Dresden

"Gott braucht Männer" 

Pater Paulus Maria Tautz CFR (52) gehört den "Franziskanern der Erneuerung" an und ist als Männerseelsorger tätig. Seine Arbeit führte ihn unter anderem in die New Yorker Bronx. Ein Gespräch über vorbildliche Männer und Vorbilder für Männer: Wie Pater Paulus das Josefsjahr aufgreifen will und warum er den Nährvater Jesu als Vorbild für heutige Männer sieht.  

Heiliger Josef
Eine Abbildung des heiligen Josefs von Nazareth mit einem blühenden Lilienstab in der Hand in der Apsis der Peter-und-Paul-Kirche in Potsdam. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Pater Paulus, was haben Sie spontan gedacht, als Sie erfahren haben, dass der Heiligen Vater ein Josefsjahr ausruft? 

Ich habe erstmal einen Freund informiert, und der hat gleich gesagt: "Na wunderbar, das ist doch Dein Thema". Ich will im Josefsjahr 2021 jeden Mittwochabend, dem Josefstag, einen Männerabend über Zoom veranstalten. Ich gebe einen kurzen Impuls, dann wollen wir vor allem Gebetsanliegen austauschen und höchstwahrscheinlich den Rosenkranz beten. Das soll alles kurz und knackig in 40 Minuten vorbei sein, damit Männer eine Hilfe bekommen. Man muss zum Beispiel sehen: Siebzig Prozent aller Selbstmorde werden von Männern vorgenommen, aber einen Männerbeauftragten haben wir nicht. 

Sie bieten   wenn es wieder möglich ist   Männerwochenenden an. Nehmen Sie da häufig Bezug auf den heiligen Josef?

Ja, auch wenn er nicht so zentral ist. Es geht vielleicht auch darum, ihn ein wenig vom Sockel herunterzuheben. Er wird ja manchmal ein bisschen verniedlicht als älterer Mann, den man nicht mehr so ernst nehmen könne. Es ist aber richtig, dass er jetzt auch im ersten Hochgebet mit drin ist. Mir ist wichtig, dass die natürlichen Qualitäten Josefs rüberkommen. Gott hat diese Qualitäten gebraucht. Josef war kein Priester, Schriftgelehrter oder Theologe. Josef war Handwerker, und er kann überall zurechtkommen. Er kann eine Familie beschützen und ernähren. Die Heilige Familie musste fliehen, da braucht man diese Fähigkeiten. Maria hat das genutzt. Sie hätte auch wie eine moderne Frau sagen können: "Ich bin die Mutter Gottes, Du hast gar nichts zu sagen." Aber sie ist eine kluge Frau, und versteht, wir müssen durchkommen und überleben   und brauchen einen Mann dazu. Ich überlasse ihm diesen Job und rede ihm nicht ständig rein. Es ist heute ein ganz großes Problem, dass wir diese natürliche Aufgabe des Mannes nicht mehr verstehen. Und das erleben wir ja tagaus, tagein. "Frau und Mann gibt es sowieso nicht, es gibt nur den Menschen", heißt es dann oft. Aber das ist doch Blödsinn! Frauen denken oft, sie heiraten ihre beste Freundin, mit der ich stundenlang reden kann. Aber gerade das Schweigen ist eine ganz große Qualität des Mannes. 

 Und vom heiligen Josef ist kein einziges wörtliches Zitat in der Bibel überliefert.  Man sagt oft, er sei schweigsam. Ist das eigentlich eine gute Eigenschaft? Andererseits sind Väter ja auch gefordert, in der Familie mal ihre Stimme zu erheben.

Was ist das für ein Mann, der nur rumredet? Er muss Vorbild sein durch Taten. Nur die zählen. Bei Politikern schauen wir ja auch nicht, was sie sagen, sondern was sie tun. Ein Mann zeigt seine Liebe durch Aktion. Gute Frauen verstehen das   er zeigt mir seine Zuneigung und Verehrung auf diese Weise. Der Mann muss nicht viel reden, er muss Konflikte aushalten, und er muss sich auch in sie hineinbegeben. Das ist auch ein Problem in der Kirche. Wir sind eine Bürokirche geworden   aber wir haben keine Männer mehr, die auch mal einen Konflikt aushalten, die sich mal mit jemandem anlegen. Da wird ein Riesenbogen drumherum gemacht, weil es schlechte Presse geben könnte. Das ist nur ein Beispiel, wo wir Männer brauchen. 

Josef erfährt, dass Maria, seine Verlobte, schwanger ist   aber definitiv nicht von ihm. Dann heißt es bei Matthäus: "Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen." Was macht diese Gerechtigkeit aus, von der hier die Rede ist?

Da geht es nicht um gerechten Lohn oder ähnliches. Gerechtigkeit ist eine der Kardinaltugenden   neben Mut, Maßhalten und Klugheit. Es geht darum, dass jeder das bekommt, was er verdient. Also auch Gott. Zum Beispiel ist sonntags in die heilige Messe zu gehen ein Werk der Gerechtigkeit, weil es Gott gebührt, dass wir ihm eine Stunde in der Woche geben. Das ist damit gemeint. Er ist gerecht, indem er der Frau und dem Kind nicht das Leben nimmt. Auch Josef bekommt Nachhilfe, und zwar im Traum. Wir brauchen Nachhilfe, wir müssen auch auf diese Zeichen hören. Damit ist Josef das große Vorbild   indem er auch unbequeme Situationen aushält. Auch wenn ich es nicht verstehe oder gut finde   ich werde gefragt. Ich muss jetzt Frau und Kind beschützen   und er macht das. Auch heute gibt es Männer, die etwas aushalten müssen, zum Beispiel in einer Ehekrise. Dann sagen sie: Ich habe keinen Spaß mehr, es ist nur noch harte Arbeit, aber ich halte das aus. Und das finde ich sehr gut, dass die Männer ihre Tugenden trainieren. Mittlerweile mache ich eine richtige Tugendschule   was sind die christlichen Tugenden? Der heilige Josef ist tugendreich   und die Gerechtigkeit ist, wie gesagt, eine Kardinaltugend. 

Pater Paulus Tautz

Der heilige Josef ist ein richtiger Mann,
der übernimmt die Initiative,
er erkennt Gottes Zeichen.

Pater Paulus Maria Tautz CFR

Gehört dazu auch die Beschützerrolle? 

Ja, klar. Das ist die edelste Rolle, die beste Seite. Wenn eine Frau sagt: "Beschütze mich", dann wird der Mann gleich drei Zentimeter größer (lacht). Es ist wichtig, dass wir uns diese Bestätigung gegenseitig geben. Wir machen uns gerne gegenseitig runter   aber dann rächt sich das irgendwann. Damit können sich Ehepaare das Leben zur Hölle machen. Wir müssen lernen, die natürlichen Tugenden zu nutzen. Der heilige Josef ist ein richtiger Mann, der übernimmt die Initiative, er erkennt Gottes Zeichen. Männer haben einen sechsten Sinn dafür zu erkennen, von woher Gefahr droht. Maria lässt ihm diese natürliche Eigenschaft, sie redet ihm nicht rein. Mitten in der Nacht folgt sie ihm auf der Flucht nach Ägypten. Ich habe kürzlich mit einer Frau gesprochen, Single, attraktiv, mit einem guten Job. Ich habe sie zu einem Dating-Wochenende eingeladen. Sie hat mich gefragt, was ich da so alles mache. Ich erklärte ihr, dass ich über die Rolle von Mann und Frau spreche, zum Beispiel, dass der Mann die Beschützerrolle hat. "Nee, das geht gar nicht", hat sie gleich gesagt. "Ich beschütze mich selbst." Klar, sie hat einen guten Job. Aber dann meinte sie, sie bräuchte ja gar keinen Mann. Aber das Resultat dieser Entwicklung ist, dass sie vereinsamen. 

Josef stellte sein eigenes Leben hintenan und folgte dem, was Gott ihm sagen ließ. Lehrt uns Josef auch Gehorsam? 

Ja, der Mann ist das regenerierende Prinzip. Er hat eine natürliche Autorität. Das lässt sich auch wissenschaftlich nachprüfen. Jesus ist ein richtiger Mann, er legt sich mit Autoritäten wie den Pharisäern an. Deswegen ist er auch gekreuzigt worden. Und gelernt hat er das von Josef. Beide waren konfliktfähig. Josef hat Ja und Nein sagen können. Das ist eine wichtige Qualität   Entscheidungen treffen. Auch eine Entscheidung für Gott, für das Leben. Das können wir von Josef lernen. Und wir brauchen das in dieser Zeit. Wir haben ein schweres Jahr vor uns. Viele Firmen werden sich jetzt noch das Geld für die Kurzarbeit mitnehmen, dann werden die Leute entlassen. Das wird schwierig, und deshalb brauchen wir Mut und Klugheit. Wir müssen jetzt zusammenhalten, unser Leben ordnen. Viele Leute haben über ihre Verhältnisse gelebt. Jetzt geht es darum, wie behalte ich meine Nerven? Wie halte ich meine Familie zusammen? Das sind wichtige Jobs, die Männer jetzt machen müssen. Wir brauchen diese Figur   Männer, die aufmerksam, gerecht und gottesfürchtig sind. Das ist kein Zufall, dass der Papst gerade jetzt dieses Jahr ausruft. Wir brauchen diese neuen Männer, die auch ein geistliches Leben führen. Wir müssen unbequem sein, in einem guten Sinn. 

Taugt Josef, der Arbeiter, für heutige Verhältnisse als Vorbild? Der Mann arbeitet, die Frau kümmert sich um Haushalt und Kind   passt das noch zu heutigen Ehen?

In der Tat haben feministische Kreise dieses Bild kritisiert und fürchten, wir würden jetzt in der Corona-Zeit wieder in dieses Rollenbild zurückfallen. Aber wir gehen einer Krisenzeit entgegen   wir sind schon in der Krisenzeit. Da braucht man sich nichts vormachen, zumindest emotional und psychologisch sind wir schon in der Krise. Und da ist es immer so, dass Frauen nach Sicherheit gucken. Und diese Sicherheit müssen die Männer ihnen geben. Aber wo bekommen sie diese her? Da müssen wir vertrauen, dass Gott uns die Kraft gibt. Der Mann hat diesen Job, er muss sich Kraft von Gott holen. Die neue Rollenverteilung ist sowieso erst rund 50 Jahre alt. Das ist doch eigentlich ein soziales Experiment, das wir hier machen. Jetzt kommt das wieder zurück, dass der Mann seinen Mann stehen muss. Auch die Frauen müssen jetzt wieder sagen: Ok, es gibt eine gewisse natürliche Ordnung, und wenn ich die respektiere, dann geht es mir auch gut. Wenn ich jetzt meinen Mann ständig runtermache, weil er dies und das nicht kann, dann wird er schnell depressiv. Er ergreift zum Beispiel die Flucht in ein wirres Hobby. Das ist mir sehr wichtig, dass wir Männer in diese Richtung stärken: Übernimm Verantwortung.  

Was bedeutet das konkret? 

Nimm die Herausforderung des Lebens an. Das hat nichts mit Paschatum oder falscher Autorität zu tun, und schon gar nicht mit Gewalt. Das Problem ist: Junge Männer trauen sich nichts mehr zu. Und das kommt schon von ihren Vätern   die haben sie nicht gelehrt, ein Risiko einzugehen. Dabei haben sie eine Top-Ausbildung und sind eigentlich sehr qualifiziert. Wir sollten da auf Jesus schauen. Er hat seine Apostel ausgesendet und sie mit einer riesigen Aufgabe betraut: Geht hinaus in alle Welt, tauft alle Menschen, macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Das sagt er jungen Männern, die Anfang 20 sind. Aber er traut ihnen das zu. Bestandene Herausforderungen machen uns männlicher. 


Näheres über die Männerabende mit dem Autor auf www.gottessoehne.de 

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