Warschau

Synodaler Weg: Ukrainische Bischöfe kritisieren deutschen Reformkurs

Die Ukrainischen Bischöfe verfassen ein brüderliches Ermahnungsschreiben an ihre deutschen Amtskollegen zum Synodalen Weg.

Ukrainische Bischöfe kritisieren Synodalen Weg
Die Gläubigen bemühten sich in ihrem Kampf um ein gutes, ein richtiges Lebens- und Sexualverhalten, würden aber nun durch die Äußerungen aus dem deutschen Episkopat zermürbt und verunsichert, beklagen die ukrainischen Bischöfe. Im Bild: ZdK-Vollversammlung in Bonn. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Die ukrainischen Bischöfe haben eine sogenannte "correctio fraterna" an den deutschen Erzbischof Heiner Koch, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskommission für Ehe und Familie, sowie an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Reinhard Kardinal Marx und den Apostolischen Nuntius versendet. Das geht aus einem Bericht der polnischen Nachrichtenseite „wpolityce.pl“ vom 6. Februar hervor. In dem Beitrag von Grzgeorz Górny wird festgestellt, dass der Synodale Weg Katholiken auf der ganzen Welt Sorgen bereite. Nun gebe es eine erste offizielle Reaktion in Form dieses Schreibens, das in einigen Passagen wörtlich in polnischer Übersetzung zitiert wird.

Durch die deutschen Bischöfe zermürbt und verunsichert

Die ukrainischen Bischöfe ihrerseits, präzise gesagt die bischöfliche Kommission für die Ehe und Familie unter der Leitung von Radoslaw Zmitrowicz und Jan Niemiec beklagen insbesondere den schlechten Einfluss, den die Äußerungen der deutschen Amtskollegen auf gläubige Katholiken hätten, die sich dem "demoralisierenden Einfluss" der LGBT-Bewegung auf ihre Kinder und ihre Familien entgegenstellen wollten. Insbesondere die LGBT-affinen Äußerungen aus dem deutschen Episkopat vom 4. Dezember 2019 "schmerzten", denn diese Propaganda von Seiten der LGBT-Anhänger ziele auf die Bekämpfung des Christentums.

Deutliche Worte finden sich in dem Schreiben auch zum Thema Homosexualität oder Empfängnisverhütung. Der Tenor ist immer gleich: Die Gläubigen bemühten sich in ihrem Kampf um ein gutes, ein richtiges Lebens- und Sexualverhalten, würden aber nun durch die Äußerungen aus dem deutschen Episkopat zermürbt und verunsichert, ja, einige katholische Gläubige würden sogar Angriffe von Angehörigen anderer christlicher Konfessionen erfahren, in denen ihnen Untreue gegenüber dem Wort Gottes und der biblischen Offenbarung vorgeworfen werde, da diese Mitchristen nicht zwischen den Positionen des Katechismus und dem, was jeden Tag in den säkularen Medien über die Vorgänge in Deutschland steht, zu unterscheiden wüssten.

Von der Säkularisierung stark betroffen

Zugleich räumten die Ukrainer ein, dass es nicht genüge, Missstände zu benennen, da es sich um einen geistlichen Kampf handele, in dem sowohl Gebet als auch Buße naturgemäß eine große Rolle spielten. Auf die Nachfrage, warum so viele deutsche Bischöfe in wichtigen Fragen von der christlichen Wahrheit abweichen würden, antwortete Bischof Zmitrowicz, er könne dazu keine zuverlässige Aussage machen, es schiene ihm jedoch, als handle es sich um die alte biblische Versuchung, nach der man "wie andere Völker sein wolle". Deutschland sei von der Säkularisierung stark betroffen und das Verständnis ganzer Lebensvollzüge wie Arbeit, Bildung, Sexualität, Liebe und Ehe, Krankheit sowie Leid und Tod ruhte nicht mehr auf der Basis des Evangeliums.
Doch gerade die Lehre der Kirche zu Liebe und Sexualität, wie sie insbesondere in der "Theologie des Leibes" durch den heiligen Johannes Paul II. ausgebreitet worden sei, beinhalte eine großartige Tiefe und Schönheit. Die deutsche Kommission schlüge in ihren Äußerungen demgegenüber eine Gegenrichtung ein, die "das Leben der Menschen zerstört".

Der Autor des Artikels, Grzegorz Górny, kommt in seinem Fazit darauf zu sprechen, dass die deutschen Bischöfe bislang noch keinen derartigen offiziellen Brief zu ihrem Sonderweg erhalten hätten, obwohl deren Kollegen in vielen Ländern den deutschen Vorgängen kritisch gegenüberstünden.

Bischof Zmitrowicz bestätigt Echtheit der Aussagen

In einer Anfrage der Tagespost bestätigte Bischof Radoslaw Zmitrowicz die Echtheit der Aussagen, die auf „wpolitye.pl“ betreffs seines Briefes an Bischof Heiner Koch als den Vorsitzenden der deutschen Bischofskommission für die Ehe und Familie zusammengefasst werden. Zugleich betonte er, dass es sich um den Brief der entsprechenden ukrainischen bischöflichen Kommission handle, nicht um ein Schreiben aus der ukrainischen Bischofskonferenz. Unabhängig davon wird der Synodale Weg mittlerweile auch auf ukrainischen Seiten wie „rodyna.org.ua“ kritisch begleitet.

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