Bonn

Wer folgt auf Marx?

Jünger soll der künftige Vorsitzende der deutschen Bischöfe sein, wünscht Reinhard Kardinal Marx. Jede Vorhersage ist reine Spekulation. Ein Blick auf jüngere Bischöfe mit Aussicht auf Erfolg.

Wer wird nächster DBK-Vorsitzender?
Wer ab der nächsten Woche die Deutsche Bischofskonferenz moderieren soll, braucht den Rückhalt seiner Mitbrüder. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Bischof Georg Bätzing

ist 58 Jahre alt und seit Juli 2016 Bischof von Limburg. Vorher war er Generalvikar im Bistum Trier und Regens im Priesterseminar in Trier sowie Leiter des Euchariuswerkes, einer Gebets- und Fördergemeinschaft für geistliche Berufe im Bistum Trier. Das Bistum Limburg hat konfliktreiche Jahre hinter sich. Nach der Kampagne gegen den inzwischen in Rom tätigen Bischof Tebartz-van Elst und der Apostolischen Administration unter Weihbischof Grothe gerät es langsam wieder in ruhige Fahrwasser. Dank der klugen Pastoralreformen in der Ära Tebartz-van Elst funktioniert die Neuordnung der Pfarreien ohne große Reibungsverluste. Bätzing gilt als volksnah. Der Bischof ist ein entschiedener Verfechter des Synodalen Weges der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Erzbischof Stephan Burger

ist 57 Jahre alt und seit Mai 2014 Erzbischof von Freiburg. Vorher war Burger Domkapitular am Freiburger Münster und Offizial am Kirchengericht der Erzdiözese Freiburg. Das Erzbistum Freiburg ist eines von zwei Bistümern in Baden-Württemberg und umfasst im Wesentlichen den badischen Landesteil. Es ist das Metropolitanbistum der Oberrheinischen Kirchenprovinz. Der Vorgänger Burgers, Erzbischof Robert Zollitsch, war bis zu seiner Emeritierung sechs Jahre Vorsitzender der DBK. Erzbischof Burger legt den Fokus seines Hirtendienstes auf moderate Reformprojekte in seinem Bistum, die das Glaubensleben fördern sollen. Das Bistum Freiburg strebt an, bis 2030 klimaneutral zu sein. Stephan Burger gilt als heimatverbunden und ist auch als Erzbischof vorwiegend Seelsorger geblieben.

Erzbischof Heiner Koch

ist 65 Jahre alt. Der früher Kölner Weihbischof war seit Januar 2013 Bischof von Dresden-Meißen. Seit Juni 2015 ist er Erzbischof von Berlin. Koch war Generalsekretär des Weltjugendtages. Sein Bischofssitz Berlin liegt in einer mit nur 9,5 Prozent Katholiken größten katholischen Städte Deutschlands. Den Streit um den Umbau der Hedwigskathedrale übernahm der Erzbischof von seinem Vorgänger. Stets bedroht von der nächsten Finanzkrise steht das Bistum zudem vor umfassenden pastoralen Reformen.

Bischof Peter Kohlgraf

ist 53 Jahre alt und seit April 2017 Bischof von Mainz. Zuvor war Kohlgraf Professor für Pastoraltheologie an der Katholischen Hochschule Mainz und Pfarrvikar in der Pfarrgruppe Wörrstadt in Rheinhessen. Das Bistum Mainz steht vor großen Herausforderungen. Wie in allen anderen Bistümern sind pastorale Reformen geplant. Unter dem Vorgänger Kardinal Lehmann waren diese nicht erfolgt. Drastische Umbauten der Strukturen sind nun geplant, weil die Zahl der Gläubigen schneller schrumpfe als die Gesamtbevölkerung, wie der Bischof in einem Interview betonte. Bischof Kohlgraf steht für umfangreiche und grundlegende Reformen. In der Vergangenheit hatte er sich unter anderem für alternative Zugänge zum Priestertum und einen fakultativen Zölibat ausgesprochen.

Bischof Franz-Josef Overbeck

ist 55 Jahre alt. Er ist seit Oktober 2009 Bischof von Essen. Der vormalige Weihbischof in Münster ist seit 2010 Vorsitzender der Bischöflichen Kommission Adveniat und damit Vorsitzender des „Bischöfliche Aktion Adveniat e.V.“ und hat hat seitdem zahlreiche Reisen nach Lateinamerika absolviert. Seit 2011 ist Overbeck zudem Militärbischof der Bundeswehr. Das Bistum Essen hat die bis dato radikalste Strukturreform vollzogen. Die Zahl der Pfarreien wurde auf 42 reduziert. Zahlreiche Kirchenschließungen machten Schlagzeilen.

Im Jahr 2017 wurde im Bistum selbst ganz offen dessen Auflösung diskutiert. Drastische Sparmaßnahmen und der wohl radikalste Personalabbau in einer deutschen Diözese ergänzen die Liste der innerdiözesanen Streitpunkte. Bischof Overbeck, der noch im Jahr 2010 Homosexualität als Sünde bezeichnete, plädiert inzwischen für eine moralische Neubewertung der Homosexualität.

Bischof Ulrich Neymeyr

Bischof Ulrich Neymeyr ist 62 Jahre alt und seit September 2014 Bischof von Erfurt. Vorher war er Weihbischof in Mainz. Davor war Neymeyr unter anderem Subregens und Ökonom des Priesterseminars in Mainz. Das Bistum Erfurt ist eines der jüngsten Bistümer in Deutschland. Es wurde 1994 aus dem vorherigen Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen zum Bistum erhoben. Das Bistum leidet in besonderer Weise unter dem demografischen Wandel. Die Zahl der Gläubigen sinkt beträchtlich. Das Bistum befindet sich in einem Strukturprozess, in dem die bis 2005 noch 120 Pfarreien auf am Ende 33 Pfarreien verringert werden. Abgesehen vom Eichsfeld ist das Bistum durchgehend von einer drastischen Diasporasituation geprägt. Bischof Neymeyr äußerte die Ansicht, er könne sich in Einzelfällen auch verheiratete Priester im Bistum Erfurt vorstellen.

Bischof Heinrich Timmerevers

ist 57 Jahre alt. Er ist seit April 2016 Bischof von Dresden-Meißen. Seit 2006 war er Weihbischof in Münster und Bischöflicher Offizial in Vechta; der Offizialatsbezirk Vechta ist der niedersächsische Teil des Bistums Münster. Das Bistum Dresden-Meißen ist eine der am dünnsten katholisch besiedelten Regionen in Deutschland. Diaspora heißt in Dresden-Meißen nicht nur Minderheit von Katholiken, sondern dramatische Minderheit von Christen in einer radikal säkularisierten Umwelt. Von Bischof Timmerevers, der der Fokolare-Gemeinschaft angehört, ist das folgende Bonmot überliefert: „Wenn Sie in Sachsen einen Menschen auf der Straße fragen: Sind sie katholisch oder evangelisch, sagt der vielleicht: weder noch. Ich bin normal.“

Bischof Karl-Heinz Wiesemann

ist 59 Jahre alt. Er ist seit Dezember 2007 Bischof von Speyer. Vorher war er seit 2002 Weihbischof in Paderborn. In der Zeit war er auch für die Fortbildung der Priester im Erzbistum Paderborn zuständig. Von 2011 bis 2016 war Bischof Wiesemann Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Das Bistum Speyer erprobt derzeit neue Leitungsstrukturen. Statt eines Pfarrers soll künftig unter Umständen ein Team aus Priestern, Angestellten und Ehrenamtlichen eine Pfarrei leiten. Im Bistum Speyer wurde ein „Visionsprozess Segensorte“ gestartet, der nach Aussage des Bistums ein gemeinsames Leitmotiv diözesanen Handelns zu entfalten sucht. Man wolle klären, wie man in Zukunft Kirche sein wolle. Bischof Wiesemann trat jüngst für die Weihe verheirateter Männer zu Priestern ein.

Bischof Heiner Wilmer SCJ

ist 58 Jahre alt und seit 2018 Bischof von Hildesheim. Vorher war Wilmer Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester und seit 2015 Generaloberer seines Ordens. Hildesheim ist ein Diasporabistum im Norden des Landes. Es umfasst den östlichen Teil von Niedersachsen und einen kleinen Teil von Bremen. Das Bistum Hildesheim zeigt dramatische Abnahmen von Katholikenzahlen. Ein Strukturprozess mit dem Namen Eckpunkte 2020 sah die Reduzierung der Pfarreien von 350 auf 125 vor. Der Glaubensschwund macht noch weitergehende Maßnahmen erforderlich. Bischof Wilmer machte von sich reden, indem er den sexuellen Missbrauch in der DNA der Kirche verortete. Den ehemaligen Priester Eugen Drewermann bezeichnete Wilmer als Propheten.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .