Berlin/Frankfurt a. M./Dortmund/Ludwigshafen/München

Die Protagonisten des Synodalen Wegs

Welche Synodalen machten bei den Regionenkonferenzen besonders auf sich aufmerksam? Die Tagespost porträtiert fünf Protagonisten, darunter bekannte und unbekanntere Namen, die den strittigen Geist des Synodalen Wegs verkörpern.

Vorstellung der wichtigsten Protagonisten des Synodalen Wegs
Die Tagespost stellt die wichtigsten Protagonisten des Synodalen Wegs vor. Foto: Besim Mazhiqi

Georg Bätzing

Georg Bätzing
Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Foto: Harald Oppitz (KNA)

Der neue Vorsitzende der deutschen Bischöfe grenzt sich durch Verbindlichkeit deutlich von seinem Vorgänger ab. Bei der Frankfurter Regionalkonferenz zeigte sich jedoch, dass eine Kurskorrektur des Synodalen Wegs von Bischof Georg Bätzing nicht zu erwarten ist. Mit der Forderung nach "sauberer Theologie" solidarisierte er sich zwar formal mit seinem Regensburger Mitbruder Bischof Voderholzer. Doch trieb seine These, Sakramentalität und Ämterstruktur hätten sich "selbstverständlich" nach Ostern durch die Kirche entwickelt   und das sei "ja genau unser Potenzial, das wir ausschöpfen können", einen Keil in die Versammlung. Nicht zuletzt ist das vom Vorsitzenden bejahte Votum des Ökumenischen Arbeitskreises zur Kommuniongemeinschaft auf Widerspruch gestoßen. Insofern trübt Bätzings Ankündigung, beim Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt werde es eine neue Form der konfessionsübergreifenden liturgischen Mahlgemeinschaft geben, die sich an dem umstrittenen Votum orientiert, langfristig die Aussichten auf Befriedung des Synodalen Wegs.  Regina Einig

Jan Hilkenbach

Regionenkonferenz Synodaler Weg
Regionenkonferenz des Synodalen Weges am 4. September 2020 in Dortmund +++ © Synodaler Weg/Besim Mazhiqi Foto: Besim Mazhiqi

Jan Hilkenbach gehört zu den jüngeren Stimmen des Synodalen Wegs. Er vertritt das Diözesankomitee des Erzbistums Paderborn in der Versammlung. Der 28-jährige Sozial- und Politikwissenschaftler stammt aus dem sauerländischen Brilon. Er ist seit 2018 hauptamtlicher Diözesanvorsitzender des BDKJ. Seine Wurzeln in der Jugendverbandsarbeit hat er in der Marianischen Sodalität Brilon und in der KJG. "Während der Corona-Pandemie erlebe ich unsere Kirche zu leise", kritisiert er beim Regionenforum des Synodalen Wegs in Dortmund. Dabei habe sie doch eigentlich gerade in einer solchen Krisensituation mit ihrem Engagement im sozialen Bereich und mit ihrem Wertekanon der Katholischen Soziallehre so viel zu sagen. Seiner Auffassung nach sollte Kirche nicht permanent auf den Mainstream schauen und sich an ihm ausrichten. "Kirche muss aber in der Lebensrealität der Menschen erfahrbar bleiben", betont er. Es müsse Anknüpfungsmöglichkeiten in der persönlichen Lebensführung zur Lehre der Kirche geben. Die kirchliche Lehre sieht er als veränderbar an. Für ihn gilt es, die Menschen mit der Frohen Botschaft zu erreichen.  Heinrich Wullhorst

Julia Knop

Julia Knop
Die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Zum Synodalen Weg halten sich die meisten ihrer Zunft meist vornehm zurück. Nicht so die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop, die mit zusehends schrillen Äußerungen den Lauf des Synodalen Wegs anzutreiben sucht. Bereits seit der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Lingen im Frühjahr 2019 stellte sie sich an die Spitze der Reformeiferer. Auch in Berlin legte Knop vor. Es gehe nicht an, lediglich "begründete Handlungsoptionen" zum Abschluss des Synodalen Wegs zu formulieren. "Optionen" seien zu soft, vielmehr seien Handlungsaufträge nach Rom zu senden. Man müsse forsch auftreten. Aber auch an die Adresse der Foren des Synodalen Wegs sparte sie nicht an Kritik. Der Text zur Rolle der Frau klänge streckenweise nach Inklusionsbedarf, so Knop. Doch ihre Forderung, Minderheitenvoten, wie sie Eingang in die Vorlage zur Reform der Sexualmoral fanden, in den Endtexten zu ignorieren, stieß auf Widerstand auch in der Reformpartei. Der Berliner Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl erinnerte Knop denn auch an die  theologische  Qualität von Synodalität. Es gehe um einen möglichst vielfältigen Konsens, der am Ende des synodalen Prozesses stehen müsste.  Simon Kajan

Katrin Brockmöller

Katrin Brockmöller
Katrin Brockmöller, Direktorin des Katholischen Bibelwerks. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Den Glauben auch mal quer denken   das könnte ihr Leitsatz sein. Und vor allem Experimente wagen, wie dieses: Katrin Brockmöller, Direktorin des Katholischen Bibelwerks, erzählt von einer Freundin, die mit ihrem Mann zusammen eine heilige Messe am Bildschirm verfolgt, sie haben Brot und Wein zu Hause und reichen sich gegenseitig die Kommunion. Das ist Flower-Power-Aufbruch innerhalb der Kirche, Katrin Brockmöller ist begeistert: "Da ist so eine Selbstverständlichkeit und Freiheit drin... In ihrer Paarbeziehung haben die einen ganz eigenen Weg gefunden, ihren Gottesdienst zu feiern." Die Geistlichen im Raum lauschen ihren Worten wie einem Musikstück, das noch nicht richtig einzuordnen ist, aber jedenfalls keinen falschen Ton erkennen lässt. Toleranz ist eben sehr dehnbar, auch solche Bemerkungen von Seiten der promovierten Bibelkennerin gehen unwidersprochen durch: "Ich fand den Satz ganz faszinierend: ,Die Bibel gibt uns Orientierung.  Wir sollten immer darauf gucken, was wir mit der Bibel machen   damit kann man ja auch totschlagen."  Esther von Krosigk

Rudolf Voderholzer

Bischof Voderholzer
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Foto: Armin Weigel (dpa)

Er ist einer der polarisierendsten deutschen Kirchenvertreter aktuell. Das liegt weniger an seinen kontroversen Aussagen, als vielmehr daran, dass der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer die kirchliche Lehre hochhält. Der 61-Jährige, der 2013 zum Bischof geweiht wurde, sieht in der kirchlichen Lehre und Tradition nicht unnötigen Ballast, sondern die Grundlage für Glaube und Verkündigung. Auch bei der Münchner Regionalkonferenz des Synodalen Weges positionierte sich der Regensburger Oberhirte klar und meldete sich oft zu Wort. Schon im September 2019 verfasste Voderholzer eine persönliche Erklärung und formulierte klar: "Ich gehe davon aus, dass der Dialog angesichts meines Wahrheitsgewissens mich eher in die Situation bringen wird, Zeugnis zu geben und zu ermahnen, sei es gelegen oder ungelegen. Ich habe darüber hinaus allein zwei Mal vor dem heutigen Vorsitzenden der DBK feierlich versprochen, den katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen".  Johannes Wieczorek

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