Würzburg

Erzbischof Gänswein setzt auf Einsicht beim Synodalen Weg

Erzbischof Georg Gänswein befürchtet nicht, dass mit der Lehre der Kirche unvereinbare Forderungen des Synodalen Wegs durchgesetzt werden können.

Erzbischof Georg Gänswein
Erzbischof Georg Gänswein: Optimistisch bezüglich des Ausgangs des Synodalen Wegs. Foto: Patrick Seeger (dpa)

Erzbischof Georg Gänswein setzt auf Einsicht bezüglich des Ausgangs des Synodalen Wegs. „Im Innersten bin ich recht ruhig, dass es nicht zum Schlimmsten kommt“, so der Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikts XVI. im Tagespost Online-Forum (Donnerstag).

Wo Gänswein ein Stoppschild für den Synodalen Weg sieht

Auf die Frage eines Teilnehmers, ob Rom den Synodalen Weg stoppen werde, entgegnete Gänswein, dass er das nicht sagen könne. „Ich bin aber überzeugt davon: Wenn Foren bestimmte Thesen oder bestimmte Papiere verabschieden, die inhaltlich nicht mit der Glaubenslehre übereinstimmen, dann ist spätestens da Ende der Fahnenstange.“ Wer innerhalb der Gesamtkirche bleiben wolle, müsse sich an den vorgegebenen Glauben halten, so der Erzbischof. 

Die rechte Lehre spiele sich allerdings nicht automatisch ein, sondern benötige das Zurechtweisen der verantwortlichen Hirten der Kirche. Das habe sich in der Geschichte der Kirche immer wieder gezeigt. Deswegen sei das Bischofsamt auch heute für die Kirche unverzichtbar, „und wo ihm die Kompetenz zu inhaltlicher Entscheidung für oder gegen eine Auslegung der Glaubenslehre abgesprochen wird, wird an der Grundform der apostolischen Überlieferung selbst gerüttelt“, so Gänswein in seinem Vortrag über die Bedeutung der Theologie Benedikts XVI. für die Kirche der Zukunft. 

Wenn es aber Uneinigkeiten unter den Bischöfen gebe, wie derzeit in Deutschland in Bezug auf die Sexuallehre und den Zugang zum Weiheamt für Frauen, gelte es zu fragen, ob einzelne Bischöfe Fragen beantworten dürften, die die Weltkirche betreffen. Diese Frage sei jedoch bereits geklärt: „Die kirchliche Lehre können einzelne Bischöfe und auch Bischofsmehrheiten in den elementaren Fragen nicht ändern“, so Gänswein. 

Lehramt muss sagen können, welche Meinungen dem Glauben entsprechen

Wenn seitens des kirchlichen Lehramts aber eine theologische Position für unvereinbar mit dem Glauben der Kirche erklärt werde, erschienen die Betroffenen sofort als Opfer ungerechter Gewalt. „Der Akt des kirchlichen Lehramtes wird als autoritäre Unterdrückungsmaßnahme gebrandmarkt, als Angriff auf das Recht der Freiheit. Es wird das Bild beschworen, dass wieder einmal ,die da oben' oder die ,in Rom' gegen die Machtlosen ,unten' zu Feld ziehen“, kritisiert Gänswein. So dränge sich der Gedanke auf, dass die Kirche in überholten Machtstrukturen lebe, die endlich von Grund auf geändert werden müssten. „Es entsteht das Bild, als ob hier Macht gegen Freiheit, ängstliche Wortgebundenheit gegen mutige Suche neuer Ausdrucksformen des Christlichen stünde.“ 

Das kirchliche Lehramt müssen den Gläubigen aber sagen können, welche Meinungen dem Glauben entsprechen und welche nicht. „Das ist sein Recht und seine Pflicht, damit das Ja ein Ja und das Nein ein Nein bleibt und damit jene Eindeutigkeit gewahrt wird, die die Kirche ihren Gläubigen schuldet, und auch der Welt.“  DT/vwe

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