Klagenfurt

„Zeit der Irritationen“

Mit der Bischofsweihe von Josef Marketz endete am Sonntag in Kärnten eine turbulente Sedisvakanz.

Bischofsweihe in Kärnten
Nach 19 Monaten Sedisvakanz nahm Josef Marketz als neuer Diözesanbischof auf Klagenfurts Kathedra Platz. Foto: Diözese Gurk/Eggenberger

Der 64-jährige Kärntner Slowene Josef Marketz ist seit Sonntag 66. Bischof der mit Kärnten deckungsgleichen Diözese Gurk-Klagenfurt. Mit der Bischofsweihe des bisherigen Caritas-Direktors im Klagenfurter Dom ging eine 19 Monate lange, turbulente Sedisvakanz zu Ende. Marketz‘ Vorgänger als Bischof von Gurk-Klagenfurt, der heutige St. Pöltener Bischof Alois Schwarz, nahm nicht an der Bischofsweihe teil. Kontroversen um seine Amts- und Lebensführung hatten die Diözese seit Jahren, verschärft ab dem Eintritt der Sedisvakanz, in Atem gehalten und 2019 für eine Steigerung der Kirchenaustritte um 64 Prozent gesorgt.

Aufgewachsen in zweisprachiger Bauernfamilie

In Anwesenheit zahlreicher Bischöfe aus dem In- und Ausland legte der Metropolit, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, als Hauptkonsekrator Marketz die Hände auf. Lackner sprach von einer „Zeit der Irritationen, der echten Sorge um das Reich Gottes, aber auch des ehrlichen Bemühens“, die hinter der Kirche in Kärnten liege. Seine Bereitschaft zur Übernahme der mit dem Bischofsamt verbundenen Verpflichtungen bestätigte Marketz, der der slowenischen Volksgruppe Kärntens angehört, auf Deutsch und Slowenisch.

Der 1955 Geborene wuchs in einer zweisprachigen Bauernfamilie auf. Nach dem Theologiestudium in Salzburg und Ljubljana sowie Aufenthalten in Indien und Ecuador wurde Marketz 1982 zum Priester geweiht. Zehn Jahre später promovierte er beim Wiener Pastoralthologen Paul Zulehner. Marketz‘ 93-jähriger Vater und seine beiden Schwestern saßen bei der Weiheliturgie in einer vorderen Bankreihe.

"Auf der Kirche Europas lastet seit langem
der Schatten des Pessimismus"
Benno Elbs, Bischof von Vorarlberg

„Auf der Kirche Europas lastet seit langem der Schatten des Pessimismus“, meinte der Vorarlberger Bischof Benno Elbs in seiner Predigt. „All unser Tun schafft scheinbar keine Kehrtwende, und trotzdem müssen wir darauf achten, dass wir nicht der Häresie der Angst und des Pessimismus verfallen“. Elbs, der in der österreichischen Bischofskonferenz für die Caritas zuständig ist, mahnte den neuen Bischof von Kärnten: „Dein Ort als Bischof ist an der Seite der Armen und Einsamen.“ Darstellende Seelsorge bestehe in der liebenden Hinwendung zu den Menschen. „Nur die Veränderung der Herzen verändert auch die Welt.“

Dompropst Engelbert Guggenberger, der unter Bischof Schwarz Generalvikar war und als Diözesanadministrator für eine transparente Aufarbeitung der Ära Schwarz warb, sicherte dem neuen Bischof Unterstützung und Loyalität zu: insbesondere „auf dem Weg zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit, vor allem auch des Bischofsamtes“. Marketz wisse, was es brauche „damit alle zu dem Frieden finden, der eine Frucht der Gerechtigkeit ist“, so Guggenberger im Klagenfurter Dom.

DT/sba

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