Kommentar um "5 vor 12"

Ein Schritt weg vom Abgrund

In der Deutschen Bischofskonferenz stehen die Zeichen erkennbar auf Deeskalation. 

Georg Bätzing
Der Limburger Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat mit seiner Absage ein die geplanten Segensfeiern am 10. Mai erneut ein Stoppschild aufgestellt. Foto: Sascha Steinbach (EPA POOL)

Der Raum des Sag- und Machbaren ist in der Kirche Deutschlands auch im dritten Jahr des Synodalen Wegs nicht unendlich weit. Diese neue Erfahrung mussten katholische Stürmer und Dränger jetzt machen.

Zwei Ordnungsrufe

Gleich zwei Mal hat der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing öffentlich Stoppschilder aufgestellt. Etwas gewunden in beiden Fällen, aber dennoch deutlich genug. Da rügte er in einem höchst ungewöhnlichen Schritt die Dogmatikprofessorin Johanna Rahner für den Gebrauch des Wortes Rassismus im Zusammenhang mit der Debatte um die innerkirchliche Diskriminierung von Frauen. Weltkirchlich deutlich gewichtiger war sein Ordnungsruf vom Mittwoch. Mit Blick auf die von zahlreichen Priestern für den 10. Mai angekündigten Segensfeiern für homosexuelle Paare stellte er fest, dass diese nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet seien. Den Segen der DBK haben die Priester also nicht für ihr Projekt.

Nur der Stil, nicht die Sache

Natürlich, das ist in beiden Fällen ein Ordnungsruf in Sachen Stil und Vorgehen, nicht notwendigerweise eine Absage in der Sache selbst. Bätzing lässt in seinem Limburger Bistum die Frage möglicher Segensfeiern wohlwollend prüfen. Dennoch bekommen er und eine kritische Masse von Bischöfen es offenbar mit der Angst vor weiterer, unkontrollierbarer Eskalation zu tun. Nach der Erklärung der Glaubenskongregation zur Segensfrage und dem Proteststurm dagegen tat sich vor den Bischöfen durchaus real ein klaffender Abgrund der Spaltung auf. Der besteht in der Sache auch nach Bätzings jüngsten Stellungnahmen natürlich weiterhin. Fraglich, ob er sich auf Dauer wegmoderieren lässt. Aber Bätzings Stoppschilder sind die Voraussetzung dafür, überhaupt an einen sinnvollen innerkirchlichen Dialog denken zu können.

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