Porträt der Woche

Frank Pavone: Amerikas Don Camillo

Father Frank Pavone sollte für seinen Einsatz für den Lebensschutz einen Preis erhalten. Nach dem Sturm auf das Kaptiol wurde dieser dem Trump-Anhänger jedoch verweigert. Für sein politisches Engagement erhielt er in der Vergangenheit bereits Auftrittsverbote.

Father Frank Pavone
Der Vorsitzende der "Priests for Life", Father Frank Pavone in einem Youtube-Video zum Thema "Biden, Abtreibung und die Kirche". Dem Trump-Anhänger wurde ein Preis für den Lebensschutz verweigert. Foto: DT/youtube

Während die amerikanischen Bischöfe um ihre Haltung zu Joe Biden ringen, fehlt dem wortmächtigen Lebensschützer Father Frank Pavone eine wichtige Plattform. Der alljährliche „Marsch für das Leben“ in Washington am 22. Januar wurde kurzfristig abgesagt und ins Netz verlegt. Das ist das zweite Debakel dieser Woche für den in den Vereinigten Staaten bekannten Priester.

Preis für den Lebensschutz zurückgezogen

Am 25. Januar sollte er vom Päpstlichen Athenaeum Regina Apostolorum den Lebensschutzpreis „Una vita per la vita“ erhalten, doch die Hochschule der Legionäre Christi in Rom besann sich wenige Tage nach Bekanntgabe des Preisträgers anders. Begründet wird dies mit der politischen und kirchlichen Situation. Aus dem Umfeld Pavones ist zu hören, nach der Erstürmung des Kapitols habe sich der Wind gedreht und der Geistliche, der schon zuvor als eigenwilliger Aktivist aufgefallen war, sei als Preisträger nicht mehr tragbar gewesen.

Dass der seit 1993 in der texanischen Diözese Amarillo inkardinierte Priester ein glühender Trump-Anhänger ist, fiel in amerikanischen Lebensschutzkreisen zwar nicht weiter auf. Die schillernde Persönlichkeit des 1988 für das Erzbistum geweihten Pavone polarisiert seit Jahren. Seine Anhänger verehren ihn als einen amerikanischen Abraham a Sancta Clara, dessen leidenschaftliche Predigten sich markant vom Pastoralsprech abheben. Zugleich kann dieser unermüdliche Streiter ein einfühlsamer Seelsorger sein.

Der Trump der einfachen Katholiken

Seine Exerzitien „Rachels Weinberg“ sind eines der landesweit bekanntesten Angebote für Frauen, die Schuldgefühle nach einer Abtreibung haben. Seine Gegner fühlen sich von der schieren Prominenz und medialen Präsenz dieses amerikanischen Don Camillo oft erschlagen. Pavones persönlicher Kontakt zu Mutter Teresa hat ihn ebenso populär gemacht wie seine Fox-News-Interviews und sein Gebet am Sterbebett der Wachkoma-Patientin Terri Schiavo.

Er erfüllt für die einfachen Gläubigen in der katholischen Kirche in den USA eine ähnliche Funktion wie Trump für frustrierte Arbeiter am Rostgürtel: Er gibt ihrem Unbehagen an der Hierarchie eine Stimme. Und vergreift sich dabei mitunter auch im Ton.

Politischer Aktivismus nicht gern gesehen

Dafür nimmt er regelmäßig Spannungen mit seinen Vorgesetzten und anderen Bischöfen in Kauf. New Yorks Kardinal Timothy Dolan distanzierte sich von Pavones Mitstreitern – den „Priests for Life“ – wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten. Das Bistum Amarillo erteilte Auftrittsverbote und verurteilte sein leidenschaftliches Engagement im Wahlkampf als nicht mit der Lehre der Kirche vereinbar. Pavone gibt sich indes gelassen. Die einzige schlechte Presse sei gar keine Presse.

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