Münsterschwarzach

Zum 75. Geburtstag von Pater Anselm Grün

Esoteriker im Habit: Zum 75. Geburtstag des Bestsellerautors und Benediktiners Anselm Grün.

Benediktinerpater Anselm Grün
Benediktinerpater Anselm Grün. Foto: David Ebener (dpa)

Er ist Bestsellerautor, Vortragsredner, Betriebswirt, Benediktiner und sicher einer der bekanntesten Protagonisten des Katholizismus der letzten Jahrzehnte. Anselm Grün, der am 14. Januar seinen 75. Geburtstag feiert, hat ein Gespür für die Fragen der Zeit, für das, was die Menschen bewegt.

Leben und Wirken von Pater Anselm Grün

Geboren in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs wuchs er als viertes Kind eines Kaufmanns in der Nähe von München auf. Neben der ökonomischen erhielt Wilhelm Grün von Anfang an auch eine geistliche Prägung, denn mehrere Geschwister seiner Eltern waren Ordenschristen. Einen von ihnen erlebte Grün von seinem 13. Lebensjahr an aus der Nähe, denn Pater Sturmius war Benediktiner in der Abtei Münsterschwarzach, deren Internat Wilhelm besuchte. Das Leben der Mönche faszinierte ihn. Und so trat er 1964, gleich nach seinem Abitur am Würzburger Riemenschneider Gymnasium als Novize in die Abtei ein.

Sein Ordensname Anselm erinnert an den französisch-italienischen Benediktiner und Erzbischof von Canterbury zu dessen Kernsätzen „ich glaube, damit ich verstehe“ gehört und der in seiner Schrift „Cur deus homo“ Vernunftgründe dafür anführte, warum Gott Mensch wurde, um uns von der Erbsünde zu erlösen.

Das Vorbild seines Namenspatrons wirkte inspirierend

Offenbar wirkte das Vorbild seines Namenspatrons inspirierend, denn Grün promovierte nach seinem Studium der Philosophie und Theologie in St. Ottilien und Sant´ Anselmo in Rom über das Thema „Erlösung durch das Kreuz. Karl Rahners Beitrag zum heutigen Erlösungsverständnis. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Nürnberg vermittelte ihm die Grundlagen für seine spätere Tätigkeit als Cellerar von Münsterschwarzach. Von 1977 bis 2013 war er in dieser Funktion für die insgesamt 20 Betriebe der Abtei zuständig. Ein breites Spektrum, das vom Gymnasium über die Buchhandlung, Metzgerei, Bäckerei, Goldschmiede, Autowerkstatt bis zur Druckerei und dem Recollectio-Haus reichte.

Wie viele spirituell interessierte Menschen beschäftigte sich auch Anselm Grün von den 1970er Jahren an intensiv mit den Themen Meditation, Psychologie, Mystik und gruppendynamischen Prozessen. Die jungianische Psychologie wurde für ihn zum Interpretament der Theologie. Sein Axiom ist, dass nur derjenige Gott begegnen kann, der sich selbst begegnet.

Die Bücher von Pater Anselm Grün

Die Mischung aus niedrigschwelligem psychotherapeutischem Handwerkszeug und Themen, die spirituell Suchende ansprechen wurde zum Erfolgsrezept des Benediktiners, dessen Bücher weltweit bislang über 14 Millionen Mal verkauft wurden. Was viele Menschen anzieht, ist der freundliche, stets verbindliche Grundton der Bücher. Grün ist niemals angriffig und das breite Spektrum der Themen von „Eucharistie und Selbstwerdung“ über „Lebensmitte als geistliche Aufgabe“ bis zu „50 Engel für das Jahr“ erweckt den Eindruck, dass hier für jeden das richtige Rezept zu finden ist.

Schaut man sich die Inhalte näher an, wird jedoch deutlich, dass gerade die Mischung von psychotherapeutischen Methoden, christlicher Tradition und Elementen anderer Religionen problematisch ist. Denn hier wird oft unbewertet nebeneinandergestellt, was nicht zueinander gehört oder gar unvereinbar miteinander ist. Dabei wird nicht selten die Grenze zur Esoterik überschritten.

Mystik und Eros

In seinem Buch Mystik und Eros entfaltet Grün beispielsweise im zweiten Kapitel unter der Überschrift Mystik und transpersonale Psychologie die Ansätze von Ken Wilber und Roger Walsh. Mystische Erfahrungen werden hier „nicht nur als Weg zu Gott, sondern auch zur wahren Freiheit des Menschen“ beschrieben. Das klingt gut.

Was sich aber dahinter verbirgt ist das Wilbersche Konzept der Mystik als therapeutischer „Weg der Dis-Identifikation“. Eine buddhistische Methode, die in Grüns Buch ebenso uneingeschränkt empfohlen wird wie Carl Gustav Jungs Konzept der Heilung durch Zugang zum Numinosen, durch den man „vom Fluch der Krankheit erlöst“ wird.

Unterscheidung ist gefragt

Das aber ist nichts anderes als Selbsterlösung und es wird nicht gelingen. Obwohl Grün sich als Ordenschrist präsentiert, ist daher angesichts der offenkundigen Unschärferelation seiner Bücher die Gabe der Unterscheidung gefragt. Denn vieles von dem, was er schreibt, ist, wie die zitierten Beispiele deutlich machen, mit der katholischen Lehre schlicht nicht vereinbar und dementsprechend nicht zielführend. Im Nebel der Begriffe kann man leicht in die Irre gehen, etwa dann, wenn aus Engeln plötzlich statt selbstständigen geistigen Wesenheiten Bilder der Sehnsucht nach Hilfe und Heilung werden und jene Boten Gottes, vor denen Rainer Maria Rilke noch einen gesunden Respekt hatte, als Engel der Achtsamkeit ,des Risikos und des Aufbruchs allzu handzahm daherkommen.

Ähnlich problematisch ist es, wenn Grün hinsichtlich der Auferstehung freimütig bekennt: „Wir haben in unserer christlichen Tradition viele Bilder, die uns aufzeigen, was uns im Tod erwartet. Aber ich bin mir bewusst, dass dies nur Bilder sind. Letztlich kennen wir über den Tod und das ewige Leben nur in mythologischen Bilder sprechen“. Wirklich? Der Apostel Paulus ist da anderer Meinung: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, ist unserer Verkündigung leer.“ (1 Korinther 15, 14).

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