Freiburg/Berlin

Alte Messe: Kardinal Koch schlägt Synthese mit ordentlichem Ritus vor

Auf lange Sicht könne es nicht bei der Koexistenz von ordentlichem und außerordentlichem Ritus bleiben, meint der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch.

Der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch
"Es wäre zu wünschen, dass es in Zukunft zu einer Versöhnung der beiden Formen kommt", so Kardinal Koch in Bezug auf die Koexistenz von traditionellem und ordentlichem Ritus. Foto: Harald Oppitz

Der Schweizer Kurienkardinal und Liturgieexperte Kurt Koch schlägt in der Diskussion um eine weltweite Bischofsumfrage des Vatikan zur Verbreitung des traditionellen römischen Ritus eine „Synthese“ aus der ordentlichen und der außerordentlichen Messform vor. Gegenüber der „Herder Korrespondenz“ erklärte Koch: „Es wäre zu wünschen, dass es in Zukunft zu einer Versöhnung der beiden Formen kommt, so dass wir irgendwann statt zwei verschiedener nur noch eine Form als Synthese haben.“

Eucharistie "zentrale Feier der Einheit der Kirche"

Weiter erklärte der Ökumenebeauftragte von Papst Franziskus, dass es auf lange Sicht nicht bei der Koexistenz der beiden Formen bleiben könne. „Die Eucharistiefeier ist die zentrale Feier der Einheit der Kirche. Diese Bedeutung kann sie nicht haben, wenn es Streit und Auseinandersetzungen um sie gibt.“

Ende April hatte eine Umfrage der römischen Glaubenskongregation für Aufsehen gesorgt, die im Auftrag des Papstes 13 Jahre nach dem vom emeritierten Papst Benedikt XVI. veröffentlichten Motu proprio "Summorum Pontificum" die aktuelle Situation der „außerordentlichen Form“ des römischen Ritus erheben sollte. Darin fragte die Glaubenskongregationen die Bischöfe weltweit unter anderem nach der Situation in den Diözesen, der Observanz gegenüber den geltenden liturgischen Büchern und die Auswirkungen auf die erneuerte Liturgie.

Traditionalisten fürchten Einschränkung der "Alten Messe"

Während in traditionalistischen Kreisen spekuliert worden war, es drohe eine erneute Einschränkung der „Alten Messe“, erklärte Kardinal Koch, er verstehe das Anliegen das Papstes so, dass Franziskus eine tiefere Kenntnis der aktuellen Situation gewinnen wolle, um danach zu sehen, welche Wege in die Zukunft führten. Wann die von ihm angeregte Synthese von außerordentlicher und ordentlicher Form vollzogen werden könne, hänge jedoch nicht zuletzt von den Ergebnissen der Umfrage ab. 

Der Schweizer Kardinal nimmt damit den Wunsch nach einer „Reform der Reform“ auf, der zunächst von Benedikt XVI. in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation gefördert wurde. Damit sollte die Kontinuität zwischen der überlieferten und der erneuerten Form des römischen Ritus gestärkt werden. Nach dem Pontifikat Benedikt XVI. suchte der Präfekt der Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, die „Reform der Reform“ weiterzutreiben: Die Einfügung von Elementen der „außerordentlichen Form“ wie dem Stufengebet, den alten Opferungsgebeten und dem stillen Eucharistischen Hochgebet als optionale Formen standen dabei im Zentrum der Überlegungen.

Papst Franziskus erteilte diesen Wünschen bislang eine Absage. In seiner Ansprache anlässlich der 68. Liturgischen Woche in Italien im August 2017 bekäftigte er viel mehr „mit sicherem Gewissen und lehramtlicher Autorität“, dass „die liturgische Reform unumkehrbar“ sei: „Es geht nicht darum, die Reform noch einmal zu überdenken und ihre Entscheidungen zu korrigieren, sondern darum, die dahinterliegenden Gründe besser kennenzulernen, auch durch die historischen Dokumente, deren Leitgedanken zu verinnerlichen und die Regelungen zu befolgen.“

DT/mlu/ska

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