Regensburg

Benedikt XVI. in Deutschland: Eine Reise in die Vergangenheit

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. kommt nach Regensburg, um von seinem schwerkranken Bruder Abschied zu nehmen. Die Reise wird aber auch zum Abschied von seiner bayerischen Heimat.

Papst Benedikt beendet seinen Bayernaufenthalt
Sichtlich bewegt hat der emeritierte Papst am Montag seinen Bayernaufenthalt beendet. Foto: Sven Hoppe (dpa-Pool)

So spontan hat man im Bistum Regensburg noch nie einen Papst-Besuch organisiert. Doch das Fazit fiel durchweg positiv aus. Zwar sei die überraschende Visite des emeritierten Papstes Benedikt XVI. in Bayern „unvorhergesehen und für alle Beteiligten herausfordernd“ gewesen, so der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Er sprach aber auch von einem „hervorragend verlaufenen“ und „hoch emotionalem“ Besuch. Sowohl für Benedikt wie auch für seinen schwerkranker Bruder Georg Ratzinger, von dem sich der Emeritus unbedingt persönlich verabschieden wollte, sei die Begegnung „sehr aufbauend und stärkend“ gewesen. Der Theologe und stellvertretende Direktor des Regensburger Instituts Papst Benedikt XVI., Christian Schaller, sprach gegenüber der Tagespost von einer „Kraftquelle für beide Brüder“. Durch den Besuch wichtiger Stationen seines Lebens in Bayern sei die Reise auch ein berührender „Gang in die eigene Biografie“ gewesen.

Anhaltend hoher Stellenwert seiner Person

Seit Montag ist der emeritierte Papst wieder zurück im Vatikan. Neben Voderholzer verabschiedete auch der bayerische Ministerpräsidenten Markus Söder den sichtlich zufrieden wirkenden Emeritus am Münchner Flughafen vor der Rückkehr nach Rom – ein Zeichen des anhaltend hohen Stellenwerts seine Person in Deutschland, insbesondere in Bayern. Der Journalist und Benedikt-Biograf Peter Seewald sprach sogar von einem Beweis für den geschichtlichen Stellenwert Benedikts.

Auch über dessen Kräfte wurde in den vergangenen Tagen viel diskutiert. Mit seinen 93 Jahren ist er nun nahezu ausschließlich auf den Rollstuhl angewiesen, schien die Beschwerlichkeiten der Reise aber gut wegzustecken. Auch wenn die Tage in Regensburg mit körperlichen Strapazen verbunden gewesen seien, wie Schaller bestätigte. „Das hat ihn schon angestrengt.“ Man habe aber auch wahrnehmen können, wie Benedikt regelrecht aufgeblüht sei: „Seine Stimme ist zeitweise deutlich klarer geworden.“ Keine Frage, im Vordergrund stand für Benedikt die Begegnung mit seinem Bruder, dessen Gesundheitszustand sich zuletzt massiv verschlechtert hatte. Zweimal täglich besuchte er Georg Ratzinger in dessen Wohnhaus in der Regensburger Luzengasse; mehrmals feierte er mit dem drei Jahre älteren Bruder die heilige Messe, unter anderem am Herz-Jesu-Fest vergangenen Freitag. Insgesamt neun Mal trafen die Brüder zusammen. Beobachter berichteten aber auch, dass Benedikt getrieben war von der Sehnsucht nach der geliebten bayerischen Heimat, deren Kultur und Traditionen er so sehr schätzt, und die ihm im Vatikan mit zunehmender Zeit immer mehr fehlten.

Er hat nicht mit seinen kulinarischen Vorlieben gebrochen

Offenbar hat der Emeritus nicht mit seinen kulinarischen Vorlieben gebrochen. Mehlspeisen gehörten noch immer zu seinen Lieblingsgerichten, verriet der Regensburger Bistumssprecher Clemens Neck der Tagespost. Ein „Kracherl“, wie die regionale Bezeichnung für gelbe Limonade lautet, Apfelstrudel und Brezen standen genauso selbstverständlich auf dem Speiseplan.

Am Samstag kehrte Benedikt dann in sein ehemaliges Wohnhaus im Regensburger Vorort Pentling zurück. Die alten Familienporträts dort hätten ihn besonders bewegt, so Schaller, dessen Institut das Haus verwaltet, das von 1970 bis 1977 der private Wohnsitz Joseph Ratzingers war. Sein letzter Besuch dort liegt 14 Jahre zurück – 2006, während seiner Deutschlandreise als Papst. Auch im Garten des Hauses verweilte Benedikt. Und er lobte das Ehepaar Therese und Rupert Hofbauer, das für den Garten verantwortlich ist, für den gepflegten Zustand. Zuvor hatte er bereits am Grab seiner Eltern und seiner Schwester auf dem Friedhof Regensburg-Ziegetsdorf gebetet.

Ebenfalls am Samstag traf auch der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovíc, in Regensburg ein. Sein Eindruck vom emeritierten Papst war ebenfalls ein positiver: Er fühle sich gut in Regensburg und könne sich dank dem Bischof, seinen Mitarbeitern und den Katholiken in Regensburg wie zuhause fühlen. „Es ist eine Ehre, den emeritierten Papst noch einmal in Deutschland zu begrüßen, selbst in dieser nicht einfachen familiären Situation“, so Eterovíc.

Für Diskussionen sorgten die Fotos Benedikts

Auf welch reges Interesse der emeritierte Papst in seiner Heimat noch immer stößt, konnte man auch an den zahlreichen Menschen erkennen, die jubelnd am Straßenrand verfolgten, wie Benedikt in dem weißen Kleinbus mit der „Malteser“-Aufschrift durch die Regensburger Altstadt chauffiert wurde – natürlich auch stets begleitet von einer Traube aus Presse- und Medienvertretern. Das Bistum Regensburg hatte stets ausdrücklich auf den privaten Charakter der Reise hingewiesen. Doch dürfte auch den Verantwortlichen im Bistum klar gewesen sein, dass ein deutscher Papst, der nach vielen Jahren in seine Heimat zurückkehrt, auf große öffentliche Resonanz stößt.

Für Diskussionen sorgten die zahlreichen Fotos des Emeritus, die während seines Besuchs veröffentlicht wurden. Darauf sieht man Benedikt im Rollstuhl, sichtlich gebrechlich, aber auch glücklich lächelnd. In den sozialen Netzen wurde dies von einigen Nutzern als geschmacklos gewertet. Christian Schaller stört sich jedoch nicht an den Aufnahmen, wie er gegenüber dieser Zeitung erklärte. Benedikt sei aus der Distanz zu sehen, in einem öffentlichen Rahmen. „Man kann ihn ja nicht völlig abschirmen, und das ist auch nicht notwendig“, so Schaller. Man sehe zwar einen alten, aber einen glücklichen Mann. „Benedikt spricht sehr viel über die Augen – und man sieht ihm an den Augen an, dass Freude da war.“ Der Regensburger Bischof bedankte sich sogar ausdrücklich bei den Presse- und Medienvertretern. Diese hätten „zurückhaltend“ berichtet und dazu beigetragen, dass die im Kern private Reise auch eine private bleiben konnte.

War es wirklich sein letzter Besuch?

Kurzzeitig war medial auch spekuliert worden, ob der Benedikt möglicherweise sogar auf Dauer in Regensburg bleiben könne. Eine Vermutung, die zumindest unter dem Gesichtspunkt der starken Heimatverbundenheit nicht völlig abwegig erschien. Und niemand konnte anfangs wissen, wie der emeritierte Papst die Strapazen der ersten Auslandsreise nach seinem Rücktritt vom Papstthron verkraften würde. Das Bistum Regensburg schob jeglichen Spekulationen jedoch einen Riegel vor. „Das Thema einer dauerhaften Rückkehr nach Deutschland wurde bereits beim Rücktritt Benedikts diskutiert“, so Bistumssprecher Neck gegenüber der Tagespost. Ein emeritierter Papst gehöre in den Vatikan.

Offen bleibt die Frage, ob es tatsächlich der letzte Besuch Benedikts in Deutschland gewesen ist. Der stellvertretende Benedikt-Institutsdirektor Schaller meint hierzu: Stand heute könne er keine Aussage treffen. Für Überraschungen sei der Emeritus aber gut, wie sich nun gezeigt habe. Und auch Papst-Biograf Peter Seewald teilt diese Einschätzung: „Bei Joseph Ratzinger, der immer wieder Dinge tat, die sich noch niemand vor ihm getraute, sind Überraschungen nie auszuschließen.“

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