Vatikanstadt

Synode: „Klimathema in der Mitte der Kirche angekommen“

Deutsche Vertreter und Teilnehmer ziehen ein positives Fazit zur Amazonas-Synode. Die katholischen Hilfswerke sprechen von einem Aufruf zum Neuanfang und Brückenbauen – Kardinal Marx hebt eine stärkere Beteiligung von Laien hervor.

Deutsche Stimmen zur Amazonas-Synode
Misereor-Hauptgeschäftsführer Spiegel bezeichnete das Bischofstreffen als "Ausdruck der Synodalität, die spezifische Weise, gemeinsam zu leben und zu handeln, einander zuzuhören und Wege zur Entscheidung zu finden". Foto: Andrew Medichini (AP)

Nach dem Abschluss der Amazonas-Synode am Sonntag äußerten sich die deutschen Teilnehmer und Vertreter überwiegend positiv. Der Münchner Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hob vor allem die zentrale Rolle hervor, die die globale Herausforderung des Klimawandels bei dem Bischofstreffen im Vatikan gespielt habe. „Diese Synode hat gezeigt: Das Klimathema ist nicht nur etwas für sozial engagierte Gruppen, es ist in der Mitte der Kirche angekommen, bei den Kardinälen und Bischöfen weltweit“, erklärte Marx im Gespräch mit der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ (KNA).

Marx: Beteiligung von Frauen notwendig

Außerdem sei die Rolle von Laien gestärkt worden. Künftige Synoden könne er sich nicht ohne eine stärkere Einbeziehung der Laien vorstellen, so der Erzbischof von München und Freising. Das gelte auch auf weltkirchliche Ebene. Marx sprach auch eine stärkere Beteiligung von Frauen an: „Können wir uns wirklich vorstellen, dass in 100 Jahren eine Bischofssynode tagt, und keine Frau darf mit abstimmen? Ich nicht!“ Ganz deutlich sei bei der Synode gesagt worden, dass eine Beteiligung der Frauen an der Regierung der Kirche notwendig sei. „Das wäre noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen.“

Zur Frage der Priesterweihe verheirateter Ständiger Diakone im Einzelfall, sogenannter „Viri probati“, erklärte der Münchner Kardinal, dass das Thema häufiger und deutlicher angesprochen worden sei, als er das erwartet hatte. „Das zeigt, dass die Themen, die wir in Deutschland diskutieren, auch weltkirchliche Themen sind.“ Die Synode habe zudem gezeigt, dass eine konkrete seelsorgerische Situation neue Herausforderungen mit sich bringe und neue Antworten verlange.

Sonderversammlung der Bischöfe verändert Kirche

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, hielt in einer Stellungname zur Synode fest: „Die Sonderversammlung der Bischöfe verändert Kirche. Sie war Ausdruck der Synodalität, die spezifische Weise, gemeinsam zu leben und zu handeln, einander zuzuhören und Wege zur Entscheidung zu finden.“

Zwar konnten nicht auf alle diskutierten Fragen Antworten und Lösungen gefunden werden, so Spiegel weiter. Dennoch werde die Amazonas-Synode „Aufruf sein zum Weiterdenken, zum Brückenbauen und zum Ausprobieren anderer Möglichkeiten“, um der Kirche und ihrem Auftrag eine gute Zukunft zu erhalten.

"Wir haben eine Synode des Aufbruchs
erlebt. Die alten hierarchischen
Strukturen haben sich überlebt"
Michael Heinz, Hauptgeschäftsführer der Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat

„Wir haben eine Synode des Aufbruchs erlebt“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz. Am Ende der Synode stehe ein Dokument des Neuanfangs. „Die alten hierarchischen Strukturen haben sich überlebt.“ Wie Kirche heute gehe, habe das Amazonas-Netzwerk Repam gezeigt“, so Heinz. Die Möglichkeit, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, sei ein erster Schritt, „dass die Eucharistie auch in Amazonien zu Recht als Quelle und Höhepunkt des christlichen Glaubens bezeichnet wird“.

DT/mlu