aber die Freude, die Gott schenkt, macht alles mehr als wett! Seine Liebe übersteigt einfach alles! Am Kreuz zeigt sich die Explosion der Liebe, die das Böse vertreibt und den Weg frei macht für das Gute. Diese Liebe allein ist es, die wir brauchen, um unsere Kirche zu reformieren; echten Fortschritt finden wir nur in Gott!

Wenn wir mit Maria, die nie auf sich, sondern immer auf Jesus verwiesen hat, betend, horchend und voll Gottvertrauen um das Feuer des Heiligen Geistes bitten, wird unsere Kirche neuen Schwung und Zuwachs erleben. Wir werden die richtigen Schritte gehen auf dem Synodalen Weg. Daran glaube ich!

Die Autorin gehört der Bewegung Maria 1.0 an.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.