IM BLICKPUNKT

Das Zentralkomitee, seine Wahlen und sein Zweck

Das Zentralkomitee wird als offizielle Vertretung der Laien angesehen. Mit der jetzt erfolgten Zuwahl wird auch Programm gemacht. Es muss sich zeigen, ob das Gremium seinen vom jüngsten Konzil definierten Auftrag erfüllt.

Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg (l), begrüßt die Delegierten im November 2016 zu einer Vollversammlung. Neben ihm sitzt der Generalsekretär des ZdK, Stefan Vesper. Foto: Federico Gambarini (dpa)

Die Kirche ist keine Demokratie. Das zeigt sich auch beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken. In homöopathischer Potenz kommt eine Stimme, die bei Wahlen zu einem Pfarrgemeinderat abgegeben wurde, im Zentralkomitee der deutschen Katholiken an.

Einzelpersönlichkeiten dürfen in Spannung zur Lehre der Kirche stehen

Drei Vertreter entsendet jeder Diözesanrat einer deutschen Diözese in das oberste Laiengremium. Dazu kommen je drei Vertreter des Katholikenrates beim katholischen Militärbischof und des Bundespastoralrates der Katholiken anderer Muttersprache. Ähnlich verhält es sich mit den Vertretern der Verbände. Diese werden von den Versammlungen delegiert. Damit ist im Zentralkomitee mit 87 Vertretern der Diözesen und 97 Verbandsvertretern unbestreitbar die Basis der in Verbänden und Gremien aktiven Laien in der katholischen Kirche in Deutschland dominiert. Diese treten kaum einmal ins Licht der Öffentlichkeit.

Aufmerksamkeit erregt allerdings eine andere Gruppe im ZdK. Die Öffentlichkeit nimmt vorwiegend die bis zu 45 hinzugewählten Einzelpersönlichkeiten wahr.
Die hinzugewählten Mitglieder sind häufig Prominente. Es überwiegen die Berufsgruppen Politiker, Professoren und Journalisten. Gelegentlich ist ein Ordensmitglied darunter. Wer als Einzelpersönlichkeit hinzugewählt werden will, darf gerne in Spannung zur Lehre der Kirche stehen. Ein Hindernis stellt das nicht dar.

Zuwahl neuer Mitglieder

So wurde jüngst Schwester Philippa Rath OSB hinzugewählt, die sich nachhaltig für die Weihe von Frauen zu Priesterinnen einsetzt, was alle Päpste bisher für unmöglich erklärt haben und die Glaubenskongregation sogar für Glaubensgut der Kirche erklärt hat. Ähnliches gilt für Katharina Norpoth, die sich seinerzeit dezidiert gegen eine römische Instruktion aussprach, in der die Kleruskongregation eine geteilte Gemeindeleitung zwischen Geweihten und Laien eine Absage erteilt hatte. Spannend ist die Frage, warum ein Priester als Mitglied in das höchste Organ der Laienvertretung in Deutschland gewählt worden ist. Mit seiner Priesterweihe gehört Pater Hagenkord SJ ohne jeden Zweifel dem Klerus an und ist kein Laie mehr. Vor einigen Jahren hätte man sich gegen einen solchen Akt, einen Priester zum Superlaien zu machen, im Zentralkomitee noch entschieden gewehrt. Dass diese Zuwahl einen Hauch Klerikalismus atmet, wird man auch heute kaum bestreiten können.

Dass eine amtierende Ministerin dem Gremium angehört, ist keine Premiere. Wie sich eine Verteidigungsministerin mit der Friedensethik des Zentralkomitees verträgt, wird sich zeigen müssen. Allen Zugewählten gemeinsam darf die Frage gestellt werden, wie sie künftig am Apostolat der Kirche teilnehmen wollen. Nach der turnusgemäßen Zuwahl der neuen Mitglieder hat das Zentralkomitee wieder seine volle Stärke von 230 Personen, die in dieser Gruppe von den deutschen Bischöfen als „Die Vertreter“ der katholischen Laien in Deutschland angesehen werden. Die Grundlage für diese Anerkennung ist das Konzilsdekret Apostolicam Actuositatem über das Laienapostolat, welches in Nr. 26 die Einrichtung von beratenden Gremien, die die apostolische Tätigkeit der Kirche unter anderem im Bereich der Evangelisierung und Heiligung, aber auch in sozialer Hinsicht neben der Pfarrei- und Diözesanebene auch auf nationaler Ebene anregt.

Allein die Absicht der Konzilsväter sollte Handelsgrundlage sein

Vor jedem Urteil, welches Beschlüsse oder Handlungen des ZdK einordnen will, sollte allein die Absicht, mit der die Konzilsväter derartige Laienvertretungen eingerichtet haben, der Maßstab der Bewertung sein. Es sollte allerdings auch dies und nur dies die Grundlage allen Handelns des ZdK sein.

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