Kiew

Gott hilft spätestens rechtzeitig

Wenn nichts zu klappen scheint: Wie Gott unser Vertrauen prüft und warum es sich manchmal lohnt, zu warten.

Vor kurzem habe ich folgendes Zitat gelesen: „Gott hilft spätestens rechtzeitig!“. Ich habe es gelesen, als einen netten Gedanken angesehen und mich wieder dem Alltagsgeschehen zugewendet. Doch irgendwann kam dieser Satz wieder in mir auf und ich dachte etwas eingehender über den tieferen Sinn nach. 

Ich erkannte, dass dieser kurze Satz nicht nur ein Versprechen, sondern auch eine Aufforderung war und noch immer ist. Wenn ich in meine – noch nicht allzu lange – Vergangenheitzurückblicke, dann bestätigt sich eben genau dieser Gedanke und das bei fast allen Ereignissen in meinem Leben, welche sich als richtungsweisend herausstellen sollten. 

Da dieser Artikel nicht meiner Biografie, sondern Gottes Wirken gewidmet ist, habe ich an dieser Stelle nur ein Beispiel ausgewählt: Anfang des Jahres 2019 standen mir ein paar freie Monate zur Verfügung, welche ich mit Freiwilligenarbeit im Ausland verbringen wollte. Um alles optimal vorzubereiten, begann ich mit meinen Planungen und der Suche nach passenden Organisationen bereits ein dreiviertel Jahr im Voraus. 

Es soll nicht sein

Nach einem halben Jahr gefüllt mit Planungen und Überlegungen hatte sich noch nichts ergeben. Ich war niedergeschlagen und vermutete bereits, dass es wahrscheinlich „nicht sein soll“. Im Januar 2019 erhielt ich die Rückmeldung einer Schwesternkongregation, den Servants of the Lord and the Virgin of Matará (SSVM). 

Mitte Februar wurde mir dann vorgeschlagen, die Schwestern bei der Arbeit in einem Kinderheim in der Ukraine zu unterstützen. Also flog ich Ende Februar in die Ukraine. Die Zeit dort war für mich eine kostbare Erfahrung. Nicht nur die Herzlichkeit der Ukrainer, sondern auch das Engagement und die Liebe der Schwestern haben mich tief beeindruckt und geprägt. Mir ist bewusst geworden, dass Gott mich zu dieser Zeit an diesem Ort haben wollte. Was ich damit ausdrücken möchte: Das lange Warten auf ein Ergebnis hat sich gelohnt. Das halbe Jahr zuvor mit meinen Ideen, Planungen und Rückschlägen, war zwar eine Vertrauensprobe, doch als diese überstanden war, hätte es besser nicht sein können. 

Unbedingt vermeiden

In „Dienstanweisung für einen Unterteufel“ schreibt C. S. Lewis aus der Perspektive des Unterstaatssekretärs Screwtape (ein Teufel) folgendes: „[…], denn die Menschen denken gewöhnlich, sie hätten die Anspannung keinen Augenblick länger aushalten können als gerade bis zu dem Augenblick, da sie aufhörte, oder sie glaubten, sie habe aufgehört. Hier wie bei der Feigheit ist eines unbedingt zu vermeiden: die völlige Hingabe! Was immer er auch sagen mag, sein geheimer Entschluss soll sein: nicht alles zu ertragen, was immer auch kommen möge, sondern nur ,in vernünftigem Maß‘. Dieses ,vernünftige Maß‘ aber lasse kürzer sein, als die Prüfung selbst wahrscheinlich dauern wird. Es braucht nicht unbedingt viel kürzer sein! Gilt der Angriff der Geduld, der Reinheit, der Standhaftigkeit, dann liegt der Spaß darin, den Menschen in dem Augenblick klein beigeben zu lassen, in dem (wenn er es wüsste) die Hilfe beinahe in Sicht war.“ 

Lassen wir uns nicht verwirren

Die daraus zu ziehende Moral ist eindeutig: Lassen wir uns nicht durch unsere eigenen Überlegungen und Sorgen und die von außen kommenden Verwirrungen durcheinanderbringen und unser Vertrauen in Gott nehmen. Im Gegenteil können wir solche Zeiten der Unsicherheit für einen ultimativen Vertrauens- und Glaubensbeweis nutzen. 

Natürlich ist so etwas einfacher gesagt als getan, das ist mir aus persönlicher Erfahrung wohl bewusst, aber in Momenten der Unsicherheit und Angst können wir uns immer bewusst sein: „Gott hilft spätestens rechtzeitig!“ und das ist sein Versprechen an uns. 

 

 

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