Dresden

Gastkommentar: Dem Wort des Herrn gehorchen

Die neuprotestantische Lesart des Begriffs „Realpräsenz" des ökumenischen Arbeitskreises bleibt weit hinter der sakramentalen Wirklichkeit zurück.

Handkommunion
Bischof Bätzing macht freilich dankenswerterweise darauf aufmerksam, dass nur eine lehramtliche Rezeption dieses Votums Änderungen der Praxis nach sich ziehen könnte. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Bei der Einsetzung des Heiligen Abendmahls am Gründonnerstag hat Christus seiner Kirche aufgetragen, im Sakrament auszuteilen, was er am Kreuz auf Golgatha eingesetzt hat zur Rettung der Welt und so seiner zu gedenken. Der Grund für diese Überzeugung und kirchlich verbindliche Lehre liegt in den Stiftungsworten des Herrn der Kirche selbst: Nehmt hin und esst: Das ist mein Leib; nehmt hin und trinkt: Das ist mein Blut. Die Lutherische Kirche bekennt demnach, wenn sie von „Realpräsenz“ spricht, dass in der eucharistischen Feier unter der Gestalt von Brot und Wein wirklich der Leib und das Blut Christi gegenwärtig sind und von denen, die zum Tisch des Herrn treten, mit dem Mund empfangen werden.

"Sehnsucht und Ungeduld" nach gemeinsamem Abendmahl wachsen

Das Votum des Ökumenischen Arbeitskreises katholischer und evangelischer Theologen folgt nun leider der neuprotestantischen Lesart des Begriffs „Realpräsenz“, wie ihn etwa die Leuenberger Konkordie von 1973 gefasst hat; demnach ist Christus in der Gabe des Abendmahls personal präsent. Diese neuprotestantische Vergewisserung bleibt weit hinter der sakramentalen Wirklichkeit zurück, die das Neue Testament bekundet und der Glaube der orthodoxen, katholischen und lutherischen Kirchen bekennt.

Umso bedauerlicher ist, dass dieser Auffassung im Votum der ÖAK nicht nur römisch-katholische Theologinnen und Theologen zugefallen sind, sondern mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und Co-Vorsitzenden des ÖAK auch ein Vertreter des römisch-katholischen Lehramts seine Zustimmung nicht versagt hat. Bischof Bätzing macht freilich dankenswerterweise darauf aufmerksam, dass nur eine lehramtliche Rezeption dieses Votums Änderungen der Praxis nach sich ziehen könnte. Er weist auch zu Recht darauf hin, dass „Sehnsucht und Ungeduld“ nach gemeinsamer Feier des Herrenmahls wachsen. Dieses Ziel kann freilich ausschließlich in der Wahrheit, die dem Wort des Herrn gehorsam ist, und in der Liebe, die der Weisung des Herrn folgt, erreicht werden.

Der Autor ist der leitende Geistliche und Bischof der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche

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