Trier

Trierer Pfarreireform: Gunst der Stunde

Der Vatikan überprüft die Trierer Pfarreireform: Worum geht es eigentlich?

Genosse Don Camillo
Im Bistum Trier probten Priester und Laien den Aufstand gegen eine zentralistische Bistumsreform. Der Vatikan hat nun eingegriffen. Andreas Wollbold plädiert für die Rolle des Pfarrers als "Pastor proprius". Foto: dpa
Synode im Bistum Trier
Die Synode im Bistum Trier sorgt bis heute für hohe Wellen. Foto: Harald Oppitz

Die Trierer Pfarreireform wird von der römischen Kleruskongregation und dem Päpstlichen Rat zur Interpretation der Gesetzestexte überprüft. Dies hat der Rekurs der Trierer Priestergemeinschaft der „Unio Apostolica“ erreicht. Dagegen haben sich nun verschiedene Gruppierungen verwahrt. Man hat den Eindruck, es geht um eine Heerschau: Welche Seite versammelt die größeren Unterstützer? Doch ein kirchenrechtlicher Rekurs ist keine Petition oder eine Unterschriftenliste, die mit einer möglichst großen Zahl von Unterstützern einer Sache Gehör verschaffen und ein Anliegen mit Druck durchsetzen wollen. Ein Rekurs dient vielmehr der Überprüfung kirchlicher Gesetze anhand der allgemeinen kanonischen Ordnung der Kirche und der dahinterstehenden Glaubenslehre. Deshalb führt der Bezug von Position durch pastorale Berufsverbände und Interessengemeinschaften an der Sache vorbei. Überdies haben Loyalitätsbekundungen gegenüber dem Dienstgeber immer ein „Geschmäckle“. Souveräner waren Bischof und Generalvikar, die das Moratorium zwar bedauerten, aber seine Berechtigung anerkannten und die notwendigen Konsequenzen zogen, insbesondere durch die Sistierung des „Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode 2013 –2016“ und die Aussetzung der Gremienwahlen.

Entscheidend sind nicht Applaus oder Buhrufe in Richtung Trierer Bischofspalais oder römischem Palazzo, sondern der Blick auf die Sache: Ist das vom Bistum Trier nun auch in Rechtsfassung vorliegende Modell der Pfarrei der Zukunft mit seinen Strukturen, Gremien und Leitungsverantwortungen mit der Ordnung der Kirche vereinbar? Massive Zweifel daran sind allerdings tatsächlich angebracht und wurden in den vergangenen Jahren von unterschiedlichen Gruppen immer wieder vorgetragen, wenn auch vergeblich. Die Kritiken am eigentlichen Umsetzungsgesetz lassen sich in drei Punkten zusammenfassen: 1. Das Pfarrprinzip wird weitgehend aufgelöst, und die Kirche entfernt sich von den Menschen – das ist der laute Weckruf der Basis. 2. Das „synodale Prinzip“ verwechselt Beteiligung mit Entscheidung – auf diesen Punkt konzentrieren sich die Einsprüche von Theologen und Kanonisten. 3. Die Leitungsstrukturen lähmen die unvertretbare Verantwortung des kirchlichen Amtes – hier sind naturgemäß vor allem Priester sensibilisiert.

Das Pfarrprinzip wird weitgehend aufgelöst

Eine breite Protestbewegung unter den Gläubigen vor Ort hat sich gebildet, ihr Zustrom ist zuletzt noch gewachsen, und dies trotz – oder sogar wegen? – der unzähligen Bemühungen der Bistumsleitung, „die Ängste der Menschen ernst zu nehmen“. Doch diese Gläubigen sind keine kleinen Kinder, die sich vor dem schwarzen Mann fürchten, den es gar nicht gibt. Sie sind ihren Kirchen und Gemeinden verbunden, engagieren sich seit Jahren und wollen auch ihren Kindern und Enkeln eine kirchliche Heimat geben. Territorium ist eben nicht bloß ein beliebiger Ausschnitt in den Google-Maps, den man größer oder kleiner scrollen kann. Es ist der erste Ort des Lebens und der Verwurzelung. Menschen atmen hier die gleiche Luft, sie leben nebeneinander und hoffentlich auch miteinander, sie grüßen sich und streiten sich, hier erschließt sich Kindern die Welt, in dieser Erde werden die Toten begraben – und mitten darin steht der Herr, oft unerkannt, und zieht die Menschen empor in sein Reich.

Allein die Tatsache, dass ausgerechnet beim pfarrlichen Leben, bisher ein Ort großer Einmütigkeit und immer noch erstaunlich breiter Motivation, Streit, ja Spaltung ausgebrochen ist, ist sicher keine Frucht des Geistes und braucht die kritische Überprüfung. Sind die Kritiker bloße Nostalgiker, Reformverweigerer und Scharfmacher? Keineswegs. Sie alle haben ja in den letzten Jahrzehnten viele einschneidende Veränderungen mitgetragen und mit Leben gefüllt. Aber sie haben auch einen Sinn für Maß und Ziel, und beides ist dem Bistum Trier abhandengekommen.

Die Pfarreireform stellt eine beispiellose Zentralisierung der Pastoral da, wie es sie in der ganzen Kirchengeschichte nicht gegeben hat. Über Jahrhunderte gewachsene Gemeinden werden mit einem Federstrich ausgelöscht. Die am Reißbrett entstandenen übergroßen pfarrlichen Gebilde werden die Gemeinden vor Ort austrocknen und schließlich weitgehend zum Verschwinden bringen. Dieser Eindruck, obwohl immer wieder von offizieller Seite bestritten, ist gleich zweifach berechtigt. Zum einen sind die 35 Pfarreien der Zukunft tatsächlich so zugeschnitten, dass sie die Größe eines Landkreises umfassen und mit ihren bis zu 100 000 Gläubigen unmöglich eine wirkliche „Gemeinschaft von Gläubigen“ (can. 515 § 1) bilden können. Zum anderen hätte man nun denken können, dass die vitale Ebene dieser Verwaltungseinheit weiterhin die der einzelnen Gemeinden vor Ort bildet. Weit gefehlt! Territorialität, Gemeindebildung in überschaubaren und auch lebensweltlich bestimmten Einheiten eines Stadtteils oder einer Ortschaft spielt kaum mehr eine nennenswerte Rolle. Dies zeigt sich etwa darin, dass in den Gremien allein zahlenmäßig nicht einmal mehr jede bisherige Pfarrei vertreten sein wird – eine eklatante Missachtung des Subsidiaritätsprinzips!

Missachtung des Subsidiaritätsprinzips

Diese Beobachtung bestätigt sich sogar gerade dort, wo die neue Trierer Ordnung den unteren Einheiten Gewicht verleihen will, nämlich bei den „Verwaltungsteams“, die wohl die Arbeit der bisherigen Verwaltungsräte der Pfarreien ersetzen sollen. Doch sie werden nur auf Wunsch hin errichtet und haben kein eigenes Mandat, sondern sie sind in der Zusammensetzung, Aufgabenbeschreibung und im Umfang des Budgets vom Leitungsteam beauftragt sowie ihm rechenschaftspflichtig. Im Klartext, diese Teams müssen sozusagen um Arbeitserlaubnis bitten, sollen dann aber die oft aufreibende Arbeit vor Ort erledigen, „insbesondere die Pflege und Verwaltung von Liegenschaften oder die Betreuung von Baumaßnahmen“ (Kirchenvermögenverwaltungsgesetz – KVVG 2020 § 18 (1)). Bürokratisch verklausuliert heißt das, die bisherigen Verwaltungsräte sollen „die bisherigen Zuständigkeiten im operativen Bereich“ fortschreiben (KVVG 2020 § 28 (3)). Wie soll man auf Dauer aus den Ortschaften Fachkräfte aus Handwerk, Unternehmen, Verwaltung und Recht für solche Teams gewinnen, wenn sie nur untergeordnete, abhängige Kompetenzen haben?

Doch die Territorialität wird noch durch etwas anderes vernachlässigt. Dabei heißt das neue Zauberwort „Orte von Kirche“. „Orte von Kirche sind die erste und entscheidende Ebene des kirchlichen Lebens. Sie entstehen überall dort, wo Menschen sich in der Nachfolge Jesu zusammenfinden und im Sinne des Evangeliums engagieren. Sie können territorial, personal oder thematisch begründet sein.“ (Artikel 2. Präambel)

Keine Differenzierung nach Bedeutung, Gewicht und theologischer Größe

Bei dieser Definition wird allerdings keinerlei Differenzierung vorgenommen nach Bedeutung, Gewicht und theologischer Größe dieser Orte. Denn zweifellos sind doch vor allem die bisherigen Pfarreien unvergleichbare Orte von Kirche, an denen die Sakramente gespendet, die Eucharistie gefeiert, der Glaube verkündet und alle am Ort Ansässigen mit der Kirche in Berührung kommen können. Eine bisherige Pfarrei mit dieser ganzen Breite des kirchlichen Lebens wird darum in ganz anderer Tiefe ein Ort von Kirche sein als eine kleine Gruppe, die sich um ein Thema, ein Interesse oder einfach aus Sympathie zusammentut. Ebenso hat etwas über Jahrhunderte Gewachsenes, tief in Ortschaften und Familien Verwurzeltes eine andere Dichte als eine lockere Zweckgemeinschaft. Vor allem hebt die Feier der Eucharistie als Höhepunkt und Quelle allen kirchlichen Lebens einen kirchlichen Ort besonders hervor (vgl. can. 528 § 2). Auch das Kirchenrecht unterscheidet genau die verschiedenen Kirchlichkeitsgrade der Vereinigungen von Gläubigen. Dabei zeichnen sich Pfarreien vor allen anderen Orten dadurch aus, dass sie „Zellen des ganzen Bistums“ („Apostolicam Actuositatem“ 10) sind. Nichts davon findet sich aber im Umsetzungsgesetz. Der „Rat der Pfarrei“ etwa soll bewusst nicht mehr die bisherigen Pfarreien vertreten, was als bloße Lobbyarbeit schlechtgeredet wird. Nach Artikel 2 § 4 bestehen die Kriterien der Orte von Kirche in der Zustimmung zum Rahmenleitbild für die Pfarrei und zur Ordnung der Gremien; zusätzlich ist für die Anerkennung nicht mehr erforderlich als die Beschreibung des eigenen Anliegens.

Entscheidend also ist Konformität mit den Vorgaben von oben. Alles andere, etwa echte Gläubigkeit oder ein regelmäßiges sakramentales Leben, sind gar nicht erst erwähnt, geschweige denn eine Evaluation durch den Pfarrer. Das Umsetzungsgesetz räumt diesen Orten vielmehr eine weitreichende Autonomie ein und will bloß „netzwerkartige Interaktionen der einzelnen Orte von Kirche untereinander“ fördern (Art. 2 § 2 (2)).

Kongregationalistisches Kirchenverständnis

Dadurch entsteht letztlich ein kongregationalistisches Kirchenverständnis, in dem kein Platz mehr für die sakramentale Grundstruktur und die hierarchische Gliederung der Kirche ist (mit einer bemerkenswerten Ausnahme: der Bischof und seine Behörde erhalten ein ungebührliches Gewicht). Leitidee des Ganzen ist die Anwendung des synodalen Prinzips auf allen Ebenen der neuen Pfarrei: „Das bedeutet, dass die als hierarchische Gemeinschaft verfasste Kirche anerkennt, dass sie zur Erfüllung ihres Auftrags auf Beteiligung angewiesen ist. So wird vom Heiligen Geist getragene Teilhabe als gemeinsame Entscheidungsfindung, Mitverantwortung und Mitbestimmung möglich.“ (Art. 2. Präambel).

In der Tat, eine Kultur der Partizipation und der gemeinsamen Beratung ist unerlässlich für jedes kirchliche Leben – nicht erst heute. Das ist ein äußerst anspruchsvolles Ziel. Aber wie gelingt es? Wird nicht vielmehr das Alltagsleben der Pfarrei der Zukunft massiv durch ein Problem belastet werden, nämlich die völlig neue, überkomplexe und nicht an den gewachsenen Realitäten orientierte Gremienstruktur? Man braucht kein Prophet zu sein, um sich die Synodalversammlung, den Rat der Pfarrei, die Pastoral- und die Vermögenskammer sowie selbst das Leitungsteam langfristig als Tummelplatz für Gremienkatholiken und gut vernetzte Hauptamtliche vorzustellen.

„Leitungsteams“: Tummelplatz für Gremienkatholiken

Die in den letzten 50 Jahren bewährten pfarrlichen Beratungsgremien haben dies weitgehend durch zwei Eigenschaften vermieden: Gute Berater sind tief vor Ort verwurzelt und sie sind in der Sache kompetent. D.h. in den Pfarrgemeinderäten findet sich oft die gesammelte Erfahrung der Leute vor Ort, die zuverlässig sagen können, wo der Schuh drückt und welche neue Idee wohl ankommen oder ein Rohrkrepierer wird. Selbst wo es schwierig wird, geeignete Laien dafür zu finden, ließe sich leicht innerhalb von mehreren Gemeinden kooperieren. Auch in den Verwaltungsräten sind in der Regel Mitglieder, die aus hoher beruflicher Kompetenz etwa in handwerklichen, unternehmerischen oder arbeitsrechtlichen Fragen Professionalität sicherstellen. Welcher Pfarrer, der nur einigermaßen bei Trost ist, würde das jemals missen wollen?

Doch die neuen Gremien sind fast vollständig vom Territorium gelöst, das heißt die bisherigen Einzelpfarreien sind in keinem Gremium sicher vertreten. Sie sind auch nicht an nachweisliche Kompetenz gebunden, was die Gefahr nicht verwurzelter „freier Radikaler“ verstärkt. Dafür nur ein Beispiel. Die Kirche schreibt in ihrer Klugheit für Priester das volle Theologiestudium vor, denn Leitung setzt professionelle Kenntnisse voraus. Bei den Voraussetzungen für die Mitgliedschaft im Leitungsteam wird dieses Kriterium gar nicht mehr erwähnt. Wieder muss man kein Prophet sein oder auch nur besonders misanthropisch veranlagt sein, um vorherzusehen, wie etwa Grundfragen der Liturgie in Zukunft durch ein „Ich seh‘ das aber anders!“ entschieden werden. Gibt das Bistum Trier damit das Signal: Theologische Inhalte und kirchliche Ordnungen sind gleichgültig?

Synodalität, aber ebenso Personalität

Was also ist Beteiligung in der „als hierarchische Gemeinschaft verfassten Kirche“? Synodalität, aber ebenso Personalität. Im Heiligen Geist als „ein Herz und eine Seele“ zusammenkommen (Apostelgeschichte 4,  32), gemeinsam „hören, was der Geist den Gemeinden sagt“ (Offenbarung 2,  7), und so in gemeinsamem Gehorsam das Notwendige angehen, das ist der Geist echt christlicher Synodalität und Communio. Doch sein Kern ist ein ebenso starkes personales Prinzip: Jeder Beteiligte muss in sich gehen, sich reinigen und an sich arbeiten, sein Gewissen befragen und nicht Trends und Mehrheiten hinterherlaufen, auch ganz schlicht nicht sich bloß gerne reden hören und sich wichtig tun, sondern bereit sein, in Rat und Tat treu dem Ganzen zu dienen, sich auch für einfache Aufgaben wie Kircheputzen oder Schneeschieben nicht zu schade zu sein und so einfach Lasten zu tragen: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Galater 6, 2).

Ist das der Geist der neuen Trierer Pfarrei? Wohl kaum. Denn diese geistliche Unterscheidung und gemeinschaftliche Entscheidungsfindung wird im Umsetzungsgesetz in einem Wirrwarr kollektiver Mechanismen ertränkt, das die persönliche Verantwortung des Einzelnen weitgehend zurücktreten lässt – offensichtlich ein unveränderliches Kennzeichen der überinstitutionalisierten Kirche in Deutschland! Das personale Prinzip nämlich macht Synodalität erst wirklich christlich und bewahrt sie davor, bloß fromme Soße über geschickt ausgenutzte Gruppendynamik zu werden. Die schreckliche Logik von „Das Wir entscheidet“ oder „Wir sind mehr“ hat keinen Platz in der Kirche!

Pfarrer gibt sein Leben für die Schafe

Dieses personale Prinzip ist nirgendwo so verkörpert wie in der Person des Pfarrers. Er nimmt an der Vollmacht Christi als des Hauptes der Kirche teil (vgl. „Presbyterorum Ordinis“ 2). Ihm ist die Hirtensorge im Gesamt der drei Ämter des Lehrens, Heiligens und Leitens (!) anvertraut (can. 519). Er ist „pastor proprius“, also eigener Hirte einer Gemeinde und nicht bloß Moderator kollektiver Prozesse. Er gibt nicht nur seinen Senf zur Soße, sondern „er gibt sein Leben für die Schafe“ (vgl. Johannes 10,11). Um diese auf die fette Weide zu führen, braucht er Rat und Tat aller. Aber es kommt der Punkt der letzten Verantwortung vor Gott. Aug' in Aug' vor dem ewigen guten Hirten muss er in Treue zu ihm und seiner Kirche „gelegen oder ungelegen“ die Wahrheit verkünden, dabei auch Wölfe Wölfe nennen und gelegentlich auch kräftig zupacken, wo Schafe sich in die Dornen verirrt haben - selbst wenn diese dann ganz betroffen „Aua“ schreien! Darum ist Beteiligung nicht Entscheidungskompetenz. Letztverantwortung kann nur der von Christus eingesetzte Hirte tragen, also stets ein Priester, der vom Bischof zum Pfarrer bestimmt wurde und der auf diese Aufgabe seinen Pfarramtseid abgelegt hat.

Das Ineinander des synodalen und des personalen Prinzips soll hier nun nur noch mit Blick auf die sensible Frage der besonderen Hinordnung des kirchlichen Amtes der Priester auf jurisdiktionelle Leitungsvollmacht untersucht werden. An dieser Stelle stößt man auf einen Totalausfall: Für den Großteil der zukünftigen Priester (ebenso wie der ständigen Diakone und sonstigen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) wird es keinerlei Leitungsvollmacht mehr geben, allenfalls „können [sc. sie] themen- und anlassbezogen mit beratender Stimme an den Sitzungen der Pastoralkammer teilnehmen.“ (Art. 2. § 13 (2)). Doch selbst die 35 leitenden Pfarrer besitzen nicht mehr die notwendige Leitungsvollmacht, die sie zur Erfüllung ihrer Hirtenverantwortung brauchen. Dafür zwei Indizien.

Auflösung der priesterlichen Leitungsvollmacht

Zum einen tritt an die Stelle der Leitungsverantwortung des Pfarrers ein bloßes Widerspruchsrecht. Dieses ist zudem auch noch gestaffelt: Er muss widersprechen, wenn Beschlüsse der Gremien „gegen kirchliches oder weltliches Recht verstoßen“ – wiederum geht es hauptsächlich um Loyalität gegenüber der Obrigkeit, nicht etwa um Glaubenstreue –, er kann bloß widersprechen, „wenn nach seiner sorgfältigen Prüfung die Durchführung des Beschlusses nachteilige Auswirkungen für die Kirche oder kirchliche Rechtspersonen haben kann“ (Art. 3 § 23 (1)). Ein Widerspruch ist kein Veto – die niedrigste Stufe einer Letztentscheidungskompetenz –, vielmehr löst er nur eine erneute Beratung mit dem Auftrag zur Einigung aus. Gelingt diese nicht, ist die Schlichtungsstelle beim Bischöflichen Generalvikariat anzurufen und in zweiter Instanz der Generalvikar (Art. 3 § 23 (2)).

Zum anderen ist der Pfarrer in ein Leitungsteam eingebunden. Es „obliegt die Verantwortung für die strategischen Ziele der Pfarreien der Kirchengemeinde dem gesamten Leitungsteam zusammen mit dem Rat der Pfarrei und seinen Kammern“ (Art. 3 § 25 (2)). Der Pfarrer als Vorsitzender – offensichtlich nicht mehr als ein Sitzungsleiter ohne weitere Rechte – hat die Beschlüsse nicht letztlich alleine zu verantworten, sondern er ist rechtlich bindend in das Team zusammen mit zwei hauptamtlichen Mitgliedern und bis zu zwei ehrenamtlichen Mitgliedern eingebunden. Bei den ehrenamtlichen Mitgliedern ist es übrigens durchaus denkbar, dass sie etwa in ihrer Lebensform, ihrer Glaubensüberzeugung oder ihrer gottesdienstlichen Praxis kaum dem Leitbild eines engagierten katholischen Laien entsprechen dürften (vgl. Art. 3 § 30 (1)).

Die römische Überprüfung gibt dem Bistum Trier die Chance, Abstand zu schaffen, Augenmaß zu gewinnen und Alternativen zu bedenken. Sie kann Gräben zuschütten und wieder ein echtes Miteinander ermöglichen. Vor allem aber bereitet sie den Weg zu Lösungen, die wirklich dem Heil der Seelen dienen. Welche Gunst der Stunde!

 

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