Würzburg

Auch die evangelische Kirche leidet unter mangelndem Pfarrernachwuchs

Der „Pfarrermangel“ ist längst kein rein katholisches Phänomen mehr. Das zeigt der Blick auf die evangelische Landeskirche: Trotz der Zulassung von Frauen zur Ordination hat sie ihr Nachwuchsproblem nicht gelöst.

Nachwuchsmangel bei envangelischer Kirche
Die Zahl der Ordinationen ist in der EKD zwischen 1994 und 2016 von 975 um gut zwei Drittel auf 322 gefallen, während die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder im gleichen Zeitraum lediglich um 22 Prozent von 28,2 auf 21,9 Millionen sank. Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild)

Zu den populären Thesen nördlich der Alpen gehört die Annahme, die evangelischen Landeskirchen hätten durch die Zulassung von Frauen zu Ordinationen das Problem des Pfarrer-Nachwuchsmangels gelöst. Ein Blick auf die Statistik zeigt allerdings, dass dem nicht so ist.

Zwar liegt die Zahl der Ordinationen der evangelischen Landeskirchen um circa ein Vierfaches über der Zahl der Priesterweihen in den katholischen Diözesen Deutschlands. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass in einigen Landeskirchen auch Laien zu Vorstehern von Abendmahlsfeiern ordiniert werden, ohne dadurch im klassischen Sinne Pfarrer zu sein. Die Zahl der Ordinationen ist dabei zwischen 1994 und 2016 von 975 um gut zwei Drittel auf 322 gefallen.

Was den Pfarrermangel verschärft

Zum Vergleich: Im Jahr 1994 wurden in der Katholischen Kirche 214 Männer zu Priestern geweiht, 2016 waren es nur noch 77, das sind 64 Prozent weniger, während die Zahl der Kirchenmitglieder um 14 Prozent sank - von 27,5 auf 23,6 Millionen Katholiken. 

Wer nach Inhalten Ausschau hält, welche die beiden Kirchen mehr verbinden, als dass sie sie trennen, der ist in der Kirchen-Statistik genau richtig: Auch wenn die Ordinationszahlen noch deutlich über denen der Priesterweihen liegen, sind auch diese von einem Abwärtstrend gekennzeichnet und entwickeln sich im langfristigen Vergleich nahezu synchron.

Der "Pfarrermangel" ist längst kein rein katholisches Phänomen mehr und wird derzeit verschärft durch eine Vielzahl von Pfarrer-Pensionierungen. "Die Frage, wie wir auch künftig gut qualifizierte Menschen für die Arbeit in unserer Kirche gewinnen können, war in den letzten zehn Jahren prägend für kirchenleitende Grundentscheidungen", sagt Kirchenrätin Tabea Köbsch, Pressesprecherin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.  DT/reg

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