Rom

Historiker de Mattei zu Viganò-Aufruf: Bischöfe sollen Kompetenz nicht überschreiten

Man könne den Umgang der Kirche mit den Verboten öffentlicher Messfeiern durchaus kritisch sehen, meint Roberto de Mattei, einer der führenden italienischen Traditionalisten - Bischöfe hätten jedoch nicht die Autorität, sich zu wissenschaftlichen Aspekten des Virus zu äußern.

Historiker di Mattei zu Viganò-Appell
Für zulässig hält es die Mattei, wenn Laien gemäß ihrer spezifischen Kompetenz einschreiten, um politische, wirtschaftliche und soziale Maßnahmen der einzelnen Regierungen während der Pandemie zu befürworten oder zu kritisieren. Foto: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)

In der Debatte um den von Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò unterzeichneten Aufruf zur Coronavirus-Pandemie kritisiert Roberto de Mattei, Historiker und einer der führenden italienischen Traditionalisten, dass sich Bischöfe zu Themen äußerten, die außerhalb ihres Fachgebiets lägen. Gegenüber der Tagespost erklärte der Gründer traditionalistischer Zeitschriften und Medien sowie der international vernetzten Lepanto-Stiftung, dass man den Umgang der Kirche mit den Verboten öffentlicher Messfeiern und der Sakramentenspendung während der Pandemie durchaus kritisch sehen könne. Es mache ihn jedoch perplex, wenn sich „Bischöfe auf dem Feld der gesundheitlichen Maßnahmen äußern, die von den Regierungen ergriffen wurden, da dies ihr Fachgebiet überschreitet, was ja ein theologisches oder moralisches ist“.

Kompetente Laien sollen sich kritisch äußern

Kirchliche Amtsträger hätten nicht die Autorität zu behaupten, so de Mattei weiter, dass das Coronavirus ein erdachtes Virus sei. „Oder dass von ihm keine Gefahr ausgeht, wenn es denn doch existiert; oder dass man dem Virus weder mit Quarantäne-Maßnahmen begegnen sollte, wie es einige Länder tun, noch mit Überwachungsmaßnahmen, wie es andere tun, da diese Maßnahmen gegen die persönliche Freiheit verstoßen würden.“

Der von Kardinälen, Bischöfen und katholischen Laien unterzeichnete Text „Veritas liberabit vos“, in dem die Einschränkung fundamentaler Freiheiten im Zuge der Corona-Bekämpfung kritisiert und vor Panikmache gewarnt wird, war am Donnerstag in mehreren Sprachen veröffentlicht worden. Seitdem distanzierten sich mehrere deutsche Bischöfe und katholische Laien von dem Appell.

Für zulässig hält es der Historiker hingegen, wenn Laien gemäß ihrer spezifischen Kompetenz einschreiten, um politische, wirtschaftliche und soziale Maßnahmen der einzelnen Regierungen während der Pandemie zu befürworten oder zu kritisieren. Es sei durchaus legitim, wenn kompetente Laien diskutierten, ohne jedoch ihre Meinung zu dogmatisieren, „denn die Wissenschaft der Medizin basiert weder auf göttlicher Offenbarung noch auf dem Naturrecht“.

Wissenschaft der Medizin ist keine göttliche Offenbarung

Kritisch äußerte sich in Deutschland etwa der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer: Er erklärte, er mache sich die Worte des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, „ausdrücklich zu eigen“. Bätzing hatte am Samstag gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) erklärt: „Die Deutsche Bischofskonferenz kommentiert grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands. Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz grundlegend von dem gestern veröffentlichten Aufruf unterscheidet.“ Auch der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Fürst, der Magdeburger Bischof Feige, der Hamburger Bischof Heße und der Essener Bischof Overbeck distanzierten sich ausdrücklich.

In dem „Aufruf für die Kirche und für die Welt an Katholiken und alle Menschen guten Willens“ warnen die Unterzeichneten vor Panikmache angesichts der Coronakrise. Unter dem Vorwand der Covid-19-Epidemie würden in vielen Fällen unveräußerliche Rechte der Bürger verletzt und ihre Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit, so das Papier. Wörtlich heißt es im Aufruf: „Diese illiberalen Steuerungsversuche sind der beunruhigender Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht.“

DT/mlu

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