Sorge um die Einheit

Skeptische Reaktionen aus der Weltkirche auf den "Synodalen Weg".

Kritik am "Synodalen Weg"
Auch hochrangige Würdenträger kommentieren die Ereignisse um den anvisierten „Synodalen Weg“ aufgrund des nicht geringen finanziellen und ideellen Einflusses der Deutschen auf die Weltkirche. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Die Spannungen zwischen Rom und den deutschen Bischöfen werden im Vorfeld der Amazoniensynode weltweit mit Sorge beobachtet. Auch hochrangige Würdenträger kommentieren die Ereignisse um den anvisierten „Synodalen Weg“ aufgrund des nicht geringen finanziellen und ideellen Einflusses der Deutschen auf die Weltkirche. Nicht nur die römische Kurie beobachtet besorgt die Katholiken in deutschen Landen. Auch in anderen Ortskirchen wird nicht erst seit den Volten zur Durchsetzung des Kommunionempfang für konfessionsverschiedene Ehepartner, Pastoralinnovation aus Deutschland mit Skepsis betrachtet.

Typisch für "spießbürgerliches und weltliches" Christentum

Kardinal Robert Sarah, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, nannte den „Synodalen Weg“ nicht beim Namen, wurde jedoch in einem Interview mit dem US-amerikanischen National Catholic Register unmissverständlich deutlich: Man wolle die Agenda der Weihe verheirateter Männer, Schaffung von Ämtern für Frauen und die Übertragung von Kompetenzen an Laien den armen Kirchen aufzwingen: „Einige Leute denken, dass sie allmächtig sind, weil sie ärmere Kirchen finanzieren.“

Die Forderungen verlangten eine Revolution in der Kirche und seien „typisch für ein spießbürgerliches und weltliches Christentum“, so der aus Guinea stammende Kardinal. Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln und Kritiker des „Synodalen Weges“ bedankte sich denn auch umgehend via Twitter für die Äußerungen seines Mitbruders. Sarah fordert eine tiefe und radikale Reform, die bei einer Erneuerung des Priestertums beginnen müsse. Explizit nannte Sarah die Förderung der Liturgie in der außerordentlichen Form. Es sei Zeit, „alle Lasten abzuwerfen und endlich die Kirche aufscheinen zu lassen wie Gott sie geformt hat“, so der Kurienkardinal.

Kardinal Burke sieht die Katholizität der Kirche gefährdet

Beim Namen nannte dagegen der ehemalige Präfekt der Apostolischen Signatur, Kardinal Raymund Leo Burke, die Deutschen und erinnerte an ihren Einfluss auf die Amazoniensynode. Dabei zitierte er eine Aussage des Bischofs von Essen, Franz-Josef Overbeck, der dem Lateinamerika-Hilfswerk der Deutschen Bischofskonferenz Adveniat vorsteht: „Nichts wird mehr sein wie zuvor!“ Burke sieht daher ernsthaft die Katholizität der Kirche gefährdet und betonte, dass das verbindende Element zwischen dem „Synodalen Weg“ und der Amazoniensynode das Verlangen sei, eine Kirche nach den eigenen kulturellen Maßstäben zu schaffen. Der „Synodale Weg“ der deutschen Katholiken müsse daher abgebrochen werden.

Antonio Kardinal Canizares Llovera, Erzbischof von Valencia, versucht dagegen, die Sorgen vor einem Schisma zu zerstreuen. Die Initiative der Papstes, sich brieflich an die deutschen Katholiken zu wenden, habe den Weg vorgezeichnet. Damit sei jede Angst „vor vorhersehbarem Unsinn, der niemals eintreten“ wird, genommen. Medien und soziale Netzwerke prägten dagegen ein Umfeld, das in keiner Weise den Frieden und die innere Einheit der Kirche fördert. Vielmehr müsse nach dem Vorbild Christi das Gebet um die Einheit der Kirche die Sorge bestimmen.

Falsch verstandene Freiheit führt zu Schismen

Der Erzbischof von Denver, Samuel J. Aquila, warnte dagegen im Denver Catholic davor, dass eine falsch verstandene Freiheit im Lauf der gesamten Kirchengeschichte die Schismen hervorgebracht hätten. Dabei bezog Aquila die neulich vom Papst ausgesprochene Warnung vor schismatischen Tendenzen ausdrücklich auf die deutschen Katholiken. Der Erzbischof ermahnte: „Damit die Kirche vereint bleibt, müssen wir alle danach streben, Jesus Christus und seine Lehren und nicht die der Welt zu lieben und mit ihnen verbunden zu bleiben. Wir müssen auf Jesus Christus vertrauen. Und darauf vertrauen, dass er seinen Verheißungen treu bleibt.“

Ausländische Medien verweisen auch auf aktuelle Mahnungen des Papstes an die Synode der griechisch-katholischen Bischöfe der Ukraine. Der Papst warnte abweichend von seinem Manuskript: „Die Synode ist kein Parlament! Synode ist nicht zu verstehen wie Politik: Ich gebe dir das, du gibst mir das. Nein, die Synode führt keine soziologischen Untersuchungen durch, wie manche glauben. Wenn es keinen Heiligen Geist gibt, gibt es keine Synode ... und noch mehr, wenn es keine Kirche gibt, gibt es keine Synode.“

Es bleibt abzuwarten, inwiefern diese Ansprach des Papstes seine Haltung zum „Synodalen Weg“ in Deutschland widerspiegelt, wie es seitens ausländischer Bischöfe und katholischer Medien vermutet wird.

Angesichts der bevorstehenden Amazoniensynode dürften die Blicke nicht nur auf die Synodenaula gerichtet sein, sondern auch auf das Agieren des deutschen Episkopats auf seinem „Synodalen Weg“.