Paderborn

Einen Punktsieg haben die Stillen errungen

Die Mundkommunion ist aufgrund von Bitten der Gläubigen vielerorts wieder möglich. Doch es gelten weiterhin Einschränkungen. Nicht alle Bistümer sind dabei.

Kommunionspendung
Die Mundkommunion ist ein Ausdruck der Ehrfucht vor dem Allerheiligsten, den viele Gläubige nicht missen wollen. Dass einige Bistümer dem nun Rechnung tragen, ist eine gute Nachricht. Foto: KNA

Lange Zeit schien es so, als sei in Deutschland die mit einem Indult ermöglichte Spendung der Handkommunion die einzige Form des Kommunionempfangs. Im Zuge der Coronakrise hat die Aufmerksamkeit sich jedoch wieder neu auf die weltweit gebräuchliche Form der Mundkommunion gerichtet. Denn für viele Gläubige ist die Pandemie über die allgemeinen Einschränkungen hinaus auch deshalb schwer zu ertragen gewesen, weil der für ihr Glaubensleben wichtige Empfang der Mundkommunion auch dann verboten blieb, als öffentliche Gottesdienste mit Kommunionspendung wieder stattfanden. Gemäß den „Empfehlungen zur Feier der Liturgie in Zeiten der Corona-Krise“ der Deutschen Bischofskonferenz vom 24. April 2020 war allein die Handkommunion unter Maßgabe der geltenden Hygieneregeln möglich. Begründet wurde die Maßnahme mit der bei der Mundkommunion angenommenen höheren Infektionsgefahr.

Gutachten von Ärzten

Nachdem eine Reihe von Ärzten den deutschen Bischöfen im Rahmen einer Anfrage nun zwei Gutachten vorgelegt haben, die diese Sicht korrigieren, haben im Nachklang der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz, auf der noch keine Entscheidung in der Sache gefällt worden war, einige Bistümer nun die bislang geltenden Vorschriften gelockert. Eine Umfrage ergab, dass in Essen, Fulda, Mainz, Münster, Paderborn, Rottenburg-Stuttgart und Speyer die Mundkommunion zwar während der heiligen Messe verboten bleibt, auf Anfrage aber nach der Feier der Eucharistie und in Paderborn an einem gesonderten Platz im Kirchenraum gespendet werden kann.

Desinfektion inbegriffen

Im Bistum Speyer gilt dies auch für Messen im alten Ritus. Dabei schreiben die Bistümer Essen, Mainz, Rottenburg-Stuttgart und Speyer die Desinfektion der Hände nach jeder einzelnen Kommunionspendung verpflichtend vor, im Bistum Paderborn wird sie empfohlen und ist nur bei versehentlicher Berührung des Mundes des Kommunikanten verpflichtend. Die Pressesprecher der Bistümer Paderborn, Essen und Münster gaben an, dass in Messen im alten Ritus die Mundkommunion auch während der Eucharistiefeier möglich ist. Im Bistum Münster muss aber hierfür ein entsprechendes Hygienekonzept vorgelegt werden und in Essen gilt, dass der Priester nicht zur Spendung der Mundkommunion verpflichtet werden kann.

Gespräche für die Mundkommunion

Der Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Petrus betonte: „Unser Prinzip war, die Einschränkungen der Bischöfe hinsichtlich der Mundkommunion im Gehorsam anzunehmen. Besonders in den ersten Wochen und Monaten bestand tatsächlich eine Unsicherheit hinsichtlich der Gefährdung der Gläubigen. Nachdem aus ärztlicher Sicht diese Bedenken nach und nach zerstreut wurden, begannen unsere Bemühungen, eine Erlaubnis für die Mundkommunion zu erlangen, die ja für den überlieferten Ritus die einzige Form der Kommunionspendung ist. Ein wichtiger Durchbruch war die Erlaubnis zur Mundkommunion durch die österreichischen Bischöfe aufgrund ärztlicher Gutachten. Damit konnten wir gut argumentieren.“ In der Folge führte die Priesterbruderschaft Gespräche mit verschiedenen Bistumsleitungen, um die Erlaubnis für die Spendung der Mundkommunion zu erlangen. Für das Bistum Würzburg ist die Wiederzulassung der Mundkommunion beschlossen. Die Umsetzung des Beschlusses hängt aber von der Zustimmung der Bayerischen Staatsregierung ab.

Noch im Denkprozess

In den Bistümern Aachen, Augsburg, Bamberg, Dresden-Meißen, Eichstätt, wo die Richtlinien derzeit überarbeitet werden, Erfurt, Freiburg, Hamburg, Magdeburg, Osnabrück, Passau, Regensburg, wo ebenfalls gerade über die Regelungen nachgedacht wird, Trier und im Bereich des Militärbischofsamtes bleibt es zumindest vorerst beim Verbot der Mundkommunion. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagte auf Anfrage: „Wir richten uns nach den Vorschriften, die zwischen Kirche und der bayerischen Staatsregierung abgesprochen sind.“ Der Pressesprecher des Bistums Aachen erklärte: „In der Abwägung zwischen dem verständlichen Wunsch Einzelner, dass gerade beim Eucharistieempfang die gewohnten Frömmigkeitsformen Anwendung finden mögen und der Mit-Verantwortung für den vorrangigen Schutz der Gesundheit halten wir gerade auch angesichts deutlich steigender Infektionszahlen in unserer Region eine Lockerung der Maßgaben in unserem Verantwortungsbereich an dieser Stelle leider noch nicht für angebracht.“

Vorläufige Ablehnung

Der Pressesprecher des Bistums Osnabrück verwies ebenfalls auf die momentan deutlich ansteigenden Infektionszahlen und die strengen Auflagen des Landes Niedersachsen für Gottesdienste, fügte aber an: Sobald es dem Bischof verantwortbar erscheint und ein verlässliches Hygienekonzept vorliegt, wird er auch die Mundkommunion wieder als eine Form der Kommunionspendung ermöglichen.

Aus Sicht der Gläubigen und im Sinne der Gleichbehandlung wäre es sicher wünschenswert, eine bundesweit einheitliche Lösung zu finden. Wie in vielen anderen kirchlichen Handlungsfeldern birgt die derzeitige Krise auch im Hinblick auf den Kommunionempfang die Chance zu einer vertiefenden Erschließung.

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