Frankfurt/Main

Sternberg: Das Gespenst der Spaltung nicht an die Wand malen

Erste Synodalversammlung eröffnet. DBK-Vorsitzender Marx: Licht des Evangeliums soll nicht nur den ganz Frommen leuchten. ZdK-Präsident: Niemand will einen deutschen Sonderweg.

Einzug zum Eröffnungsgottesdienst zur Synodalversammlung
Kardinal Reinhard Marx (2.v.l.), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Nikola Eterovic (m.), Apostolischer Nuntius in Deutschland, und Georg Bätzing (r.), Bischof von Limburg, beim Einzug in den Gottesdienst zur Eröffnung der Synodalversammlung am 30. Januar 2020 im... Foto: Harald Oppitz (KNA)

Mit einem feierlichen Gottesdienst im Frankfurter St. Bartholomäus-Dom ist die erste Synodalversammlung des Synodalen Weges der katholischen Kirche in Deutschland am Donnerstag eröffnet worden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Marx, rief in seiner Predigt zu einem Perspektivwechsel auf. 

„Ich empfinde den Synodalen Weg als eine Einladung an uns, einen Perspektivwechsel vorzunehmen und zu lernen. Es gibt keinen geistlichen Weg der Umkehr ohne Einsicht, ohne die Erkenntnis eigener Irrtümer, Katastrophen, Krisen oder Wunden, die einem zugefügt wurden. Es gibt keinen Aufbruch, keinen Neuanfang, keine Neuevangelisierung ohne eine solche Umkehr“, hob Marx hervor. Diese Auffassung solle auch am Anfang des Synodalen Weges stehen.

Mit dem Thema „Macht in der Kirche“ beschäftigen 

Ausdrücklich nahm Marx in seiner Predigt auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche Bezug: „Dieser Skandal muss uns in Gang bringen, aus den Erkenntnissen der Vergangenheit, auch durch die wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas, zu lernen, nach vorne zu schauen. Wir müssen zur Erkenntnis der Sünde und der Fehler der Vergangenheit stehen. Ohne ein Hinschauen werden wir den geistlichen Weg der Zukunft nicht gehen können.“

Dazu gehört für den Erzbischof von München und Freising auch eine kritische Beschäftigung mit dem Thema Macht in der Kirche, einer Macht, die Dienst sein solle. Für Marx wäre es ein starkes Zeichen, wenn deutlich würde, was Macht und Dienst in der Kirche bedeute, nämlich nicht über andere zu herrschen, sondern das Miteinander in der Kirche zu zeigen. 

Das Licht unter den Scheffel gestellt

„Sind wir schon am Ende unseres Suchens“, fragte Marx in seiner Predigt, um diese Frage gleich selbst zu beantworten. „Nein, sind wir nicht!“ Weiter sagte der Kardinal: „Wir haben in der Vergangenheit vielleicht unser Licht manchmal zu sehr unter den Scheffel gestellt.“ Nun müsse man sich fragen, wie man es wieder zum Leuchten bringen könne, „aber für alle! Nicht nur für ein paar Auserwählte, für die ganz Frommen.“

Im Anschluss der Eucharistiefeier trat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Professor Thomas Sternberg, an den Ambo und rief dazu auf, den Synodalen Weg „freimütig“ zu führen. „Dabei sollten wir einander nicht die Frömmigkeit absprechen“, betonte Sternberg.

Sternberg:  In der Frauenfrage sind wirkliche Reformen gefordert 

Auch Sternberg kam auf den Missbrauchsskandal zu sprechen. Der Skandal sei Auslöser von Unruhe, Unzufriedenheit und Verärgerung gewesen. Treue Mitglieder der Kirche seinen aufgebracht gewesen.  Angesichts des Skandals gelte es, neue Wege zu finden, um glaubwürdig das Evangelium zu verkünden. 

Mit Nachdruck forderte Sternberg eine stärkere Partizipation der Frauen in der Kirche. „Die inzwischen selbstverständliche Teilhabe der Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik muss in der Kirche zu wirklichen Reformen führen, deren Erörterung nicht ignoriert und schon gar nicht verboten werden kann.“

Niemand hat die Absicht, einen nationalen Sonderweg zu gehen

Die Erwartungen an den Synodalen Weg seien trotz verbreiteter Skepsis „sehr, sehr hoch!“, betonte Sternberg. Der ZdK-Präsident forderte eine „heilsame Dezentralisierung der Kirche“. Deswegen müsse man nicht gleich das Gespenst der Spaltung an die Wand malen. „Wir alle sind selbstverständlicher Teil der Weltkirche.“ Niemand habe vor, einen nationalen Sonderweg in Deutschland gehen zu wollen. 

Mit der Eröffnung der ersten Synodalversammlung beginnt die eigentliche inhaltliche Arbeit des Synodalen Weges. Der Synodale Weg wird von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragen. Offizieller Auftakt war der ersten Advent 2019. Die erste Synodalversammlung dauert bis Samstag und findet  in Frankfurt am Main statt. 

Neue Ausgabe der Sonderbeilage der Tagespost zum Synodalen Weg erschienen 

Aus Anlass der ersten Synodalversammlung ist eine neue Ausgabe der Sonderbeilage der Tagespost zum Synodalen Weg erschienen. „Welt&Kirche“ lautet der Titel der 16-seitigen Sonderpublikation, die am Donnerstag der Tagespost beilag und über den Johann Wilhelm Naumann Verlag in Würzburg zu beziehen ist.

DT

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