Karsamstag

Das Schweigen Gottes

Karsamstag ist Gott begraben. Die Jünger erfahren das Schweigen des Herrn an diesem Tag.

Heiliges Grab in der St. Afra Kirche in Berlin Wedding.
"Jeder Karsamstag in unserem Leben ist in Wirklichkeit eine optische Täuschung!" Im Bild: Heiliges Grab in der St. Afra Kirche in Berlin Wedding. Foto: Imago images

Der Karsamstag ist der Tag des göttlichen Schweigens. Mit dem Tod des Herrn ist für die Jünger eine Welt zusammengebrochen. Alle ihre Erwartungen sind enttäuscht. Ihre Hoffnung ist zerstört. Wie sehr diese Hoffnungslosigkeit sie im Griff hat, ersehen wir aus der Szene mit den Emmausjüngern: Selbst das Zeugnis der Frauen, die das leere Grab und die Engel gesehen haben, kann sie nicht aus ihrer Hoffnungslosigkeit herausreißen. Zu tief hat sich die Enttäuschung in ihre Seele eingegraben.

Gott ist begraben

Karsamstag ist der Tag, an dem Gott begraben ist. Er schweigt. Er lässt die Jünger in ihrer Hoffnungslosigkeit allein. Kein Sterbenswörtchen dringt an ihr Ohr, kein Lebenszeichen gibt es, das sie aufrichten könnte. Sie fühlen sich verlassen und verloren. Wie sehr hatten sie alle ihre Hoffnung auf Den gesetzt, um dessentwillen sie alles verlassen haben, um Ihm nachzufolgen! Doch nun hat ihre Nachfolge in diesem Desaster geendet. Endstation Traurigkeit. So sehr sie vorher in der Gegenwart des Herrn die Nähe Gottes erfahren haben, so sehr leiden sie jetzt unter seiner Abwesenheit. Wäre es da nicht besser gewesen, nie diesem Jesus begegnet zu sein?

Das Schweigen Gottes

Auch wir leiden manchmal unter dem Schweigen Gottes. Wie oft werden wir von einem Karsamstag heimgesucht, sei es aufgrund von Ereignissen in unserem persönlichen Leben, sei es aufgrund von Entwicklungen in Kirche oder Gesellschaft, mit denen wir nie gerechnet haben. Es ist anders gekommen, als wir uns vorstellten. Unsere Hoffnungen sind zerstört. Und Gott schweigt. Wir fühlen uns allein gelassen.

Aber: Es kann dann vorkommen, dass wir den Karsamstag länger fühlen, als er in Wirklichkeit andauert. Für die Emmausjünger dauerte die Karsamstagsphase selbst dann noch an, als Jesus schon auferstanden war. Sie hatten Ostern verpasst!

Ostern verpassen

So mag es auch uns gehen. Wir fühlen uns verloren, dabei ist Gott schon längst am Werk, nur wir merken es noch nicht! Die Wende ist schon da, aber wir sehen sie nicht. Egal was uns widerfährt: Wir müssen nicht fürchten, dass Ostern ausfällt. Wir müssen nur fürchten, es zu verpassen.

Ja noch mehr: Jeder Karsamstag in unserem Leben ist in Wirklichkeit eine optische Täuschung! Schon an jenem historischen Karsamstag, als Jesus im Grabe lag, war das Karsamstagsfeeling der Jünger eine Täuschung. Sie täuschten sich über die wahre Situation. Es war gar nicht so, wie es zu sein schien: Während sie mutlos auf Erden zurückblieben, stieg die Seele Jesu in die Vorhölle hinab, um den dort wartenden Seelen die Erlösung zu verkünden. Während diese in triumphierenden Jubel ausbrachen, weil sie den wahren Sachverhalt kennenlernten, verloren die Jünger die Hoffnung, weil sie sich vom täuschenden Augenschein überlisten ließen.

Alles unter Kontrolle

Gott unterliegt im Kampf zwischen Licht und Finsternis keine Sekunde. Er hat alles in jedem Augenblick unter Kontrolle. Sein Schweigen bezeugt nicht sein Scheitern, sondern verhüllt nur sein Wirken. Diese Verhüllung dient dazu, unseren Glauben wertvoll zu machen - wie bei der Muttergottes. Sie hatte im Gegensatz zu den Jüngern trotz des unfassbaren Schmerzes über den Tod ihres Sohnes nie die Hoffnung aufgegeben. In ihrem Herzen überlebte die Hoffnung den Karsamstag.

Wenn wir wie Maria mit dem Herrn durch unbedingtes Vertrauen verbunden bleiben, dann gibt es für uns im Leben zwar Karsamstage, die sich so anfühlen, aber keine, die es wirklich sind. Gott schweigt zwar, aber wir wissen: Er ist nicht abwesend. “Denen die Gott lieben, gereicht alles zum Guten.” Für Gottliebende ist in ihrem Herzen immer Ostern, selbst am Karsamstag.

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