Köln

Von der Berufung zum Beruf

Der Weg zum Priesteramt ist in der Gegenwart nicht nur außergewöhnlich, sondern oft auch schwierig. Das Erzbistum Köln setzt dabei auf vielfältige Ausbildung, die die Kandidaten in ihrer je eigenen Berufung begleiten soll.

Kölner Dom
Die je eigene Berufung entdecken – im Erzbistum Köln gibt es viele Wege. Foto: dpa

Jesus ruft Menschen in seine Nachfolge. Das geschieht auf unterschiedliche Weise. Eine davon ist die Berufung zum Priestertum. Durch sie begeben sich junge Priesteramtskandidaten auf einen besonderen Weg. Ihn zu gehen, bedarf einer guten und fundierten Ausbildung. Das betrifft nicht nur das Studium der Theologie, sondern den ganzen Weg von der Entscheidung für das Priesteramt bis zur Weihe. Am Beispiel des Erzbistums Köln werfen wir einen Blick darauf, wie der Ausbildungsweg heute aussieht und vor welche Herausforderungen Kandidaten und Ausbilder sich in schwierigen Zeiten gestellt sehen.

Die Ausbildung dauert üblicherweise acht Jahre. Fünf davon entfallen auf das Magister-Studium der Katholischen Theologie in Bonn. An der dortigen Universität geht es auch für die Priesteramtskandidaten aus dem Erzbistum Köln um eine wissenschaftliche Fundierung. Im Anschluss daran folgt die zweijährige praktische Ausbildung am Priesterseminar in Köln, die verbunden ist mit dem Einsatz in einer Gemeinde. Nach der Priesterweihe folgt dann, in derselben Gemeinde, für ein weiteres Jahr die Berufseinführung des Neupriesters. Die Ausbildung endet schließlich mit einer Abschlussphase im Priesterseminar. Ein langer, zuweilen steiniger, vor allem aber auch vielfältiger Weg, der dort auf diejenigen wartet, die sich berufen fühlen.

Drei Häuser für die Priesterausbildung

Besonders ist im Erzbistum Köln, dass die Priesterausbildung auf drei Häuser verteilt ist. Zwei davon befinden sich in Bonn, ein weiteres ist in der Domstadt selbst. Entstanden ist diese Zweiteilung als Folge der französischen Besatzungszeit zu Ende des 18. Jahrhunderts. Napoleon Bonaparte hatte die alte Kölner Universität im Jahre 1798 schließen lassen. Nach den Befreiungskriegen wurde die Hochschule durch die Preußen nicht wiedereröffnet. Vielmehr gründete man im Jahre 1818 die Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn. Damit verbunden war der Umzug der Priesterausbildung. Seit dem Jahre 1892 sind die Seminaristen im dortigen Collegium Albertinum, dem Bonner Theologenkonvikt untergebracht. Im Jahr 2000 ergänzte das Erzbistum sein Ausbildungsangebot um das ebenfalls in Bonn angesiedelte missionarische Priesterseminar Redemptoris Mater. Während die Kandidaten in der Studienzeit in einem der beiden Häuser in der früheren Bundeshauptstadt leben, wechseln sie mit dem Beginn der praktischen Ausbildung in das Kölner Priesterseminar.

„Kaplänchensfabrik“ haben die Bonner das Albertinum früher liebevoll genannt. Im neugotischen Stil erbaut, erhebt es sich zwischen Rhein und Hofgarten auf dem Gelände einer ehemaligen römischen Siedlung, von der noch Teile einer Thermenanlage zu sehen sind. Das Albertinum versteht sich als Kommunität, die gemeinsam dem Ruf Christi auf den Grund geht. Ziel der Gemeinschaft ist es, gemeinsam in der Beziehung zu ihm zu wachsen. Wo ehrlich die eigene Berufung tiefer entdeckt und verstanden werden soll, dort muss es eine echte Gemeinschaft geben, so die Idee. Dafür steht auch der Namensgeber des Hauses, der Heilige Albertus Magnus. Als Autor philosophischer, theologischer und naturwissenschaftlicher Schriften und seiner Kommentare zu Aristoteles hat er die mittelalterliche Lehre wesentlich beeinflusst. Alberts ganzheitliche Denk- und Arbeitsweise, seiner Liebe zur Tradition und die Aufgeschlossenheit für Neues soll dabei den Studenten im Bonner Konvikt auch heute noch ein Vorbild für ihr Leben und Arbeiten sein.

Fokus Mission am Seminar "Redemptoris Mater"

Die in diesem Sinn sehr klassische Priesterausbildung wird seit 2000 ergänzt um das Seminar „Redemptoris Mater“. Das ebenfalls in Bonn ansässige Institut wurde vom damaligen Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner als zusätzliche, eigenständige Priesterausbildungsstätte des Erzbistums gegründet. Seit 2001 hat es seinen Sitz im ehemaligen Benediktinerinnenkloster Bonn-Endenich. Besonders ist, dass die dortigen Seminaristen neokatechumenalen Gemeinschaften aus der ganzen Welt angehören. Neben dem Ausbildungsweg, den sie wie die übrigen Kölner Priesteramtskandidaten durchlaufen, absolvieren die Seminaristen von Redemptoris Mater zusätzliche missionarische Praktika. Ziel ist es, sie verschiedene Arten der Evangelisierung im Rahmen des Neokatechumenalen Weges erfahren zu lassen. Auch steht der Erwerb weiterer Fremdsprachen auf dem Lehrplan. All das dient dazu, die Kandidaten besser auf ihre späteren Aufgaben in der weltweiten Mission vorzubereiten.

Nach der wissenschaftlichen Formation in Bonn beginnt für die Kandidaten schließlich im Priesterseminar in Köln der nächste Teil der Ausbildung. Hier werden die Uni-Absolventen für den praktischen Gemeindeeinsatz ausgebildet. Das Priesterseminar soll dabei nicht nur Ausbildungsstätte für den Priesternachwuchs sein. Es versteht sich als Ort des Austauschs für alle Geistlichen des Erzbistums, die dort etwa Ruhetag einlegen oder sich über die Alltagsarbeit austauschen können.

Wesentlich ergänzt werden soll das theologische Ausbildungsangebot im Erzbistum Köln künftig durch die Übernahme der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Augustin (PTH) von den Steyler Missionaren. „Wir stehen in Zukunft vor großen gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen, für die wir eine sprachfähige Theologie als echte ,Gesellschaftswissenschaft‘ brauchen“, begründet Kölns Erzbischof, Rainer Maria Woelki, die Übernahme. Anfang Juli hatte die Erzdiözese bekannt gegeben, künftig als Träger der PTH zu fungieren und damit die Finanzierung der Hochschule in den nächsten Jahren zu garantieren. Mit der eigenen Hochschule will man zudem verstärkt in einen akademischen Dialog mit der Zivilgesellschaft eintreten.

Hochschule Sankt Augustin soll Angebot erweitern

Wie sich dieser Schritt auf die künftige Priesterausbildung im Erzbistum auswirken wird, ist allerdings noch nicht absehbar. Ein Sprecher des Erzbistums betonte im Gespräch mit der Tagespost, dass die internationale Ausrichtung mit dem Thema Dialog der Religionen ein wichtiger Schwerpunkt der PTH bleiben werde. Zudem gelte es, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, um die Hochschule vor einer bereits seit Längerem drohenden Schließung auch langfristig zu bewahren und sie insgesamt weiterzuentwickeln.

Abseits der Zukunft der wissenschaftlichen Ausbildung stellen sich in der Priesterausbildung heute noch weitere existenzielle Fragen. Dazu gehört unbedingt auch die Krise des sexuellen Missbrauchs. Eine bedeutsame Rolle spielt insbesondere das Thema Prävention. Verschiedene Maßnahmen sollen dabei helfen, sexuellen Missbrauch in Zukunft zu verhindern und die Kandidaten ganz allgemein für das Problem zu sensibilisieren. Dazu nehmen sie im Laufe ihrer Ausbildung wie alle anderen in der Seelsorge tätigen Personen an verschiedenen Präventionsschulungen teil. In Zeiten, in denen volkskirchliche Strukturen immer weiter zurückgehen, stellen sich auch für das Leben der Priester selbst große Fragen. Derzeit vielfach in Frage gestellt wird etwa der priesterliche Zölibat. Hier stellt das Erzbistum auf seiner Homepage zur Priesterausbildung dessen besondere Bedeutung noch einmal nachdrücklich heraus: „Die bewusst und frei gewählte Ehelosigkeit ist damit Antwort auf den liebenden Anruf Gottes. Sie zeigt die radikale Bereitschaft des Priesters, sich ganz Gott und den Menschen hinzugeben. Der Zölibat ist damit auch Zeichen für das neue Leben, das Christus schenkt und dem der Priester dient. Mit seiner Lebensform ist er ein lebendiger Hinweis und eine ständige Erinnerung an das Reich Gottes und an das ewige Leben.“


Der Weg zur Ausbildung in Köln

Im Collegium Albertinum in Bonn gibt es jedes Jahr im Februar ein unverbindliches Informationswochenende zur Frage „Priester – ein Weg für mich?“. Teilnehmer lernen dort andere Interessenten am Priesterberuf kennen und können ihre eigenen, wichtigen Fragen loswerden. Die eigentlichen Einführungswochen zur Priesterausbildung im Albertinum beginnen jedes Jahr Anfang August. Junge Männer, die sich berufen fühlen, sollten das Gespräch mit dem Repetenten Dr. Peter Rieve suchen. Kontaktdaten des Collegium Albertinum sowie zum Seminar Redemptoris Mater finden sich auf der Internetseite des Erzbistums Köln: www.erzbistum-koeln.de