London

Von Canterbury nach Rom – der frühere Kaplan der Queen wird katholisch

Nach einem jahrelangen Prozess der Erkenntnis, dass nur die katholische Kirche zur Fülle des christlichen Glaubens führen kann, bekehrte sich Gavin Ashenden.

Von der anglikanischen Kirche zum katholischen Glauben
Auf seine Konversion erhielt Ashenden zahlreiche Reaktionen. Für besonders interessant hält er die vielen Briefe von ehemaligen Glaubensbrüdern, die ihm schrieben, sie hätten „ein tiefes instinktives Gefühl“, dass er recht habe. Foto: Evandro Inetti (ZUMA Wire)

Vor kurzem wurde bekannt, dass der ehemalige anglikanische Kaplan von Königin Elizabeth II. zum katholischen Glauben konvertierte. Neun Jahre lang, von 2008 bis 2017, gehörte Gavin Ashenden zu den Geistlichen, die das weltliche Oberhaupt der anglikanischen Church of England betreuen. In der US-amerikanischen Zeitung National Catholic Register erläutert Ashenden die Gründe für seinen Schritt. So sei ihm in den vergangenen zehn Jahren „langsam, aber sicher“ klar geworden, dass das, was die Kirche insbesondere auch über die heilige Messe lehrte, „nicht nur wahr“ sei, „sondern seit den Kirchenvätern jederzeit wahr gewesen ist“: „Ich fing auch an, die Rolle, die die Muttergottes in der Kirche insbesondere in der abwechslungsreichen Geschichte der Erscheinungen spielte, zu erforschen“.

Ein 500 Jahre altes ökumenisches Experiment, das scheiterte

Doch wann war für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen, um Canterbury nach so vielen Jahren endgültig zu verlassen und sich Rom zuzuwenden? „Meine eigene Tradition des Anglikanismus entwickelte sich nicht nur zu einer immer katastrophaleren Irrlehre“, erklärt Ashenden, „sondern mir wurde klar, dass es [für die anglikanische Gemeinschaft] ohne ein Lehramt keine Möglichkeit gab, der spirituellen Dekadenz einen schlüssigen theologischen Widerstand entgegenzusetzen“. Außerdem sei ihm allmählich bewusst geworden, dass er eine persönliche Verantwortung habe, „die Kirchenspaltung im Leib Christi, die von meinen geistlichen Vorfahren herbeigeführt wurde, zu überwinden“. Dies konnte nur durch eine Rückkehr zur Mutter Kirche, „in aller Demut und Buße für das Schisma“ geschehen. Das Problem der anglikanischen Kirche sei, „dass ihre Ursprünge ebenso politischer – vielleicht sogar noch in stärkerem Maße – als auch theologischer Art waren. Der Anglikanismus ist, wie mein früherer anglikanischer Diözesanbischof vor über einem Jahrzehnt mit Bedauern feststellte, ‚ein 500 Jahre altes ökumenisches Experiment, das eben scheiterte‘“.

Heute, so Ashenden weiter, habe der Anglikanismus sein theologisches Denken „den Moden und Strömungen des Säkularismus und insbesondere dem Feminismus ausgeliefert“. Als Kirche habe er seine Legitimation verloren. Und bald werde er erkennen, dass er es nicht geschafft habe, „das Wohlwollen von einer zunehmend säkularer werdenden Populärkultur zu erkaufen“. Denn nur die katholische Kirche könne die Menschen zur Fülle des christlichen Glaubens und zur Heiligkeit führen.

Wunsch zur Konversion entwickelte sich schrittweise

Der 1954 geborene Ashenden wurde 1980 nach seinem Jurastudium anglikanischer Geistlicher. Anschließend war er zehn Jahre lang in verschiedenen Gemeinden in ganz London tätig. Während dieser Zeit war er zudem daran beteiligt, Bibeln und Arzneimittel in die ehemalige Sowjetunion zu schmuggeln. 1982 wurde er deshalb zeitweise inhaftiert und vom KGB verhört. 23 Jahre lang wirkte er von 1989 bis 2012 als Dozent und Universitätsgeistlicher an der University of Sussex.

Der Wunsch zur Konversion entwickelte sich bei Ashenden schrittweise. Es sei ein Prozess gewesen, „der sich jahrzehntelang unauffällig unter der Oberfläche meines Geistes und meiner Seele abspielte“. Doch nichts habe ihn auf die Freude und den Augenblick vorbereiten können, „vollständig versöhnt zu sein“. Es sei wie die so oft beschriebene „Heimkehr“ gewesen.

Auf seine Konversion erhielt Ashenden zahlreiche Reaktionen. Für besonders interessant hält er die vielen Briefe von ehemaligen Glaubensbrüdern, die ihm schrieben, sie hätten „ein tiefes instinktives Gefühl“, dass er recht habe. Doch sie bräuchten Hilfe, um diesen Weg der Konversion selbst zu beschreiten: „Bitte unterstützen Sie uns auf unserer Reise, beten Sie für uns, dass wir den Mut und die Klarheit finden, Ihnen [in die Kirche] zu folgen.“

DT/ks

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