Franfurt/Main

Sexualität wird zum Synodalproblem

Beim Thema Sexualität und Beziehung liegen die Meinungen innerhalb der Synodalversammlung weit auseinander. Weihbischof Schwaderlapp verwahrt sich gegen "Karikaturen" der katholischen Sexualmoral. Erzbischof Heße: Kirche soll von Homosexuellen keine Enthaltsamkeit fordern.

Erste Synodalversammlung in Frankfurt/Main
Bei der Synodalversammlung wurde kontrovers über das Thema Sexualität und Beziehungen diskutiert. Im Bild: Blick in den Versammlungsraum in einer Debattenpause.

Zum Abschluss der ersten Synodalversammlung stand das Forum "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" im Mittelpunkt der Debatte. Dazu wurde der in Frankfurt/Main tagenden Synodalversammlung am Samstag der Bericht des Vorforums und die Ausweitung der Onlineumfrage vorgelegt. 

Barmherzigkeit und Toleranz in den Vordergrund stellen

Zunächst stellten Bischof Georg Bätzing und Birgit Mock die Ergebnisse der Diskussionen im Vorforum vor, die geprägt waren von einer sehr unterschiedlichen  Wahrnehmung, was auch die Analyse der Onlinebefragung durch die Soziologin Andrea Heim zeigte. Heim stellte ebenso wie bereits die Leitung des Vorforums fest, dass eine große Diskrepanz zwischen jenen gäbe, die die Sexualmoral der Kirche bejahen oder ablehnen. Daneben machte Heim auch eine große Gruppe  aus, die die traditionelle Sexualmoral zwar grundsätzlich bejahen, jedoch den Blick auf den Einzelfall, Barmherzigkeit und Toleranz in der Vordergrund stellten. Konsens sei in den Rückmeldungen, dass das Handeln und die Weisung Jesu von allen Gruppen als Maßstab und Grundlage der eigenen Position gesetzt werde.

In der anschließenden Debatte wurde deutlich, dass die Wahrnehmungen je nach persönlichem Hintergrund weit auseinander gingen. Während Caritas-Präsident Prälat Peter Neher einen theologischen Grundsatz „Vox populi, vox Dei“ aufstellte, stellte eine italienischstämmige Katholikin fest, dass ihr die Debatten des Synodalen Weges fremd blieben.

Heße fordert neuen Umgang mit dem Thema Homosexualität

Der junge Synodale Janosch Roggel lenkte den Blick auf die Verquickungen von Sexualmoral und Missbrauch, dem er selbst zum Opfer gefallen sei. Mit seiner transsexuellen Neigung sei er zudem vom Täter erpresst und in Abhängigkeit gehalten worden. Die Synodale Versammlung müsse sich im Klaren sein, dass auch „Opfer von Machtmissbrauch in diesem Raum“ seien. Dass das Festhalten an der binären Geschlechterordnung, wie die Lehre der Kirche sie vorlegt, sexualisierte Gewalt begünstige, führte ein weiterer junger Delegierter aus, der sich als Sexualpädagoge vorstellte. 

Dagegen brach der Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp eine Lanze für die Sexualmoral der katholischen Kirche und kritisierte „Karikaturen“, die in Umlauf seien. Es gehe der Sexualmoral darum, den Leib als Instrument zu betrachten, der das Unsichtbare sichtbar mache.

Zum Ende der Debatte richtete der Hamburger Erzbischof Stefan Heße den Blick nochmals auf die MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch und den Umgang mit Homosexualität. Speziell in der Priesterausbildung müsste der bisherige Umgang mit dem Thema infrage gestellt werden. Darüber hinaus komme der im Katechismus geforderte „Respekt“ für Homosexuelle nicht gut an und werde als diskriminierend empfunden. Die Kirche müsse weiterführende Antworten finden, die gelebte Werte in homosexuellen Beziehungen anerkennen, ohne Enthaltsamkeit einzufordern.

DT/ska

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .