Würzburg

„Sich selbst heiligen“

Der Aachener Diözesanpriester Guido Rodheudt und Elisabeth Doczy, Sprecherin der Generation Pontifex, schildern ihre Anregungen zur Erneuerung der Kirche in Deutschland.

Vor Beginn des Synodalen Wegs
Ist die Ausrichtung auf Christus wirklich das Leitmotiv in Frankfurt? Davon hängt alles ab. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Forum 1: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag

Welche konkreten Erfahrungen von Macht und Ohnmacht haben Sie in der Kirche gemacht und was muss Ihrer Meinung nach in der Kirche verändert werden, damit der Umgang mit Macht besser kontrolliert und Machtmissbrauch verhindert werden kann?

 Pfarrer Guido Rodheudt: In der Kirche geht es nicht um Macht. Sondern um Vollmacht, die von Christus in unterschiedlicher Weise in die Hände von Menschen gelegt wurde. Deswegen ist der Anspruch unappetitlich, im Sinne einer unchristlichen Weltanschauung dieses geistliche Geschenk unseres Herrn Jesus Christus politisch zu instrumentalisieren.

Wie können mehr Menschen aktiv an den Aufgaben und Entscheidungen in der Kirche beteiligt werden?

Pfarrer Guido Rodheudt: Indem sie, wie es das Zweite Vatikanum fordert, sich selbst durch ein gläubiges und missionarisches Leben, gestärkt durch die heiligen Sakramente, heiligen.

Wie können wir im Sinne von Papst Franziskus als Kirche in Deutschland überzeugender eine dienende Kirche sein?

Indem wir unseren Missionsauftrag wahrnehmen und den Menschen durch die Begegnung mit der geoffenbarten Wahrheit, zum Heil verhelfen. Eine relativistische Wahrheitsauffassung ist diesbezüglich weder gedanklich noch geistlich nachvollziehbar.

 

Forum 2: Leben in gelingenden Beziehungen –Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft

Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht, welche Erkenntnisse oder Überzeugungen persönlich gewonnen?

Elisabeth Doczy: Klares Vermitteln und eindeutiges Praktizieren schaffen Akzeptanz. Kein Zeugnis ist für andere wahrhaftiger, akzeptierter und interessanter als das selbst Vorgelebte. Die Akzeptanz ist dort verloren gegangen, wo die Weisungen nicht gelebt wurden, die Verkündigung zum Lippenbekenntnis wurde oder die Lehre der Kirche erst gar nicht bekannt ist. Wo Verkündigung nur mehr als Lippenbekenntnis wahrgenommen wird, wird der Inhalt hinterfragt und verworfen. Daher braucht es eine profunde Kenntnis der katholischen Sexualmoral und Unterstützung für gelingende Ehen, solide Berufungswege und seelsorgliche Begleitung von Singles. Ein Beispiel, wie dies gelingen kann: Initiativen zur Verbreitung der Theologie des Leibes mit Hilfestellungen und Beratung für deren Umsetzung im eigenen Leben. (unter anderen Initiative Christliche Familien: christlichefamilie.at

Wie kann die Kirche Ihrer Meinung nach das Evangelium von der Liebe Gottes in unserer Zeit überzeugender verkünden?

Elisabeth Doczy: Inhaltliche Vorgaben und praktische Handlungsanweisungen findet man zum Beispiel im Neuen Testament oder im Katechismus der Katholischen Kirche.

Was ist Ihnen wichtig in der Sexuallehre der Kirche und was müsste dringend verändert werden?

Elisabeth Doczy: Die katholische Sexuallehre gehört tatsächlich gelehrt und in ihrer Umsetzung gefördert. Das bedeutet: Geistliche Begleitung von Jugendlichen, von Ehepaaren, von Alleinstehenden sowie von Katholiken, die sich zu Menschen desselben Geschlechts hingezogen fühlen, sich aber nach den Vorgaben der katholischen Kirche richten möchten. Ein Best Practice Beispiel in diesem Fall: die US-amerikanische Initiative Courage (couragerc.org).

 

Forum 3: Priesterliche Existenz heute

Was zeichnet Ihrer Auffassung nach einen authentischen Priester heute aus, welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte er besitzen?

Pfarrer Guido Rodheudt: Glaube, Hoffnung, Liebe. Leidenschaft für Christus. Mut zum Anderssein. Frömmigkeit und Gottesfurcht und das ungeteilte Engagement für das Heil der Seelen.

Wie kann ein authentischer Priester mitten in der Welt von heute in der Nachfolge Jesu leben, welche Lebensform halten Sie für den Priester heute für angemessen?

Pfarrer Guido Rodheudt: Durch eine hohe Identifikation mit Christus und Seiner Kirche sowie zu ihrer Tradition, ohne die ich nicht leben kann.

Was müssen wir in der Kirche tun oder verändern, damit es mehr Berufungen gibt und der Dienst des Priesters attraktiver für junge Menschen wird?

Pfarrer Guido Rodheudt: Mit der ständigen Mäkelei und Inkriminierung der Priester aufhören. Wenn der Priester aus den eigenen Reihen zur Witzblattfigur verkommt, wird man die letzten Berufungen verhindern. Aber das scheint ja das Ziel des Synodalen Wegs zu sein.

 

Forum 4: Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche

Wie sehen Sie die Rolle der Frau in der Kirche?

Elisabeth Doczy: Einzelne Frauen gestalten die „Rolle“ der Frau in der Kirche bereits seit langem und das von selbst. Wohin man schaut, leben Pfarren durch die Tätigkeit eines Priesters und die Arbeit vieler Frauen, die sich im Pfarrgemeinderat, in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung, in der Gestaltung der Gottesdienste, in der Aufstellung des Pfarrgemeinderats, und vieles mehr engagieren. In der Ausübung dieser Tätigkeiten zeigt sich der Geist, in dem eine Gemeinde atmet. Je hingebungsvoller dieser Arbeit nachgegangen wird, desto anziehender wirkt eine Gemeinde auf Außenstehende.

Was müsste sich ändern, damit mehr Frauen Leitungspositionen in der Kirche übernehmen können?

Elisabeth Doczy: Abgesehen von den Weiheämtern können fast alle Ämter sowohl von Frauen als auch von Männern eingenommen werden. Abgesehen davon lohnt es sich aber zu überlegen, wie Frauen und Männer ihre Talente und Charismen in der Kirche einbringen können. Dies würde auch dazu beitragen, Priester von administrativen Aufgaben zu entlasten, sodass sie ihren genuin priesterlichen Aufgaben nachkommen können.

Wie müsste das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche gestaltet sein, damit wir in unserer Zeit glaubwürdig das Evangelium verkünden können?

Elisabeth Doczy: Das Gebot Jesu, das gestern wie heute wie morgen gilt, erfüllen – bei Mann wie Frau: „dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe“. (Johannes 15, 12)

 

Sonstiges

Elisabeth Doczy: Lassen wir den Heiligen Papst Johannes Paul II. sprechen (22.10.1978): Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und seine Herrschergewalt anzuerkennen! Helft dem Papst und allen, die Christus und mit der Herrschaft Christi dem Menschen und der ganzen Menschheit dienen wollen! Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Heute weiß der Mensch oft nicht, was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt. Er ist deshalb oft im Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde. Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also — ich bitte euch und flehe euch in Demut und Vertrauen an —, erlaubt Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur er hat Worte des Lebens!

Pfarrer Guido Rodheudt: Der Synodale Weg ist eine hochexplosive Mogelpackung, die – da sie mit derartigen Ressentiments gegen die Kirche und ihre Lehre und Tradition antritt – ein Abbruchunternehmen sein wird. Diabolisch im Wortsinne!

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