Bonn/Köln

"Gott ist eine Zusage"

Kontroversen zu Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche.

Proteste der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)
Am Rande ersten Synodalversammlung des Synodalen Weges protestierten Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) für ihre Anliegen. Foto: Synodaler Weg

Mitreden hat oberste Priorität beim Synodalen Weg. Das gilt auch für das neue Hearingformat Digital Synodal des BDKJ zum Thema Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche, das kürzlich im Zoomchat stattfand. Kompetenz hinsichtlich der Themenstellung war dabei keine Voraussetzung, es genügten guter Wille und ein Computer. Die ruhige und freundlich gestaltete Moderation übernahm Katharina Norpoth, Bundersvorsitzende des BDKJ. Interessant war die Zeiteinteilung des Treffens, dessen erste 45 Minuten der inhaltlich überwiegend unergiebigen Vorstellung einzelner Teilnehmer des synodalen Wegs gewidmet war. Ausgenommen davon waren die beiden betont versöhnlich gestalteten Statements von Bischof Josef Bode und Professorin Dorothea Sattler, die das Forum leiten. Alle Teilnehmer des Hearings hatten zudem die Möglichkeit, Kommentare im Chat zu hinterlassen. Viele nutzten diesen Raum für kritische Anmerkungen. Das Spektrum reichte dabei von eher unqualifizierten Äußerungen wie: "Ich finde bei diesem wichtigen Thema sollten die Männer nicht dabei sein",  bis zu engagierten Auseinandersetzungen. Dabei ging es um eine der Kernfragen, die die Debatten auf dem synodalen Weg kennzeichnen: Wie gehen wir damit um, dass die Lehre der Kirche nicht mit der Lebenswirklichkeit vieler Menschen übereinstimmt?

Facettenreiche Diskussion

Es war eines der Hoffnungszeichen von Digital synodal, dass hier die Antwort eines Teilnehmers lautete: "Die Klarheit der katholischen Lehre und das Nichtangepasstsein an meine Lebensrealität war gerade ein essentieller Punkt meiner Konversion. Machen wir uns nicht kleiner als wir sind!" Die auf knappe 25 Minuten veranschlagte Diskussion in den Gruppen verlief deutlich facettenreicher, als der Abschlussbericht zur Vorbereitung des Synodalforums mit seinen Forderungen nach Zulassung von Frauen zu allen Ämtern hätte vermuten lassen. Hier gab es für manch einen vollkommen überraschende Bekenntnisse zur Lehre der Kirche und es wurde überdeutlich, dass der Synodale Weg im Kern das Ergebnis eines jahrzehntelangen Verkündigungsdefizits ist. Dies und eine bestürzende terminologische Unschärfe vonseiten der Forumleitung waren die eigentlichen Probleme, die bei dieser Veranstaltung zutage traten.

So begann Frau Sattler ihr Statement durchaus moderat mit der Ermutigung, jene Möglichkeiten auszuschöpfen, die unter den Rahmenbedingungen des Kirchenrechts vorliegen. Aber bei der Betonung der Wichtigkeit des Themas Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche für die Ökumene fehlte es bereits an jeglicher Differenzierung. Denn welche Ökumene ist hier gemeint? Geht es allein um eine Protestantisierung der katholischen Kirche? Welche Folgen ergäben sich für den Dialog mit der Orthodoxie oder jenen anglikanischen Christen, die ähnliche Prozesse in ihrer eigenen Kirche überaus kritisch sehen?

Debatte über Modifizierung kirchlicher Lehrtexte anstreben

Ebenfalls fragwürdig war die sowohl von Sattler als auch von Bischof Bode eingenommene Haltung zur Verbindlichkeit der Lehrtexte. Zwar wurde deren Sinnhaftigkeit von beiden bejaht, aber zugleich als zeitgebunden dargestellt. Das Axiom war hier: Wenn unsere Gesellschaft die Lehre der Kirche weder versteht noch umsetzt, ist eine Debatte über deren Modifizierung anzustreben. Ein Beispiel: "Die Frage ist", so Bode, "ist die Auswahl von Männern (für das Weiheamt) bindend oder kann die Repräsentation auch durch Frauen geschehen?" Bode verwies darauf, dass schon Paulus schreibt, alle seien einer in Christus.

Seine Schlussfolgerung: Das heutige Zusammenspiel von Männern und Frauen in der Gesellschaft muss sich auch in der Kirche widerspiegeln, eine Öffnung des Weiheamtes für Frauen diskutiert werden. Allerdings wies der Bischof warnend darauf hin, dass sich aus einer subjektiv empfundenen Berufung kein Rechtsanspruch ergäbe. "Es gibt keine nur private Berufung. Deshalb ist die Bejahung durch die Gemeinschaft konstitutiv."  Wichtig ist für Bode: "Wenn wir nicht aufeinander zugehen, werden wir in dieser entscheidenden Frage keine Lösung finden." Das klingt schön. Aber was heißt es inhaltlich?

Bestreitung der Personalität Gottes

Auch hinsichtlich des Statements von Sattler ergeben sich weiterführende Fragen. Die Dogmatikerin betonte zwar, dass in keiner kirchlichen Verlautbarung  die gleiche Würde von Mann und Frau je bestritten worden ist. "Das ist nicht der Ansatzpunkt der Argumentation beim Ausschluss der Weihe von Frauen." Für Empörung im Chat sorgte dann aber ihre Feststellung "Gott hat kein natürliches Geschlecht. Gott ist erstmal ein Tätigkeitswort. Gott ist eine Verheißung, eine Zusage, ein Verb. Verben haben kein natürliches Geschlecht." Es ist bestürzend, dass diese Bestreitung der Personalität Gottes und Reduzierung der Inkarnation auf das Wortsein Christi nur aus dem Chat von Teilnehmern korrigiert wurde: "Dass Gott ein Verb ist, ist grammatikalisch falsch!",  war der sarkastische Kommentar einer jungen Frau und eine andere fügte empört hinzu: "Gott ist eine Person, nicht nur ein Gedankenspiel, ein Verb oder ein metaphorisches Irgendwas." Sattlers Reaktion darauf spricht Bände: "Mir ist wichtig, einen geistlichen Weg miteinander zu gehen und aufeinander zu hören.   Ich habe manches an Bedenken gehört und das war mir unvertraut."