Chartres/Lourdes/München

Geistliches ABC zur deutsch-französischen Freundschaft

Was die einstigen Erbfeinde Deutschland und Frankreich 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs jenseits der Politik zusammenhält.

Notre-Dame de Chartres
Die Kathedrale von Chartres ist zu Pfingsten Ziel einer bedeutenden französischen Jugendwallfahrt. Foto: Corinne Simon

A

Abbé Franz Stock (1904–48) wirkte während des Kriegs als Gefängnisseelsorger in Paris und begründete nach dem Krieg das „Stacheldrahtseminar“ in Chartres. Eine europäische Begegnungsstätte erinnert dort an sein Wirken. Der Paderborner Diözesanpriester gilt als Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft.

B

Benedikt XVI. beeindruckte beim Pastoralbesuch 2008 mit exzellentem Französisch. Die Zeitschrift „famille chrétienne“ bescheinigte ihm „französische Kultur“.

C

Chartres zieht alljährlich tausende Pilger aus Deutschland an. Zur alljährlichen Pfingstwallfahrt von Paris nach Chartres kommen jedes Jahr mehr junge Pilger aus Deutschland.

D

Diözesanpartnerschaften zwischen Paderborn und Le Mans sowie München-Freising und Évry-Corbeil-Essonne sind die Mütter vieler Freundschaften. Und Libori, der Bistumspatron von Paderborn und Le Mans, wird alljährlich gemeinsam gefeiert.

E

Emmanueller haben mit ihren „Abenden der Barmherzigkeit“ die Steilvorlage zur Initiative „Nightfever“ gelegt. Die aus Frankreich stammende geistliche Gemeinschaft  wirkt auch in Altötting und Köln.

F

Freisemester am Institut Catholique in Paris gelten unter deutschen Theologiestudenten als heißer Tipp. Auch katholische Priester schauen nach Paris, denn Frankreichs Hauptstadt macht ihrem Ruf als katholische Avantgarde in der Seelsorge alle Ehre.

G

Gemeinschaft Jerusalem: Die Brüder und Schwestern in den weißen Chormänteln sind in Paris und Köln ein Markenzeichen für monastisches Leben in der Stadt.

H

Herz-Jesu-Verehrung: Gertrud von Helfta (1256–1301/2) und Margareta  Maria von Alacoque (1647–90) in Paray-le-Monial haben die Herz-Jesu-Verehrung geprägt – und werden bis heute gelesen.

I

Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes: Seit Bismarcks Zeiten bauen deutsche Katholiken landauf, landab Nachbildungen der Grotte von Lourdes. Das Nationalheiligtum der Franzosen ist mit der alljährlichen Soldatenwallfahrt zu Christi Himmelfahrt zum Inbegriff des Gebets um Frieden zwischen Deutschen und Franzosen geworden.

J

Jakobsweg: Deutsche und nordfranzösische Jakobspilger ziehen seit Jahrzehnten auf denselben Wegen zum Grab des Apostels und setzen ihrer Passion literarische und cineastische Denkmäler.

K

Katholische Pfadfinder Europas: Bei Zeltlagern und Wallfahrten lernen deutsche und französische Kinder und Jugendliche Land und Leute kennen – Weltkirche als Praxistest.

L

Licht-Ton-Inszenierungen an historischen Gebäuden haben ihren Ursprung in den Feuerwerken des Versailler Hofes, sind aber katechesetauglich. Biblische Geschichte präsentieren Franzosen gern unter freiem Himmel als farbenprächtige Inszenierung mit Musik und Text. Ihre Begeisterung für das fromme Spektakel steckt an – etwa „Lux eucharistica“, zu erleben während des Eucharistischen Kongresses 2013 im Kölner Dom.

M

Michael: Zwei Nationen, ein gemeinsamer Fürsprecher – Deutsche und Franzosen verehren den heiligen Erzengel als ihren mächtigen Schutzpatron.
Normandie: Das Schönstattkapellchen in Cambrai erinnert an die Friedensarbeit der Schönstattfamilie in der Normandie. Im Ersten Weltkrieg fiel bei Cambrai Josef Engling, ein Schönstätter der ersten Stunde. Franzosen und Deutsche gehen dort gemeinsam den Josefsweg, der an die letzten Stunden Englings erinnert.

O

Orgel: „Auf der deutsch-französischen Orgelbank“ lautete ein Projekt des Evangelischen Begegnungszentrums „Foyer le Pont“ in Paris für deutsche und französische Orgelfans. Orgelkunst und Orgelbaukunst samt professioneller Vergleiche der Orgelmusik verbindet passionierte Liebhaber des Instruments in beiden Ländern in einer Art heiligem Wettstreit.

P

Papst Benedikt XVI. empfängt Chorjungen im Vatikan
Benedikt XVI. begrüßt Teilnehmer eines Pueri-Cantores-Treffens in Rom. Foto: epa ansa Schiavella (ANSA)

Pueri Cantores – die Gründung des internationalen Chorverbandes nach dem Zweiten Weltkrieg wollte das Lob Gottes und Begegnungen in Freundschaft fördern. Der französische Gründer Abbé Fernand Maillet gab den Sängern als Leitwort mit: „Morgen wird die Jugend der ganzen Welt den Frieden Gottes singen“. 1951 wurde der deutsche Verband unter der Leitung des  Mainzer Domkapellmeisters Georg Paul Köllner ins Leben gerufen.

Q

Quedlinburg, Magdeburg und acht weitere Städte haben 2010 das Netzwerk „Fête de la musique Sachsen-Anhalt“ gegründet, bei dem sich Profis und Amateure bewerben können. In einer Region, in der seit der Ansiedlung von Hugenotten im 17. Jahrhundert viel französisches Kulturerbe steckt, eine Chance für christliche Töne.

R

Reims: Die Krönungskirche der französischen Könige wurde im Ersten Weltkrieg von deutschem Artilleriefeuer schwer beschädigt. 1962 feierten Adenauer und de Gaulle die historische Friedensmesse anlässlich der deutsch-französischen Aussöhnung. 2015 schenkte der Dessauer Maler Imy Knöbel der Krönungskathedrale sechs Buntglasfenster.

S

Sinnenfreude: Klosterprodukte aus beiden Ländern fördern die Lust am Katholischsein: Biere, Weine, Düfte, Kissen und Konfekt ... sage niemand, Christen lebten genussfrei.

T

Theresienwerk: Die Verehrung der heiligen Theresia von Lisieux (1873–1897), Patronin der Weltmission, hat in Augsburg und zahlreichen Karmelitenklöstern in Deutschland Freunde und Förderer.

U

Unter uns: Französische Katholiken punkten mit Offenheit für die alte Messe, vielen kinderreichen Familien, einem vergleichsweise entspannten Umgang mit binnenkirchlichen Konflikten sowie einer Fülle exzellenter patristischer Literatur.

V

Väterforschung: In Würzburg und Paris arbeiten die Zentren für Augustinusforschung erfolgreich zusammen. Das in Deutsch, Französisch und Englisch edierte Augustinus-Lexikon gibt es neuerdings auch online.

W

Wallfahren – auf dem Mont Saint Michel, in La Salette, im Kölner Dom oder bei der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier wächst der Glaube unter Nachbarn.

X

XNach dem Brand von Notre-Dame rechnete der Deutsche Spendenrat mit überdurchschnittlicher Spendenbereitschaft in Deutschland für den Wiederaufbau. Noch ist offen, wie hoch die Summe X wird.

Z

Zentralismus in Frankreich versus Föderalismus in Deutschland – ein lehrreiches Spannungsfeld für beide Seiten – auch für das praktische kirchliche Leben.

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