Portland

Gott hat auf mich gewartet

Mein Weg vom scheinbar verlorenen, über die katholische Kirche frustrierten Sohn zum überzeugten Christen.

"Gott hat auf mich gewartet"
Gottesbegegnung und Bekehrung. Foto: imago stock&people (imago stock&people)

Ich bin im Jahr 2000 zur katholischen Kirche konvertiert, nachdem ich mich einige Jahre mit dem Katholizismus beschäftigt hatte. Eines Abends ging ich in die einzige Kirche, mit der ich vertraut war. Ich hatte für einige Jahre in der Nähe der Kathedrale gelebt und so ging ich zum Büro, klingelte an der Tür und ein Priester kam heraus. Ich sagte ihm, dass ich katholisch werden wolle und er erzählte mir vom Rite of Christian Initiation of Adulds Programm (RCIA), einem Kurs für Konvertiten, der in den Glauben und das Glaubensleben der katholischen Kirche einführt. Ich habe ihn noch im selben Jahr absolviert und empfing in der Osternacht die Sakramente der Taufe, Erstkommunion und Firmung. Nachdem ich in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen worden war, begann ich, ehrenamtlich in demselben RCIA-Programm mitzuarbeiten, an dem ich selbst teilgenommen hatte.

Danach wurde ich Lektor, Ministrant und engagierte mich bei vielen weiteren Veranstaltungen meiner Kirche. Ich begann schließlich, täglich die heilige Messe zu besuchen und nahm gemeinsam mit verschiedenen anderen auch am Morgengebet in der Kathedrale teil. Nach mehreren Jahren zunehmenden Engagements fragte mich der Diakon meiner Pfarrei, ob ich mir vorstellen könne, Diakon zu werden und ich fühlte mich geehrt, dass er mich in diesem Dienst sehen konnte.

Ruf zum Diakonat

Die Ausbildung war eine umfangreiche Verpflichtung – zusätzlich zu meinem Fulltimejob – aber ich war glücklich darüber, mehr lernen zu können. Ich sah die Ausbildung zum Diakon als einen Weg, ein „Ehrenamtlicher mit Zertifikat“ zu werden. Unterstützt vom Priester und Diakon meiner Gemeinde, der in dieser Ausbildung tätig war, und mit der meines Erzbischofs, bewarb ich mich um die Aufnahme in den auf fünf Jahre hin angelegten Studiengang und wurde aufgenommen. Ich war bei weitem der Jüngste im Kurs – die meisten waren mindestens 20 Jahre älter – aber was mir Sorgen machte, war, dass die meisten Männer die Ausbildung für unnötig hielten. Für sie war es eher etwas, das sie abhaken mussten, nicht eine Gelegenheit, ihr Wissen und ihren Glauben zu vertiefen. Ich begann, eine sehr starre Seite an ihnen zu sehen. Und ich hörte davon, dass einige derjenigen, die die Ausbildung abgeschlossen hatten, in ihre Pfarreien zurückgingen und die Laien mit der Begründung aus ihren Aufgaben verdrängten, dies sei Sache des Diakons.

Einige Zeit später begannen die Probleme mit dem Pfarrgemeinderat meiner Gemeinde. Wenn ich zurückblicke, ist es seltsam, dass der Pfarrgemeinderat sich nie mit mir getroffen oder mir geschrieben hat. Es gab stattdessen eine Reihe von seltsamen Begegnungen mit Mitgliedern des Pfarrgemeinderates, die mich im Vorübergehen während der Messe ansprachen und Dinge sagten wie: „Du weißt schon, dass Du hier kein Diakon wirst, oder?“ Ich sprach mit dem Diakon meiner Gemeinde darüber und er sagte mir, ich solle mich nicht darum kümmern. Der Erzbischof sei für die Besetzungen zuständig und es gäbe auch Menschen, die sich sehr darüber freuen würden, dass ich diese Ausbildung mache. Aber ich begann trotzdem, mir Sorgen zu machen und mich zu fragen, ob ich wirklich eine Berufung hätte, Diakon zu werden. Ich habe nie herausgefunden, warum sie mich nicht akzeptierten.

Den Glauben verloren?

2006 wurde ich mit einem Master in Pastoralen Diensten graduiert. Aber mein Glaube war wie erstickt durch die Umgangsformen und das seltsame Benehmen, das ich erlebt hatte. Eine Woche später erhielt ich die Kündigung für meinen Job, in dem ich über neun Jahre gearbeitet hatte. Ich war ausgebrannt, fühlte mich von meiner Kirche und meinem Arbeitgeber zurückgewiesen und war nicht in der Lage, meinen Glauben von dem zu trennen, was ich erlebt hatte. Es war alles zu viel und so verließ ich das Programm im letzten Jahr und hörte auf, ein aktiver Katholik zu sein. Sechs Monate später hatte ich einen neuen Job, aber ich hatte nicht den Wunsch, mich wieder dem Glauben zuzuwenden. In dieser Zeit dachte ich, ich hätte ihn verloren. Weil ich dachte, dass die Kirche mich zurückgewiesen hatte, wandte ich mich in meiner Krise nicht an Gott. Ich hatte das Gefühl, eine Tür hätte sich für mich verschlossen. In den letzten Jahren spürte ich die Sehnsucht, zur Kirche zurückzukehren – auf ganz ähnliche Weise, wie ich mich am Anfang zu ihr hingezogen gefühlt hatte. Ich begann, einige Reisen nach Irland zu machen.

Bekehrung in Irland

Bei einem dieser Trips besuchte ich Skellig Michael, wo Mönche auf einer Felseninsel getrennt vom Rest der Menschheit gelebt hatten, sodass sie näher zu Gott hingezogen werden konnten. Ein Jahr darauf kam ich wieder nach Irland, nach Dublin, besuchte das Trinity College und sah das Book of Kells. Skellig Michael und das Book of Kells motivierten mich, mehr über das keltische Christentum zu lernen und ich begann, viel darüber zu lesen. Ich erfuhr, dass die Mönche alle 150 Psalmen auswendig lernten und ich begann erneut, die Psalmen zu beten. Durch diese Beschäftigung wurde mir bewusst, dass mein Glaube doch nicht erloschen war, er war immer noch da, er wartete einfach.

Es war ein Aha-Erlebnis für mich, als mir bewusst wurde, dass es nicht die Kirche war, die über mich geurteilt hatte, sondern weniger als ein Dutzend Menschen. Ich wusste nicht, wie ich das von meinem Glauben trennen sollte, ich nahm noch nicht einmal wahr, dass ich es als eins ansah. Ich hatte die Zurückweisung durch den Pfarrgemeinderat mit der Zurückweisung durch die Kirche verwechselt. Ich kam zu der Überzeugung, dass „glauben“ ein Tätigkeitswort sein sollte und deshalb ein Tun von unserer Seite verlangt.

John R.R. Tolkien schrieb Briefe an seinen Sohn darüber, wie sein Sohn sich „im Glauben durchhängen ließ“: „… Glaube ist ein Akt des Willens, inspiriert durch die Liebe. Unsere Liebe mag abgekühlt werden und unser Wille ausgehöhlt durch die Spektakel der Unzulänglichkeiten, Torheiten und sogar Sünden der Kirche und ihrer Diener, aber ich denke nicht, dass einer, der einst den Glauben hatte, aus diesen Gründen über die Linie zurückgeht… der Glaubensakt ist kein einzelner Augenblick einer endgültigen Entscheidung: Es ist ein permanent immer wieder neu wiederholter Akt – ein Habitus, den man beibehalten muss – deshalb bitten wir um „endgültige Ausdauer“. Die Versuchung zum „Unglauben“ (was eigentlich bedeutet, unseren Herrn und seine Forderungen zurückzuweisen) begleitet uns immer.“

Gott hat geduldig auf mich gewartet. Und ich war der verlorene Sohn, der nach Hause zurückgekehrt ist.

Steven Cole ist 1970 in Portland, Oregon, in den USA geboren. Er arbeitet als Analyst am Hauptsitz des Unternehmens für Columbia Sportswear Inc.

Übersetzung aus dem Englischen von Barbara Stühlmeyer

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