Rom

Weichenstellungen in Rom

Kurienreform, Amazonas-Synode und der "Synodale Weg": Die Augen aller richten sich auf Franziskus.

Entscheidende Wochen für Papst Franziskus
Der Papst, der auf Ferienzeit und Erholung ganz verzichtet, hat jetzt entscheidende Weichen zu stellen – für den Vatikan, für die Kirche in Deutschland und der ganzen Welt. Foto: Evandro Inetti (ZUMA Wire)

Als jetzt im Vatikan der Rat der sechs Kardinäle zusammentrat, stand nicht nur der Entwurf der Konstitution auf der Tagesordnung, die zukünftig die Arbeit der Römischen Kurie regeln soll. Es ist ein haariges Projekt. Das, was da in langjähriger Arbeit entstanden ist, wird von Fachleuten als schwaches, ja unausgegorenes Dokument bezeichnet. Papst Franziskus hat Ende Oktober vergangenen Jahres den Kirchenrechtsexperten Marco Mellino als beigeordneten Sekretär in den Rat berufen, um das Niveau des Sachverstands in der Runde zu erhöhen. Das hat der Entwurf von „Praedicate evangelium“, so der Arbeitstitel der Konstitution, auch bitter nötig.

Der Ton war verbindlich und brüderlich

Aber nicht nur das. Am Tisch saßen Franziskus und Kardinal Reinhard Marx, der den Aufenthalt in Rom auch nutzen wollte, um die vatikanischen Widerstände gegen die von der Mehrheit der deutschen Bischöfe gewollte Form des „Synodalen Wegs“ auszuräumen. Der Ton war verbindlich und brüderlich, aber in der Sache waren der Ende vergangener Woche bekannt gewordene Brief von Bischofspräfekt Kardinal Marc Ouellet und das beigefügte Rechtsgutachten des Päpstlichen Rats für die Gesetzestexte klar: Der Vatikan will verhindern, dass der „Synodale Weg“ zu einer Art Nationalsynode wird, die verbindliche Beschlüsse zu sensiblen Themen fasst, die auf weltkirchlicher Ebene behandelt werden müssen.

Und in dieser Woche beginnt in Rom eine Reihe von Veranstaltungen zur Vorbereitung der Amazonas-Synode, die in gut zwei Wochen beginnen soll, ohne dass der Vatikan bisher die definitive Liste der Teilnehmer veröffentlicht hätte. Auch dieses Bischofstreffen sorgt für Unruhe. Wie beim „Synodalen Weg“ scheinen Pressure Groups eine ganz eigene Agenda zu verfolgen. Es sind keine leichten Aufgaben, die vor Franziskus liegen, der noch in diesem Jahr 83 Jahre alt wird. Wenn man bedenkt, wie ein rüstiger Rentner seines Alters in unseren Breitengraden den Tag verbringt, könnte man fast erschrecken, dass der Papst, der zudem auf Ferienzeit und Erholung ganz verzichtet, ausgerechnet jetzt entscheidende Weichen zu stellen hat – für den Vatikan, für die Kirche in Deutschland und der ganzen Welt.

"Die Frage ist, ob diejenigen, die bei der
Amazonas-Synode oder beim Synodalen Weg
ihre eigene Agenda verfolgen,
die Rückendeckung von Franziskus haben"

Die Frage ist, ob diejenigen, die bei der Amazonas-Synode oder beim „Synodalen Weg“ ihre eigene Agenda verfolgen, die Rückendeckung von Franziskus haben. Im Falle des Schriftwechsels zwischen den Kardinälen Quellet und Marx haben einfach die ganz normalen Regeln gegriffen: Der Apostolische Nuntius erhält die Papiere, die Bischofskonferenz und Ständiger Rat produzieren, und sendet diese an die Dikasterien in Rom, die sich mit den einzelnen Materien zu befassen haben. Wenn diese den Eindruck haben, auf ganz bestimmte Entwicklungen oder Entscheidungen reagieren zu müssen, tun sie das auch. Wie jetzt Kardinal Ouellet, der seinem Schreiben noch ein vom zuständigen Rat eingeholtes Rechtsgutachten beifügte.

Vor einem Jahr hatte sich Marx im Vatikan eine von Franziskus  mit einem kleinen „F“  abgezeichnete Aktennotiz besorgt, die verhinderte, dass der ominöse Kommunionstreit der deutschen Bischöfe im Sinne der Glaubenskongregation entschieden würde. Das ist jetzt anders. Denn der Papst hat sich zum „Synodalen Weg“ geäußert, in seinem Schreiben an das Gottesvolk in Deutschland vom vergangenen 29. Juni, in dem er die Bischöfe zur Evangelisierung aufruft und dazu, die Einheit mit der Weltkirche zu suchen und den „Sensus Ecclesiae“ zu wahren.

ZdK-Funktionäre wollen Rolle spielen, die nur den Bischöfen zukommt

Dass Kardinal Marx bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in der kommenden Woche wieder eine von Franziskus abgezeichnete Aktennotiz aus der Tasche zieht, die der vom Papst klar formulierten Weisung vom Juni widerspricht, ist mehr als unwahrscheinlich. Das wird Marx auch den Funktionären vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken erklären müssen, die bei den Beschlüssen des „Synodalen Wegs“ eine Rolle spielen wollten, die nur den Bischöfen zukommt.