Rom

Ein Mekka für Freunde der christlichen Archäologie

Ein Päpstliches Institut ist ein Mekka für Freunde des Altertums.

Rektor Msgr. Stefan Heid
Msgr. Stefan Heid: Ein Päpstliches Institut ist ein Mekka für Freunde des Altertums. Foto: PIAC

Das Päpstliche Institut für Christliche Archäologie in Rom hat wieder einen deutschsprachigen Rektor. Pius XI., der das Institut im Jahr 1925 mit einem Motu proprio zusammen mit der Päpstlichen Römischen Akademie für Archäologie und der Päpstlichen Kommission für die Sakrale Archäologie ins Leben gerufen hatte, beauftragte damals den in Luxemburg geborenen Kirchenhistoriker und Christlichen Archäologen Johann Peter Kirsch mit dem Aufbau und der Leitung der Forschungs- und Lehrstätte.

Kirsch war in Rom kein Unbekannter. Von 1888 bis 1890 war er der erste Leiter des Historischen Instituts der Görres-Gesellschaft in Rom gewesen, bevor er 1890 bis 1932 als Archäologie-Professor an die Universität im schweizerischen Fribourg wechselte. Es war die Gründerzeit im kleinen Kirchenstaat, wie man ihn heute kennt. Im Jahr der Lateran-Verträge von 1929, die den Friedensschluss zwischen dem italienischen Staat und dem Papst besiegelten, erhielt das Päpstliche Institut für Christliche Archäologie, kurz PIAC genannt, dann auch seinen eigenen respektablen „Palazzo“ in unmittelbarer Nähe der Papstbasilika Santa Maria Maggiore, wo sich auch heute Bibliothek, Hörsäle und Verwaltung des PIAC befinden.

Archäologie bleibt coronaresistent

Im Rektorat leitet seit Februar dieses Jahres Stefan Heid die Geschicke des Hauses, seit 2001 Professor für Liturgiegeschichte und Hagiographie am PIAC und seit 2011 Direktor des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft auf dem Campo Santo Teutonico im Schatten des Petersdoms. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, die Studierenden des Instituts über die Umstellungen wegen der Corona-Epidemie zu informieren. Aber die Archäologie ist ziemlich coronaresistent, erzählt er in seinem Büro. Ausgrabungen oder die Besichtigung archäologischer Plätze kann man nicht ins Internet verlegen.

Die Erfahrungen anderer Hochschulen und Institute, die ihre Veranstaltungen nun online anbieten mussten, blieben dem PIAC erspart. Der Lehrbetrieb geht nach der üblichen Sommerpause im November weiter. Hilfreich dabei sind die großzügigen Räumlichkeiten am Sitz des PIAC und die vergleichsweise geringe Zahl der Studierenden. Im akademischen Jahr 2019/2020 waren für das Doktorat in Christlicher Archäologie 71 Studierende eingeschrieben, für den einjährigen Spezialkurs zur Einführung in die Christliche Archäologie, der allen Interessierten offensteht, waren es im gleichen Zeitraum 45.

Spezialkurse für christliche Archäologie

Wer sich in die Archäologie, nicht zuletzt die christliche, vertiefen will, für den ist Rom und sein Umfeld vom antiken Ostia bis zu den Ausgrabungen etruskischer Siedlungen ein Mekka. Das war die Intuition von Pius XI.

Noch heute pflegt der Vatikan sein Archäologisches Institut, wie Rektor Heid versichert. Dem allgemeinen Sparzwang unterliegt man nicht, Personal gibt es nicht abzubauen, auch wenn man, so Heid, die zuständige Vatikanbehörde, die Bildungskongregation unter Kardinal Giuseppe Versaldi, nicht mit allzu großen finanziellen Wünschen konfrontiert. Schließlich habe man mit den Studiengebühren und dem Verkauf eigener Publikationen auch Einnahmen. Als Ausdruck der Wertschätzung hat der Vatikan in der Zeit um den Pontifikatswechsel von Benedikt XVI. zu Franziskus herum den „Palazzo“ des PIAC generalsaniert.

Institut mit außenpolitischer Bedeutung für den Heiligen Stuhl

Allerdings hat das Wohlwollen des Vatikans einen besonderen Grund. Das PIAC hat nicht nur fachliche Bedeutung, sondern auch diplomatische: Zum Beispiel führt es Ausgrabungen in Eritrea durch, wo sich Zeugnisse des afrikanischen Frühchristentums ans Licht bringen lassen. Über das PIAC öffnet sich für den Vatikan ein kultureller Kanal in ein Land, mit dem man sonst nur schwer in Kontakt treten könnte. Zumal man bei den Ausgrabungen – ganz im Sinne von Papst Franziskus – auch etwas für die Ärmsten des Landes tun kann, die als Mitarbeiter bei den Grabungsarbeiten ihren Lohn bekommen.

Allen offen steht der Jahreskurs zur Einführung in die Christliche Archäologie. Er kostet 300 Euro und findet in der Zeit von November bis März jeweils am Samstagvormittag statt – ideal also für jemanden, den es für diesen Zeitraum aus anderen Gründen nach Rom verschlagen hat. Das dreijährige Aufbaustudium, das in der Regel mit dem Doktorat abgeschlossen wird, kostet pro akademisches Jahr 1 500 Euro. Es bietet sich für Theologen, Historiker, Archäologen oder Kunsthistoriker an, die– als Laien oder Kleriker, im staatlichen oder im kirchlichen Bereich – als Kuratoren, Fachpersonal an Museen und Spezialbibliotheken, beim Denkmalschutz oder in archäologischen Parks arbeiten beziehungsweise eine akademische Laufbahn einschlagen wollen. Vorlesungen und Seminare, die beim Aufbaustudiengang wie beim Einführungskurs mit Besichtigungen und Grabungen verbunden sind, behandeln Themen der Geschichte der Archäologie, der frühchristlichen Liturgie, der Katakomben, der Topografie, der Bildkunst, Kirchenarchitektur, Epigrafik und Museumskunde.

Die Einschreibungen für das Propädeutische Jahr vor dem Aufbaustudiengang Christliche Archäologie im akademischen Jahr 2020/2021 sind vom 7. September bis 6. Oktober 2020 möglich, die für den einjährigen Spezialkurs zur Einführung in die Christliche Archäologie 2020/2021 vom 1. Oktober bis zum 5. November 2020. Kontakt: segreteria@pic.it. Homepage: www.piac.it